Diese seltsame Zeit

In den letzten Tagen merke ich, dass die Begleiterscheinungen der Pandemie an meinen Nerven kratzen. Auch einige meiner Klient*innen berichten, dass sie den Eindruck haben, ihre Kräfte ließen nach. Auch wenn alle, mit denen ich spreche, die Einschränkungen für notwendig halten und sie sehr um das Einhalten der Regeln bemüht sind – sie sehnen sich nach dem Ende.

Es ist gesünder, alles zuzulassen, das Einverständnis und den Frust, das Geduldig-Sein und das Genervt-Sein. Gesünder, als nur einen Aspekt sehen zu wollen, sich zu versteifen und zu verengen. Es ist schwierig, für alle von uns verschieden, wir können auch Positives entdecken, aber eben nicht nur. Wir leben nach Regeln, die wir uns so nicht ausgesucht haben. Anpassung über so eine lange Dauer strengt an. Die meisten jedenfalls.

Ich fand in meinem Fundus, mit dem ich arbeite, ein Bild und ein Gedicht. Es passt zu meiner heutigen Stimmung.

Die Nachweise für das Bild, das Gedicht und den Herausgeber befinden sich unter dem Gedicht. Alle diese wunderbaren Menschen hinterlassen ihre Spuren im Internet und auch bei Facebook, man kann ihnen also folgen!

Aufhellende Überlegungen

Bei mieser Stimmung kann ein Zirkeltraining besonderer Art helfen:

Was habe ich Schönes, Spannendes, Erfreuliches gesehen, was kommt mir in den Kopf? Bestimmt lässt sich da etwas finden! Ein Foto im Internet, ein Bildnis im Museum, einen Anblick in der Natur, einen Menschen, einen Raum, eine Aussicht, ein Gebäude… Wenn es auftaucht, male ich es mir in allerlei Weise aus: Wie waren die Farben, wie das Licht, die Kanten, die Übergänge, ging es in die Tiefe, war es ein besonderes Detail, das mich fesselte oder erfreute?

Welchen Duft habe ich genossen? Blumen, Wald, die See, Parfum, frische Farbe, Heu, Schnee, Moos, frische Wäsche – an der Luft getrocknet, Holz, aufgeschnittener Apfel, Mörtel, Bratkartoffeln, Kaffee… Ach, das ist so vieles, wer hätte das gedacht!

Welche Klänge haben mich berührt? Ein Gesang, Glockenläuten, Vogelgezwitscher, ein Konzert, Meeresrauschen, das Aufflattern eines Wasservogels, ein Lachen, Regen auf dem Dach, prasselndes Feuer, ein Gong – und die Stille danach.

Was mochten Zunge und Gaumen? Guten Wein, kühles Eis, frisches Brot, grünen Salat mit frischem Dill, Schokolade, all das und noch viel mehr, und das am intensivsten, wenn es aus irgendeinem Grund eine Weile nicht geschmeckt wurde.

Was gab es Besonderes zu tasten, zu spüren auf der Haut? Abkühlendes Wasser bei Hitze, Warmes bei Kälte, Samt, Gras, die Wärme um Ofen, Heizung oder Feuer herum, die Kühle des Wasserglases, glatt geschliffenes Holz, Baumrinde, eine Umarmung …

Wo war mein Herz ganz dabei, voll Zuneigung und Freude?


Wo war mein Verstand so besonders angeregt und vollkommen in etwas aufgegangen?


Wo hielt ich inne und war ganz bei mir?


Auch wenn die Stimmung mies ist, die Welt gerade grau gemalt wird, die Stirn gerunzelt: Eintauchen in das Zirkeltraining der Sinne und der Erinnerungen kann anregen, wieder bunter zu malen und die Stirn zu glätten. Und ein Lächeln, sei es noch so zaghaft, verstärkt das Ganze!

Informationen über Rechte im Falle häuslicher Gewalt

Anlässlich der Pandemie-bedingten zusätzlichen Gefährdungen für häusliche Gewalt gebe ich heute den Text des Merkblatts für Opfer einer Straftat des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz bekannt. Da Verlinkungen nicht zuverlässig Bestand haben, füge ich den Text des Merkblatts hier unformatiert ein. Hierbei handelt es sich nur um Informationen, nicht um eine Rechtsberatung. Für die im Text enthaltenen Verlinkungen übernehme ich keine Verantwortung.

„Welche Rechte habe ich als Opfer einer Straftat?
Niemand ist darauf vorbereitet, Opfer einer Straftat zu werden. Egal, ob es um einen Taschendiebstahl, eine schwere Körperverletzung oder eine andere Straftat geht: Man ist durch die Straftat verletzt oder verstört und weiß danach oft nicht, was man machen soll. Dieses Merkblatt soll Ihnen einen ersten Überblick darüber geben, wo Sie in dieser Situation Hilfe finden und welche Rechte Sie haben.

Wer kann mir helfen?
Beratung und Hilfe bieten Opferhilfeeinrichtungen. In den Beratungsstellen arbeiten speziell ausgebildete Frauen und Männer, die viel Erfahrung mit Menschen in Ihrer Situation haben, Ihnen zuhören und helfen wollen. Sie können Ihnen je nach Schwere des Falles auch weitergehende Hilfe vermitteln, z.B. psychologische oder therapeutische Hilfe. Einen Überblick, an wen Sie sich wenden können, finden Sie hier:
→ www.bmjv.de
Ansonsten kann Ihnen auch jede Polizeidienststelle oder eine Suche in der Online-Datenbank für Betroffene von Straftaten weiterhelfen.
→ www.odabs.org

Wie kann ich eine Straftat anzeigen und was passiert dann?
Wenn Sie eine Straftat anzeigen wollen, dann können Sie sich an jede Polizeidienststelle wenden. Wenn Sie eine Strafanzeige gestellt haben, können Sie diese nicht mehr einfach zurücknehmen, denn die Ermittlungsbehörden (Polizei und Staatsanwaltschaft) müssen grundsätzlich jede angezeigte Straftat verfolgen. Nur bei einigen weniger schwer wiegenden Straftaten (wie z.B. bei Beleidigung oder Sachbeschädigung) kann das Opfer darüber bestimmen, ob die Straftat verfolgt wird. Daher heißen diese Taten auch Antragsdelikte: Die Strafverfolgung findet in der Regel nur auf Antrag statt, also nur, wenn Sie als Opfer der Straftat dies ausdrücklich wünschen. Diesen Antrag müssen Sie innerhalb von drei Monaten stellen, nachdem Sie von der Tat und der Person des Täters erfahren haben.

Was ist, wenn ich die deutsche Sprache nicht oder nur schwer verstehe?
Das macht nichts. Wenn Sie eine Anzeige erstatten wollen, wird man Ihnen helfen. Wenn Sie als Zeugin oder Zeuge vernommen werden, haben Sie einen Anspruch darauf, dass eine Dolmetscherin oder ein Dolmetscher hinzugezogen wird.

Welche Informationen kann ich über das Strafverfahren erlangen?
Wenn Sie Opfer einer Straftat geworden sind, erhalten Sie Informationen zum Strafverfahren nicht immer automatisch. Sie müssen, am besten gleich bei der Polizei, sagen, ob und welche Informationen Sie haben möchten. Wenn Sie dies wünschen, werden Sie über Folgendes informiert: → Sie erhalten eine kurze schriftliche Bestätigung Ihrer Strafanzeige.
→ Ihnen wird mitgeteilt, wenn die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt hat, d.h. nicht zur Anklage vor Gericht gebracht hat.
→ Sie werden darüber informiert, wann und wo die gerichtliche Verhandlung stattfindet und was dem bzw. der Angeklagten vorgeworfen wird.
→ Ihnen wird das Ergebnis des gerichtlichen Verfahrens mitgeteilt, d.h. ob es einen Freispruch oder eine Verurteilung gab oder ob das Verfahren eingestellt wurde.
→ Sie erhalten Informationen darüber, ob der bzw. die Beschuldigte oder Verurteilte in Haft ist.
→ Ihnen wird mitgeteilt, ob dem bzw. der Verurteilten verboten ist, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Zusätzlich können Sie im Einzelfall beantragen, Auskünfte oder Kopien aus den Akten zu erhalten. Dies kann nach einem Verkehrsunfall beispielsweise eine Unfallskizze sein, die Sie benötigen, um Schadensersatz oder Schmerzensgeld zu verlangen. Wenn Sie nicht nebenklageberechtigt sind (zur Nebenklage gleich weiter unten), müssen Sie den Antrag auch begründen, also erklären, warum Sie diese Informationen aus den Akten brauchen. Ausnahmen davon können im Einzelfall möglich sein.

Ihre Aussage als Zeugin oder Zeuge
Wenn Sie Opfer einer Straftat geworden sind, sind Sie als Zeugin oder Zeuge für das Verfahren sehr wichtig. In der Regel machen Sie Ihre Aussage bei der Polizei. In vielen Fällen müssen Sie später auch noch vor Gericht aussagen. Nur in Ausnahmefällen, z.B. wenn Sie mit der beschuldigten Person verheiratet oder verwandt sind, dürfen Sie eine Aussage verweigern, Sie müssen also nichts sagen. Sie müssen aber bei Ihrer Vernehmung Ihren Namen und Ihre Adresse sagen. Es kann eine Ausnahme gemacht werden, wenn eine besondere Gefährdung vorliegt. Das kann z.B. der Fall sein, wenn Ihnen jemand Gewalt angedroht hat, weil Sie aussagen wollen. Dann müssen Sie Ihre private Anschrift nicht bekannt geben. Sie können stattdessen eine andere Anschrift mitteilen, über die Sie erreicht werden können. Das kann z.B. eine Opferhilfeeinrichtung sein, mit der Sie in Kontakt stehen.

Als Zeugin oder Zeuge auszusagen, ist für Sie sicherlich eine Ausnahmesituation, die sehr belastend sein kann. Daher können Sie zu der Vernehmung auch jemanden mitbringen. Das kann eine Verwandte oder ein Verwandter sein oder auch eine Freundin oder ein Freund. Diese Person darf bei der Vernehmung dabei sein und nur in Ausnahmefällen ausgeschlossen werden. Natürlich können Sie sich auch durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt begleiten lassen. In besonderen Fällen kann Ihnen sogar für die Dauer der Vernehmung eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt auf Staatskosten zur Seite gestellt werden. Wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie für eine Vernehmung, egal ob durch die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder das Gericht, einen solchen Beistand benötigen, fragen Sie vor Ihrer Vernehmung bei der Person nach, die die Vernehmung durchführt! Sind Kinder oder Jugendliche Opfer einer Gewalt- oder Sexualstraftat geworden, gibt es die Möglichkeit einer professionellen Begleitung und Betreuung während des gesamten Verfahrens, die sogenannte psychosoziale Prozessbegleitung. Im Einzelfall können auch erwachsene Opfer schwerer Gewalt- oder Sexualverbrechen eine solche Betreuung benötigen und erhalten. Die psychosoziale Prozessbegleitung ist, wenn sie vom Gericht bestätigt worden ist, für die Opfer kostenlos. Fragen Sie bei der Polizei oder einer Opferhilfeeinrichtung nach. Diese können Ihnen weitere Informationen geben. Im Internet können Sie ebenfalls viele Informationen zur psychosozialen Prozessbegleitung unter
→ www.bmjv.de/opferschutz und dort unter der Rubrik „psychosoziale Prozessbegleitung“ finden.

Kann ich mich dem Strafverfahren als Nebenklägerin bzw. Nebenkläger anschließen?
Wenn Sie Opfer bestimmter Straftaten geworden sind, können Sie im Verfahren als Nebenklägerin oder Nebenkläger auftreten. Dazu gehören z.B. Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, versuchte Tötung oder eine Tat, die zur Tötung einer oder eines nahen Angehörigen geführt hat. In einem solchen Fall haben Sie besondere Rechte, z.B. können Sie, anders als die anderen Zeuginnen oder Zeugen, immer an der Gerichtsverhandlung teilnehmen.

Wer bezahlt meine Rechtsanwältin oder meinen Rechtsanwalt?
Wenn Sie anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, können Ihnen Kosten entstehen. Wird der bzw. die Angeklagte verurteilt, muss er bzw. sie Ihre Rechtsanwaltskosten übernehmen. Allerdings sind nicht alle Verurteilten auch in der Lage, die Kosten tatsächlich zu bezahlen. Daher kann es vorkommen, dass Sie die Kosten selbst tragen müssen. In besonderen Ausnahmefällen können Sie beim Gericht beantragen, eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt auf Staatskosten zu bekommen. Das ist z.B. bei schweren Gewalt- oder Sexualstraftaten so oder wenn nahe Verwandte, z.B. Kinder, Eltern oder die Ehepartnerin bzw. der Ehepartner durch eine Straftat ums Leben gekommen sind. In diesem Fall kommt es nicht darauf an, ob Sie Vermögen haben oder nicht. Auch in anderen Fällen können Sie bei Gericht für anwaltliche Beratung finanzielle Hilfe beantragen. Das kann der Fall sein, wenn Sie ein zu geringes Einkommen haben und berechtigt sind, sich dem Verfahren als Nebenklägerin bzw. Nebenkläger anzuschließen.

Schadensersatz und Schmerzensgeld
Sie haben durch eine Straftat auch einen Schaden erlitten oder möchten Schmerzensgeld erhalten? Sie möchten diesen Anspruch gleich im Strafverfahren geltend machen?
Das ist in der Regel möglich (sogenanntes Adhäsionsverfahren). Dazu müssen Sie aber einen Antrag stellen. Das können Sie bereits tun, wenn Sie die Straftat anzeigen. Natürlich steht Ihnen auch der Weg offen, Schadensersatz oder Schmerzensgeldansprüche in einem anderen Verfahren, d.h. nicht vor dem Strafgericht, sondern vor dem Zivilgericht, geltend zu machen. Auch hier können Sie bei Gericht finanzielle Hilfe für anwaltliche Beratung beantragen, wenn Sie ein zu geringes Einkommen haben.

Welche Rechte habe ich sonst noch?
Sie haben durch eine Gewalttat gesundheitliche Schäden erlitten? Dann können Sie über das Opferentschädigungsgesetz staatliche Leistungen erhalten, etwa wenn es um ärztliche oder psychotherapeutische Behandlungen, Versorgung mit Hilfsmitteln (z.B. Gehhilfe, Rollstuhl) oder Rentenleistungen (z.B. zum Ausgleich von Einkommensverlusten) geht. Einen Kurzantrag können Sie bereits bei der Polizei stellen. Wenn Sie ein Opfer extremistischer Übergriffe oder terroristischer Straftaten sind, können Sie finanzielle Hilfen beim Bundesamt für Justiz beantragen. Dort erfahren Sie alles zu den Voraussetzungen und zum Verfahren:
→ www.bundesjustizamt.de (Suchwort: Härteleistungen/ Opferhilfe)

Als Opfer häuslicher Gewalt stehen Ihnen vielleicht weitere Rechte nach dem Gewaltschutzgesetz zu. Beispielsweise können Sie beim Familiengericht beantragen, dass dem Täter bzw. der Täterin verboten wird, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Das Gericht kann Ihnen unter besonderen Umständen erlauben, dass Sie eine bisher gemeinsam mit dem Täter bzw. der Täterin bewohnte Wohnung nun allein nutzen dürfen. Die erforderlichen Anträge können Sie entweder schriftlich beim Amtsgericht einreichen oder Ihre Anträge dort vor Ort aufnehmen lassen. Sie müssen sich nicht durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt vertreten lassen.

Was ist ein Täter-Opfer-Ausgleich?
So wird ein Verfahren genannt, das vor allem dem Opfer einer Straftat dabei helfen soll, das erlittene Unrecht zu bewältigen. Anders als im normalen Strafverfahren muss sich ein Täter bzw. eine Täterin ganz konkret und direkt damit auseinandersetzen, welche Schäden und Verletzungen seine bzw. ihre Tat beim Opfer angerichtet hat. Das kann den materiellen Schaden betreffen, den ein Opfer durch eine Straftat erlitten hat, oder seelische Verletzungen, persönliche Kränkungen und durch die Tat hervorgerufene Ängste. Ein Täter-Opfer-Ausgleich wird jedoch nie gegen den Willen des Opfers durchgeführt und auch nur dann, wenn der Täter bzw. die Täterin ernsthaft gewillt ist, die Verantwortung für die Tat zu übernehmen. In geeigneten Fällen kann ein Täter-Opfer-Ausgleich der selbstbestimmten Konfliktbewältigung des Opfers und der Wiederherstellung des Rechtsfriedens dienen. Oft wird dieses Verfahren daher schon von der Staatsanwaltschaft oder der Polizei angeregt. Es gehört jedoch nicht zum eigentlichen Strafverfahren und wird außerhalb des Strafverfahrens durchgeführt. Dafür gibt es besondere Stellen und Einrichtungen, die geschulte Vermittlerinnen und Vermittler einsetzen. Weitere Informationen zum Täter-Opfer-Ausgleich und zu Einrichtungen, die ihn in Ihrer Nähe durchführen, finden Sie im Internet z.B. unter
→ www.toa-servicebuero.de/konfliktschlichter oder auch unter
→ www.bag-toa.de Broschüren und weiterführende Links Informationen rund um den Opferschutz finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Dort finden Sie auch Links zu den jeweiligen Internetseiten der einzelnen Bundesländer (mit Hinweisen zu Opferhilfeeinrichtungen vor Ort) und Links zur Online-Datenbank für Betroffene von Straftaten (ODABS):
→ www.bmjv.de/opferschutz
Weitere hilfreiche Informationen finden Sie in u.a. folgenden Broschüren:
→ Opferfibel
→ Ich habe Rechte
→ Mehr Schutz bei häuslicher Gewalt
→ Beratungs- oder Prozesskostenhilfe alle unter www.bmjv.de/Publikationen
→ Hilfe für Opfer von Gewalttaten unter www.bmas.de/opferentschaedigung”

Bitte gebt / geben Sie diese Informationen an Betroffene weiter!

Eine gute Woche!

Gedanken über Geschenke

Wenn sie mit einem Geschenk überrascht werden, sagen manche: „Ach, das wäre doch nicht nötig gewesen!“ oder: „Du musst mir doch nichts schenken!“ oder „Wofür ist das denn?“

Wem das bekannt vorkommt, könnte versuchen, sich solche Situationen in Erinnerung zu rufen. Was war wohl die Grundlage für diese Reaktion? Wer das von sich selbst kennt, könnte überlegen:

War es die Vermutung, das Geschenk war mit Hintergedanken des / der Schenkenden gebracht? Der Gedanke, jemand erwarte dafür eine Gegenleistung, einen Gefallen? Gab es die Befürchtung, dann nicht „Nein“ sagen zu mögen, den unangenehmen Eindruck, zu etwas verpflichtet zu werden?
War da etwas wie Beschämung? Oje, und ich bringe nie etwas mit, wie peinlich?
Gab es die Idee, dieses Geschenks nicht würdig zu sein?

Wenn ja, wie schade! Angenommen, die schenkende Person wollte einfach eine Freude machen – und nun das! Nun fühlen sich womöglich alle Beteiligten unbehaglich.

Angenommen, es gab dabei Hintergedanken – na und, mal sehen, wie wir damit dann umgehen wollen! Jemand erwartet Gegenleistungen? Vielleicht nutzen wir die Chance, den Satz „Nein, das möchte ich lieber nicht“ zu üben! Und behalten das Geschenk dennoch. Unvorstellbar?

Wäre es angenehm zu lernen, ein Geschenk einfach anzunehmen? Einfach „Danke“ zu sagen und Freude auszudrücken?
Wäre es denkbar, wie in einer Froh-mach-Kette nun einer anderen Person ein Geschenk zu machen, die damit nicht rechnet, es nicht erwartet?  

Und wie ist es mit einem Kompliment oder Lob? Also einem immateriellen Geschenk. Dafür können wir uns die gleichen Fragen stellen: Kann ich es annehmen und mich dabei wohlfühlen? Einfach „Danke“ sagen und Freude ausdrücken?

Schenkende, so sagt man, haben meist ein frohes Gefühl, einfach durch das Schenken. Es tut ihnen gut. Wenn mir jemand sagt „Du musst mir doch nichts schenken!“ antworte ich: „Nö, musst ich nicht, wollt ich aber!“ Wenn es gut läuft, lachen wir dann beide zusammen.

Klar, es gibt Geschenke, die passen nicht. Einer Veganerin sollte ich lieber keine schöne Hühnersuppe mitbringen, nachdem ich gehört habe, sie sei erkältet. Ich hätte es gut gemeint, aber nicht an die Empfängerin gedacht. Doof! Wenn ich es nicht gewusst hätte und sie wiese das Geschenk zurück, dann könnte ich sagen: „Ok, jetzt weiß ich Bescheid. Womit kann ich Dir stattdessen etwas Gutes tun?“

Es gibt unverdientes Lob: Ich habe diese Extraarbeit nicht gemacht, zu diesem tollen Ergebnis nicht beigetragen, dann könnte ich sagen, wem das Lob statt meiner gebührt.

Bei Komplimenten ist es in manchen Fällen gut, einmal mehr zu überlegen vor dem Reden. Passt mein Kompliment überhaupt zu den Werten und Zielen des Gegenübers?
Und was mir gerade auffällt, muss dem Gegenüber nicht unbedingt gleich bei der Begrüßung um die Ohren gehauen werden. „Ey, hast du aber abgenommen, toll!“ Vielleicht hatte die übergewichtige Bekannte gerade mal nicht an ihr Gewichtsproblem gedacht, sondern sich einfach über das Zusammentreffen gefreut.

Mir scheint, es ist im Grunde einfacher, Geschenke, Lob, Komplimente anzunehmen oder gegebenenfalls zurückzuweisen, frei und unverblümt, als welche zu machen.

Wenn das für Sie, für Dich nicht stimmt: Denk / denken Sie mal zurück an die Kindertage, wie war es da mit Geschenken, mit Lob und Komplimenten? Liegt da die Entstehungsgeschichte etwaiger Probleme mit dem Beschenkt-Werden? Ungünstige Vorbilder, ungünstige Erziehungsgrundsätze?

Huh, in meinem inneren Ohr taucht gerade der scharf gesprochene Satz auf: „Und, wie sagt man?“ Da sollte die kleine Ulrike gefälligst sofort „Danke“ sagen, noch vor dem Auspacken! Schon mal Freude heucheln auf gut Glück… Das muss die Große so nicht mehr machen! Puhh!

Eine gute Woche!

Niedergeschlagen? Antriebslos? Oder doch lieber Rückenschmerzen?

Herz-Kreislauferkrankungen oder Schmerzen des Bewegungsapparates gelten als Volkskrankheiten. Von Bluthochdruck oder Nackenverspannungen berichten Menschen meist ohne Scham oder Zurückhaltung. Aber Ängste, Zwänge, Depressionen? Da eher nicht.

Statistiken weisen aus, dass behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen etwa ein Drittel unserer Bevölkerung im Verlauf der Lebensspanne belasten. Die Höhe einer Dunkelziffer kann vermutet werden, wenn wir wissen, dass viele mit ihrer Belastung nicht zum Arzt gehen oder aber dort eher über ihre körperlichen Beschwerden sprechen, die damit einher gehen.

Wie ist, wie wäre es bei Ihnen? Bei Rückenschmerzen und Hoffnungslosigkeit im Gespräch mit einer Fachkraft zu klären, ob das eine vom anderen, das andere vom einen kommen könnte, wäre das ein für Sie gangbarer Weg? Es kann auch eine dritte Verursachung vorliegen, zum Beispiel Belastung durch Umweltgifte. Oder beides hätte miteinander gar nichts zu tun und wäre unabhängig voneinander verursacht und behandelbar? Lohnte es sich, zur Abklärung alle Karten auf den Tisch zu legen oder würden Sie lieber etwas verschweigen oder verharmlosen?

Der Gewinn bei offenem Umgang mit psychischen Problemen könnte darin bestehen, dass sich Ihre Befindlichkeit bessert.

Ob es dabei um eine psychische Belastung geht, die besser in einer längeren Therapie aufgehoben wäre, oder ob es sich um vorübergehende Irritationen handelt – nicht immer liegt das klar zu Tage. Manchmal geht etwas von allein weg, manchmal bleibt es, manchmal wird es bei Nicht-Beachtung schlimmer. Das kann bei Rückenschmerzen und auch bei Ängsten so sein.

Wir alle könnten öfter bedenken, dass wahrscheinlich so einige Menschen, bei denen wir es nie vermutet hätten, die wir vielleicht sehr schätzen, an psychischen Problemen aktuell leiden oder solche aus ihrer Vergangenheit kennen.

Wie gut das wäre, wenn wir unser Verständnis füreinander entwickeln und vertiefen könnten! Wunderbar, wenn wir uns gegenseitig stützen könnten!
Wenn wir offener mit eigenen psychischen Problemen umgehen, indem wir andere teilhaben lassen, können wir dazu beitragen! Wie könnten wir wachsen, wenn wir die Scham überwänden, unsere schwächeren Seiten zu zeigen!

Auch wenn sie „nur“ hinderlich und belastend wären, die Symptome, die wir nicht so an uns mögen, wenn wir mit ihnen im Alltag funktionierten, unauffällig für andere: Wäre es dennoch der Schritte wert, die wir gehen könnten, da etwas zu verändern?

Falls die Antwort JA lautete, dann noch in dieser Woche jemandem davon zu erzählen, was bisher verborgen sein sollte, wäre das ein erster Schritt?

Eine gute Woche!

Kleine Übungen für den Alltag 2

Auch die Anregungen dieser Woche sind nicht als Ersatz für eine Therapie oder Beratung gedacht. Sie können eine kleine Hilfe sein, wenn es an bestimmten Stellen immer wieder hakt. Heute geht es um den Umgang mit den eigenen Gedanken.

  1. Negatives ziehen lassen
    Manche Gedanken hat man sich tatsächlich im Laufe des Lebens aus Versehen angewöhnt. Jetzt scheinen sie in uns auf ewig Platz genommen zu haben.
    Allerdings: Was wir uns angewöhnt haben, können wir in andere Bahnen lenken und Neues an die Stelle setzen. Der Platz wird frei. Bye bye, wir winken zum Abschied.
    Solche unproduktiven Gedanken können lauten „Das schaffe ich nie“, oder „Alles blöd, nichts klappt!“ Na, wir alle haben solche überflüssigen Ideen im Kopf, sie tauchen auf und hauen auch wieder ab, wenn es gut läuft.
    Wenn es weniger gut läuft, verwechseln wir uns mit diesen Gedanken und neigen dazu, sie uns zu glauben. Was tun?
    Viele schöne Vorstellungen gibt es dazu, wie wir sie undramatisch von dannen ziehen lassen können. Mein Favorit: Ich setze meine überflüssigen Gedanken in kleine Papierschiffchen, die ich in meiner Vorstellung liebevoll angefertigt habe und nun behutsam samt diesen Gedanken auf einen fröhlich plätschernden Bach setze. Wie nett ist es, ihnen nachzuschauen, wie sie sich langsam entfernen!
    Auch schön: Sie ziehen auf einem langestreckten See dahin, auf dem Rücken der großen weißen Schwäne… Sie verschwinden im Wasserdunst.
    Oder: Sie liegen wie glitzernde Tropfen auf Herbstblättern, die mit dem Fluss dahintreiben. Ach, ich seh‘ sie schon nicht mehr.
    Auch am Himmel ziehende Wolken könnten gute Dienste tun!
    Manche mögen es vielleicht weniger beschaulich. Bitte sehr: Schießen wir den Kram mit einer Rakete ins Weltall!
    Ich schätze auch die Vorstellung, dass sie wie ein zunächst lauter Ton langsam abschwellen können, bis nichts mehr zu hören ist.
    Soviele Möglichkeiten, kreativ zu werden! Und schon wird es freundlicher im Kopf!
  1. Positives würdigen
    Gelegentlich vergessen wir, den schönen Dingen des Alltags die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Manchmal kriegen wir dazu nur schwer die Kurve. Da kann es helfen, ein paar hübsche Murmeln oder Perlen zu besitzen. Diese könnten einen Platz in einer Jackentasche finden. Und immer, wenn etwas Erfreuliches geschieht – Die Sonne kommt durch die Wolken – Die U-Bahn ist pünktlich – wandert so ein kleines Teil in die andere Jackentasche. Toll, was wir am Ende eines Tagesabschnitts so alles in der Tasche vorfinden! Das sich nochmal anzuschauen, sich zu erinnern, nett!

  2. Abendliche Bilanz
    Vor dem Einschlafen: Was gab es heute, das mir nicht gefallen hat? Was gab es, was ich neutral bewerten möchte? Was gab es heute Gutes für mich? Wie, nix? Ja, solche Tage soll es geben. Dann hilfsweise: Was war immerhin nicht nur doof, sondern hatte auch gute Seiten?
    Diese Tagesbilanz kann helfen, einiges zurechtzurücken!

Üben, üben, üben!
Eine gute Woche!

Kleine Übungen für den Alltag

Diese Anregungen sind nicht als Ersatz für eine Therapie oder Beratung gedacht. Sie können eine kleine Hilfe sein, wenn es einfach darum geht, mit bestimmten Situationen oder Stimmungen besser umgehen zu können.

  1. Nein sagen

– Begründen Sie besser nicht wortreich, warum Sie etwas nicht möchten! Manche Menschen nutzen dies, um Sie mit Gegenargumenten umzustimmen – vielleicht ist es nicht das, was Sie sich wünschen?
– Fürchten Sie, zu schroff rüberzukommen und abgelehnt zu werden? Wollen Sie wirklich entgegen Ihren Bedürfnissen „Ja“ sagen?
– Denken Sie darüber nach, ob Sie selbst ein „Nein“ akzeptieren können! Können Sie anderen das ebenso zutrauen?

Versuchen Sie folgende Formulierungen:

Ich möchte das lieber nicht!
Das ist nicht nach meinem Geschmack!
Das entspricht nicht meinen Zielen!
Ich bevorzuge etwas Anderes!

Ich würde es gut finden, wenn Du mein „Nein“ respektierst!

  1. Lächeln

Manchmal mies drauf zu sein, schadet ja nicht. Wenn es stört, können Sie gegensteuern!

Eine aufrechte Körperhaltung, eine tiefe und genussvolle Atmung, ein entlastender Seufzer, ein Lächeln – der Organismus meldet es Ihrem Gehirn: Hey, es geht schon besser! Und das Gehirn mag es glauben.

Das Lächeln wirkt noch etwas stärker, wenn Sie den Blick himmelwärts richten. Gehen Sie vor die Tür oder öffnen Sie ein Fenster und lächeln Sie mal hoch! Es hebt die Stimmung! Sogar, wenn es eher ein Grinsen ist…

  1. Blickkontakt

Manchen fällt es leichter, manchen schwerer, andern in die Augen zu schauen. Wenn Sie das gern üben wollen, schauen Sie doch beim Spaziergang oder beim Einkaufen einigen Menschen Ihrer Wahl mal offen ins Gesicht! Ein leichtes Lächeln sorgt dafür, dass das direkte Anschauen nicht als Übergriff gewertet wird. Ob zurückgelächelt wird, hat mit dem Gegenüber zu tun, vielleicht ist ihm gerade nicht danach. Dass freundliches Angeschautwerden auch beschwingen und erfreuen kann, ist doch ein netter Gedanke!

  1. Drei Dinge, die ich an mir mag

Falls Sie gerade mit sich hadern, oder auch einfach so: Stellen Sie sich vor den Spiegel, schauen Sie sich freundlich an und machen Sie sich Komplimente! Doch, Sie finden was! Sagen Sie es laut! Winken Sie sich zu! Machen Sie sich eine freundliche Geste, vielleicht mit geöffneten Armen, als wollten Sie sagen:
Hey du, das ist ja klasse, dich hier zu sehen!

Wenn Sie zu denen gehören, die manchmal etwas ganz gut finden und sagen, Ach ja, das mach ich mal, es dann aber vergessen: Schreiben Sie es sich auf Kärtchen, pro Kärtchen eine Übung. Ziehen Sie jeden Tag ein Kärtchen. Nächste Woche geht es weiter!

Eine gute Woche!

Eigenständig in wohltuende Trance gehen

Eigenständig in wohltuende Trance gehen

(Nicht am Steuer, nicht bei der Arbeit mit Maschinen oder gefährdenden Gegenständen! Gut, aber nicht notwendig ist es, dafür einen besonderen Ort zu haben.)

Geben Sie sich die Möglichkeit, 10-15 Minuten täglich in eine wohltuende Trance zu gehen! Sie können es sich erlauben, dabei Ihre ganz eigenen Wege zu finden. Ihr Selbst wird herausfinden, wie es die inneren und äußeren Eindrücke wahrnehmen möchte. Jeden Tag gleich oder von Mal zu Mal verschieden. Was verlässlich bleibt, ist die Gewissheit, dass sich mit jedem Mal diese Möglichkeit tiefer in Ihnen verankert und Ihnen selbstverständlich wird – mit der Zeit.

Ob Sie sich eine dafür geeignete Musik als Hintergrundereignis wählen, oder ob Sie es lieber still mögen, das wissen Sie am besten.

Ihr Organismus weiß, ob er sich im Liegen oder im Sitzen leichter in diesen Trancezustand begeben möchte. Sie können es sich bequem machen.
Überlegen Sie sich etwas, womit Sie sich selbst ein Zeichen geben möchten, dass Sie wieder in Ihr Wachbewusstsein zurückkehren können. Sie können sich von Ihrem Phone oder Ihrem Wecker mit einem sanften Ton darauf hinweisen lassen, dass die Zeit nun dafür da ist. Oder Sie haben noch eine passendere Idee. Wenn Sie etwas gefunden haben, wissen Sie, dass Sie sich um das Zurückkehren nicht bekümmern müssen, denn wenn das Signal ertönt, werden Sie Ihren Atem aktivieren, die Glieder bewegen, sich vielleicht strecken, um sich blicken und sich orientieren. Bis dahin können Sie sich in Ihre inneren Welten versenken.

Sie wissen es, und in diesem anderen Zustand spüren Sie es mehr und mehr: Sie sind nicht Ihre Gedanken, Ihre Gefühle und Eindrücke. Es ist Ihr tiefes inneres Selbst, mit dem Sie all dies wahrnehmen, würdigen und ziehen lassen können. Seifenblasen steigen auf, verblassen, verdünnen ihre Haut, verschwinden.

Ihr inneres Bewusstsein, Ihr eigentliches Selbst, ist schon immer da.

Wenn Sie dies gelesen haben, können Sie damit beginnen, dass Sie Ihren Atem wahrnehmen. Atmen Sie etwas länger aus als ein. Ihre Hände liegen jede für sich auf der Unterlage. Eine Hand, die rechte oder die linke, mag sich etwas wärmer oder kühler anfühlen. Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Und Ihr Leib sinkt etwas tiefer in Ihre Unterlage oder Sitzgelegenheit. Und Sie können ihre Füße spüren, den linken und den rechten. Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Und Ihr Leib sinkt etwas tiefer ein, bevor Sie Ihre Augen schließen.

Und Sie können die äußere Umgebung vor Ihren inneren Augen von sich abrücken lassen. Sie können Ihre Aufmerksamkeit pendeln lassen zwischen der sich entfernenden Umgebung und Ihrer rechten Hand. Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Und Ihr Leib sinkt etwas tiefer ein. Und Sie können alle äußeren Eindrücke, die vielleicht noch da sind, von sich abrücken lassen und Ihre Aufmerksamkeit pendeln lassen zwischen den sich entfernenden äußeren Geschehnissen und Ihrem linken Fuß. Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Und Ihr Leib sinkt etwas tiefer ein.
Wenn Sie etwas denken, sagen Sie einfach innerlich: „Das ist so! Ich denke etwas.“ Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Wenn Sie so weit sind, werden Sie beginnen, zweierlei gleichzeitig wahrzunehmen: Ihre linke Hand und Ihren Atem. Ihre Füße und Ihre rechte Hand. Ihren Atem und Ihr Pendeln, das immer weniger schwingt – bis Sie Ihren Körper ganz wahrnehmen, wie eine gegossene Skulptur. Und Skulpturen bewegen sich oft nicht.

Während nun Ihre inneren Welten immer lebendiger werden, wird bald ein Bild vor Ihren inneren Augen erscheinen, oder Sie werden eines herbeiholen, das Sie lächeln lässt: eine Erinnerung oder etwas ganz eigenes Neues. Ein Kind oder ein Tier, eine Landschaft, ein schöner Erfolg oder etwas ganz anderes.

Und wenn Sie es gefunden haben, spüren Sie das Lächeln auf Ihrem Gesicht, und schicken Sie dieses Lächeln zu Ihren Augen und um die Augen herum, in die feinen Verästelungen um Ihre Augen. Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Und Ihr Leib sinkt etwas tiefer ein.

Und Sie schicken dieses Lächeln zu Ihrem Scheitel und etwas darüber hinaus. Und lassen es dann wandern, zum Herzen, das sich öffnet. Und Sie können zu Ihrem Atem zurückkehren. Und Ihr Leib sinkt etwas tiefer ein.

Und Sie lassen Ihr Lächeln zum Bauch wandern und lassen es dort Platz nehmen.

Sie sind verbunden. Sie spüren Unterschiede. Und Sie können jeweils sagen: „Das ist so!“

Sie können die Zungenspitze leicht an den oberen Gaumen legen und das Ausatmen spüren.

Sie können diesen Zustand einfach genießen, Sie wissen, Sie erhalten ein Zeichen zur Reorientierung, wenn es so weit ist.

Eine gute Woche!

Vom Trauma befreien, Peter A. Levine

“Erinnerung besteht aus einer Auswahl von Bildern, manche sind flüchtig, andere unauslöschlich in unser Gehirn eingeprägt.

Jedes Bild ist wie ein Faden, jeder Faden verwoben, um einen Teppich mit komplizierter Struktur zu erschaffen.

Und der Teppich erzählt eine Geschichte. Und die Geschichte ist unsere Vergangenheit.

Wie andere vor mir habe ich die Gabe der Sehkraft. Doch die Wahrheit ändert je nach Licht ihre Farbe.

Und der morgige Tag kann heller sein als das Gestern.”

(Levine zitiert aus dem Film Eve´s Bayou von Kasi Lemmons 1997)

Weg des Erwachens

„Du verlierst dich, du erscheinst wieder, plötzlich merkst du, dass du nichts zu befürchten hast.“ Levine zitiert Bob Dylan

Transformation eines Traumas – als ein möglicher Weg zum lebendigeren Sein:

„Indem wir ein Trauma transformieren und uns daraus befreien, müssen wir uns wie neugeborene Kinder einer unsicheren Welt stellen. Es handelt sich um eine Welt, die die Illusion der Sicherheit abgestreift hat und uns zwingt, eine völlig neue Lebensart zu erlernen.“

Ich bin ich und Ich bin da – diese Worte markieren den Weg zu einem Lebensgefühl, bei dem wir sagen können, dass wir der Welt zugehörig sind, nicht länger abgetrennt von unserem Selbst und unserer Umgebung.
Von einer traumatischen Erfahrung geheilt zu werden, kann uns auf diesen Weg führen.  
Dieses innere Abenteuer kann sich anfühlen, wie auf einem Floß auf einem unbekannten Gewässer unterwegs zu sein. Mittels unseres Denkens allein werden wir uns nicht flussabwärts bewegen können, zum Steuern brauchen wir unseren Körper, unsere Energien, Paddel, um zu manövrieren und zu lenken.
Wir beginnen Vertrauen in unsere Fähigkeit zu entwickeln, mit dem Fluss umzugehen, sind bereit, die Stromschnellen zu durchschiffen, die uns in todesähnliche Höhlen führen. Die erstarrte Welt, in der wir uns hilflos und bewegungsunfähig fühlen – plötzlich können wir uns nicht mehr bewegen, nicht einmal mehr atmen! All unsere Sinne verstärken sich gleichzeitig: Aber diesmal sind wir nicht hilflos! Wir sind nicht mehr daran gebunden, den überwältigenden Alptraum der ursprünglichen Erfahrung noch einmal zu erleben! Weder stecken wir in der Vergangenheit fest, noch werden wir von Gefühlen drohenden Unheils überwältigt!
Wir sind hier und jetzt, unser Körperbewusstsein hält uns in der Gegenwart. Unsere Körper sind unsere Paddel, sie treiben uns durch die eisige Dunkelheit, bis wir wieder auftauchen, in das Licht der Sonne und ihrer Wärme. (Frei nach Levine)

In zwölf Beiträgen, die ich Peter A. Levines Hörbuch „vom Trauma befreien“ entnommen habe und zwei „Zwischenspielen“ habe ich Ihnen die Arbeit mit Ihrem Körperbewusstsein näherbringen wollen. Sollten Sie unterwegs zugestiegen sein – die Reise begann mit dem Beitrag „Körpergrenzen wieder spüren“. Es wäre wunderbar und dennoch wahrscheinlich, dass Ihnen diese Übungen aus einem Lebensgefühl, dass etwas nicht stimme, dass Sie in etwas feststeckten, heraushelfen können.
Wenn Sie bemerken, dass Sie sich eher unwohl damit fühlen, möchte ich Sie ermutigen, weiter zu suchen, mit oder ohne therapeutische Begleitung, bis Sie finden, was Ihnen hilft.
Sie sind auf hoher See und es stürmt? Greifen Sie nach dem Fernglas, halten Sie sich gut fest, es gibt das Festland, Sie wissen es!

Eine gute Woche!

Orientierung

Sich von der inneren Welt zur äußeren Umgebung, hin zu sozialen Bindungen zu bewegen und präsent zu sein, das heißt, die unmittelbare Umgebung vollauf zu sehen, zu hören, zu riechen und wahrzunehmen – und dabei ganz bei sich zu bleiben: Das ist nicht immer einfach.

Wenn das Nervensystem durch eine Achtsamkeitsübung oder eine Meditation, durch einen Body-Scan oder was immer sonst zum Guten für uns wirkt, ins Gleichgewicht zurückkehrt, werden unsere Orientierungsreaktionen ganz selbstverständlich anfangen, ihre Funktion wieder aufzunehmen.

Die nächste Übung wird diesen Prozess unterstützen!

Während der gesamten bisherigen Übungen war unsere Achtsamkeit auf Vorgänge in unserem Inneren gerichtet. Wenn wir in die äußere Welt zurückkehren und unsere Augen sich öffnen, lassen wir sie einfach das tun, was sie wollen, schauen und sich orientieren. Die Aha-Haltung, die wir aus bisherigen Übungen schon kennen, hilft auch hier.
Auch unsere Ohren können so durch die Geräusche wandern und sich ihr Ziel suchen, die Haut kann die Temperatur, einen Luftzug einfach wahrnehmen, das Riechorgan schnuppern…

Auf diese Art organisiert sich das Nervensystem und schafft die Voraussetzungen für Interesse, Neugier und Erkundung. Dies hilft uns, weiterhin im Gleichgewicht zu bleiben und von unseren Übungen über den Moment hinaus zu profitieren. Das Nervensystem kann nicht erforschend, neugierig, suchend, schauend und gleichzeitig unangenehm angespannt sein!

Auch das Bedürfnis, einen Kontakt zu dem Menschen herzustellen, der bei uns ist oder ihn einfach anzusehen, wenn wir von einer dieser inneren Übungen zurückkehren, auch das ist eine natürliche Reaktion.
Unser angeborenes Verhalten, uns auszustrecken und Kontakt herzustellen, sowohl zu unserer natürlichen Umgebung als auch zu den Menschen, mit denen wir in Beziehung stehen – das gehört zu unserem Sein.

Diese schönen Gedanken habe ich wieder von Peter A. Levine. Und auch diesen unterstützenden Gedanken: „Danke für die unbekannte Hilfe, die bereits auf dem Weg ist!“

Zu uns diesen Satz zu sagen, auch wenn wir uns in einer Situation befinden, die gerade diesen Kontakt nur schwierig herstellen lässt, das kann eine wohltuende Wirkung haben, wann immer wir uns verloren fühlen oder uns bange ist!

Eine gute Woche!