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Was ich lese (10) Peter A. Levine und Maggie Phillips: Vom Schmerz befreit Nr. 5

Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers, Schmerzen zu überwinden. Fünfte Auflage 2020, Kösel Verlag, München.

(Im heutigen Text ergänze ich das, was die Autor_innen im oben genannten Buch geschrieben haben um eigene Gedanken und Körpererfahrungen. Die tue ich, weil ich an mir und anderen Besserung erlebt oder beobachtet habe, wenn ich diese Ergänzungen angewendet habe.)

Wenn wir Hilflosigkeit spüren, bis hin zur Hoffnungslosigkeit, kann dies viele Ursachen haben. Eine davon kann darin bestehen, dass wir Schmerzen haben und an Beeinträchtigungen durch Schmerzen leiden, und schon so vieles versucht haben, ohne dass eine Besserung oder keine dauerhafte Besserung eingetreten wäre. Wir geben unser Bestes, unsere Gesundheit zu pflegen, wollen uns wieder vitaler fühlen und kommen diesem Ziel nicht näher.
Sollten wir von Ärzten in unserer Hilflosigkeit alleingelassen werden, indem uns zum Beispiel Simulieren unterstellt wird oder uns gespiegelt wird, dass wir übertreiben, dann können wir uns schon sehr niedergeschlagen fühlen.
Was können wir tun, um uns zu helfen, wenn wir merken, dass die Hilflosigkeit und der Schmerz sich gegenseitig befeuern und wir uns in einem Teufelskreis befinden? Ein Werkzeug kann sein, sich die Zeit zu geben, täglich kleine Übungen zu machen, die den Körper zu Hilfe nehmen und unsere Fähigkeit zur Achtsamkeit.
Achtsam den Tag erleben, mit dem Scheinwerfer auf gute Momente, mit dem Spüren von kleinen Erleichterungen und dem bewussten Würdigen dieser Momente, das kann uns von der Hoffnungslosigkeit lösen. Sprechen wir es laut aus, wenn es gerade gut läuft! „Das ist ja toll, ich habe gerade etwas Schönes erlebt und meine Schmerzen ganz vergessen!“ (Sie wissen ja, dass sie da sind, Sie müssen nicht auf sie aufpassen!)  Lösen Sie sich auch von der Befürchtung, dass Ihre Umgebung Sie mit ihren Schmerzen dann womöglich nicht mehr ernst nimmt! Bleiben Sie in diesen Übungen ganz bei sich! Die Bewertungen der Umwelt haben Ihnen bisher nicht geholfen, oder?

Nun zu den Übungen des Körpers, die Sie dann bitte durchführen, wenn es die Schmerzen gerade etwas besser erlauben, es Ihnen etwas leichter fällt!
1. Die Körperhaltung ist ganz wichtig bei der Empfindung von Hilflosigkeit und auch bei ihrer Überwindung. Denn sind wir resigniert, sehen wir keine Auswege, dann sind meistens die Schultern nach vorne gebeugt, der Brustkorb entsprechend eingezogen und das Zwerchfell, die Magengrube eingeknickt. Das ist die Haltung eines Menschen, der aufgibt. Wenn wir feststellen, dass diese Haltung uns gar nicht bewusst war, dann sollten wir damit beginnen, uns dabei zu beobachten: Wie stehe ich, wie sitze ich, was machen meine Schultern? Kann ich das ändern?
2. Im Stehen ist die Übung am herausforderndsten, denn wir müssen uns zunächst unserer Schwerkraft bewusst werden, sie gut fühlen. Achten Sie im Stehen auf die Körperbereiche, die sich kraftvoller anfühlen als andere. Schauen Sie, wie Sie sich in Ihren Fußgelenken, den Beinen, in den Oberschenkeln, Armen, Ellbogen oder Schultern fühlen. Achten Sie auf Empfindungen in diesen Bereichen, die sich – und sei es nur ein wenig – anders anfühlen als die Empfindung von Hilflosigkeit oder die eines befürchteten Zusammenbruchs.
3. Wenden Sie sich nun Ihrer Schwerkraft zu. Dabei kann Ihnen eine kleine Atemübung helfen: Indem Sie die Hände wie kleine Schalen auf der Höhe Ihrer Oberschenkel nach innen beugen und so tun, als könnten Sie die Luft darin nach oben anheben, atmen Sie ein und heben Sie beide Arme zusammen mein Stück hoch, indem sie die Ellenbogen beugen. Halten Sie zwischendrin einmal ein, als hätten Sie einen Aufzug in sich, halten Sie den Atem an, halten Sie die Hände an, und dann weiter nach oben, die nächste Stufe. Tun Sie das so lange, bis Sie den Eindruck haben, Ihr Brustkorb könnte sich noch ein wenig weiten, um noch mehr Luft aufzunehmen, tun Sie dies auch. Beim folgenden Ausatmen senken Sie die Hände wieder und lassen sie dann locker seitlich herniedersinken. Wiederholen Sie die Übung etwas rascher und lassen Sie beim Ausatmen die Arme herniederfallen und geben Sie einen Laut von sich: Whaa! Wie geht es Ihren Füßen? Spüren Sie nun, wie Sie mit Ihren Füßen den Kontakt zum Boden haben?
4. Richten Sie sich auf, als hätten Sie eine Unterstützung auch von oben, vom Firmament, als würde dort jemand Ihnen helfen, den Scheitel nach oben zu auszurichten.
5. Wenn Sie diese beiden Übungen 3 und 4 gemacht haben, wiederholen Sie die erste Übung und schauen Sie, welche Körperbereiche fühlen sich leichter und angenehmer an, vielleicht etwas kraftvoller als eben vor der Atemübung. Schauen Sie nun, wie sich die Haltung verändern kann! So als würden Sie sagen: Ich bin doch Frau/Herr im eigenen Hause, ich kann doch meine Schultern leicht anheben und dann nach hinten fallen lassen! Gehen Sie nicht über Ihre Schmerzgrenze, machen Sie diese Übung nur so, dass der Schmerz nicht schlimmer wird als vorher, womöglich sogar etwas nachlässt! Spüren Sie, wie sich ihr Brustbein anheben kann, wenn Sie sich erlauben, Experimente mit Ihrem Körper zu machen und Sie das Ganze spielerisch angehen?
6. Beobachten Sie nun, wie es ihnen mental diesem aufgerichteten Körper geht. Ist Ihre Empfindung von Hilflosigkeit etwas geschwunden? Dann freuen Sie sich darüber und notieren es in Ihrem Buch. Und wiederholen diese Übung im Sitzen, leicht angelehnt und auch einmal aufrecht sitzend. Und machen Sie das für einige Tage!

Eine gute Zeit!

Was ich lese (9) Peter A. Levine und Maggie Phillips: Vom Schmerz befreit Nr. 4

Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers, Schmerzen zu überwinden. Fünfte Auflage 2020, Kösel Verlag, München.

Der Text heute beschäftigt sich mit innerer Unruhe, Angst und Panik als Quelle von Schmerz. Die neurobiologische Forschung hat ergeben, dass Panik und Angst durch die Amygdala ausgelöst werden, unserem natürlichen Alarmzentrum im Gehirn. Hat man aber traumatisierende Erfahrungen gemacht, ist unser Alarmsystem gestört, und zwar durch eine Funktion des Gedächtnisses:  Die traumatisierenden Ereignisse sind im prozeduralen Gedächtnis so gespeichert, als würden sie in der Gegenwart passieren. Betroffene leiden unter übertriebener Besorgnis und chronischer Anspannung, ohne dass es im Hier und Jetzt dafür schlüssige Anhaltspunkte zu geben scheint.

Unser sympathisches Nervensystem kann bei den belastenden Gefühlen mitspielen und kann mit Unruhe, Übererregtheit und gleichzeitig dem Gefühl, am Rande der Kräfte zu sein, zu dem belastenden Geschehen beitragen. Schlafstörungen können hinzukommen.

Geraten wir in panische Zustände, so sind häufig uns nicht bewusste Hinweise aus der Vergangenheit auslösend gewesen. Unser denkender Teil des Gehirns ist in so einem panischen Zustand beeinträchtigt, und wir können nicht gut intervenieren, wenn wir mittendrin stecken.

Wenn unser Nervensystem durch Angst überaktiviert ist und gestört wird, schlagen die Nerven aufgrund einer Schmerzüberempfindlichkeit falschen Alarm. Leichte Berührungen schon können Schmerz auslösen. Schmerz wird zur Qual und zur Krankheit.

Werkzeuge für die Überwindung

  1. Leichte Bewegung am Morgen

Wenn Sie morgens schon ängstlich aufwachen, springen Sie nicht aus dem Bett! Sie verharren sonst in diesem Zustand. Stattdessen können Sie leichte Bewegungen noch im Bett ausführen. Dehnen, räkeln, und eine der bisher berichteten Übungen ausführen. Stehen Sie langsamer auf und kommen Sie allmählich in Gang! Verrichten Sie ihre morgendlichen Tätigkeiten langsam. Vielleicht möchten Sie sich auch eine Weile hinsetzen und überprüfen, wie sich die Angst jetzt anfühlt? Ein selbstbestimmtes Tempo hilft, Ihren Cortisolspiegel zu stabilisieren. Wenn Sie hierfür den Wecker etwas früher stellen müssen, wird Ihnen das vielleicht nicht gefallen. Es könnte Ihnen aber gefallen, abends etwas früher zur Ruhe zu kommen, nehmen Sie hierfür zum Beispiel die bisher berichteten Übungen zur Hilfe!

  • Inseln der Sicherheit

Im tobenden Meer von Trauma, Angst und Schmerz finden Sie vielleicht eine winzige Insel. Sie können sich vorstellen, dass Sie sich auf dieser Insel – und sei es nur für einen Augenblick -beruhigen können. Noch ist sie schemenhaft in Ihrer Vorstellung? Das ist in Ordnung! Sie können den Ort der Ruhe in Ihrem Körper finden, wie ich es im letzten Text beschrieben habe. Entwerfen Sie innere Bilder, wie dieser Ort der Ruhe aussehen könnte, wenn er eine Insel wäre, eine Zuflucht von Schmerzen und anderen Beschwerden. Suchen Sie weitere Inseln in Ihrer Vorstellung! Malen Sie sich aus, was das Besondere dieser Inseln sein könnte und verbinden Sie die Inseln mit einer Brücke! Auf diesen Inseln der Ruhe platzieren Sie alles Angenehme, das Ihnen einfällt. Wenn Sie dies so weiter und weiter ausbauen, bekommen Sie allmählich ein richtig großes Stück Land zusammen. Eine große, stabile Insel. Verankern Sie das innere Bild mit einer kleinen Körperbewegung, einem Klopfen oder Kreisen, Zupfen oder Drücken.

Es ist wie stets bei diesen Übungen: Ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht! Allerdings sollten Sie die Übungen nicht nur lesen und ein wenig nachvollziehen, sondern wirklich durchführen!

Halten Sie Ihre Erfahrungen mit dieser Übung in Ihrem Schmerztagebuch fest!

Eine gute Zeit!

Was ich lese (8) Peter A. Levine und Maggie Phillips: Vom Schmerz befreit Nr. 3

Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers, Schmerzen zu überwinden. Fünfte Auflage 2020, Kösel Verlag, München.

Es gibt ein unvermeidliches Schmerzempfinden, bei einer Verletzung zum Beispiel. Es ist sinnvoll, diesen dabei auftretenden akuten Schmerz zu spüren, er gibt uns Hinweise, wie ernst es ist und was zu tun wäre.
Allerdings ist es nicht sinnvoll, dass aus dem akuten Schmerz eine anhaltende Schmerzempfindung entsteht. Und doch geschieht es, auch wenn die ursprüngliche Schmerzquelle sicher beseitigt ist.
Dass sich eine Chronifizierung nicht entwickelt, dafür sorgt normalerweise die Möglichkeit des Körpers, sich selbst zu regulieren. Die Teile des Gehirns, die emotional und durch unsere Gedanken mit dem Schmerzempfinden verknüpft sind, helfen uns dabei.
Diese Selbstregulierung findet aber nicht immer statt. Was kann sie stören? Ist es eine Abspaltung des Schmerzempfindens? Innere Unruhe, Angst und Panik? Der Eindruck von Hilflosigkeit? Die Vorstellung von Hoffnungslosigkeit? Ärger, Wut und Reizbarkeit? Tatsächlich sind dies die Hauptmechanismen, aus denen heraus eine Selbstregulierung nicht stattfindet.

Der Text heute beschäftigt sich mit der Abspaltung, der Dissoziation. Zunächst ist dies eine hilfreiche Abwehrstrategie, die mit der Reaktion der Erstarrung zusammenhängt. Es geschieht unwillkürlich, es entwickelt sich ein automatisches Abschneiden, auch von der Wahrnehmung der Umgebung in diesem Moment. Dies ermöglicht es uns, Ängste und Furcht besser zu bewältigen. Und indem wir Bewegung und Kraftaufwand auf ein Minimum herunterfahren, spüren wir die Schmerzen weniger stark oder sogar gar nicht – als geschähe das alles einem anderen Organismus.
Sie kennen das vielleicht, so oder ähnlich: Sie sind in Gedanken oder Erinnerungen vertieft, im Auto zum Beispiel. Entspannt, aber schon im nächsten Augenblick können Sie völlig erschrocken und verunsichert reagieren, weil ein anderes Fahrzeug auf Ihres auffährt. Günstigenfalls sind Sie imstande zu überprüfen, ob Sie körperliche Verletzungen erlitten haben. Sie können aus dem Wagen steigen und mit dem anderen Fahrer sprechen. Später können Sie sogar einem Polizisten oder Notfallsanitäter erzählen, wie es geschehen ist.
Und an irgendeinem Punkt dieser Abläufe kann Ihnen auffallen, dass Sie Ihren Körper nicht spüren, folglich auch kein zuverlässiger Zeuge ihrer eigenen Verletzungen sind. Dieser Zustand beruht auf einer Schockreaktion, und sie geschieht durch die Aktivierung schützender chemischer Substanzen im Gehirn, durch Endorphine vor allem. Diese Abspaltung, diese Dissoziation, ist für unser Überleben ein entscheidender Mechanismus.
Es entsteht erst ein Problem, wenn er zur Gewohnheit wird, wenn sich die betroffene Person in diesem Zustand auch weiterhin befindet und nicht zurückfindet zur Verbundenheit mit dem Körper. Sich dauerhaft nicht körperlich zu spüren, behindert die Fürsorge für den eigenen Organismus und befördert Erkrankungen.
Wie kann der Weg zurück geschehen? Wie können wir zurückkommen zu einer erfolgreichen Selbstregulation? Denn erst dadurch können sich die Schmerzen auflösen und werden nicht chronisch. Wir gewinnen dann wieder ein Gefühl für unsere Kräfte und unsere Stärke.

Das erste ist, zu bemerken, dass wir in einem solchen Zustand der Abspaltung, der Dissoziation sind. Wie genau merken wir das?
Manche sagen, es ist, als wäre ich außerhalb meines Körpers und schaute von oben auf die Situation und auch auf mich. Wir bemerken diesen Zustand, wenn wir achtsam sind. Wir können uns fragen, wie haben wir das gemacht, wir sind wir auf Distanz gegangen zu unserem Körper? Wie genau fühlt es sich an? Ist das wie ein Schweben? Können wir beschreiben, was wir da sehen? Sind wir mehr nach rechts oder mehr nach links in eine Richtung geschwebt?
Hat sich so etwas bei Ihnen ereignet? Sind Sie so abgespalten und scheinbar außerhalb des Körpers geblieben?
Wenn Sie dies kennen, versuchen Sie zu beschreiben, so, wie es Ihnen auch nur ansatzweise möglich ist: Was ist gerade los  i n  Ihrem Körper, in diesem Moment? Geben Sie sich die Zeit, die Sie dafür brauchen! Forschen Sie voller Neugier! Interessieren Sie sich für Kleinigkeiten! Möglicherweise machen Sie die erstaunliche Erfahrung, dass Sie nach einigen Augenblicken in den Körper zurückkehren, zu sich kommen. Ihre Ängstlichkeit und Ihre Furcht haben schon abgenommen. Sie sind dann ihrem gefühlten Sinn, so gut es Ihnen möglich war, gefolgt. Behutsam, langsam, schrittweise nach Hause zurück in den Körper.
Wenn Sie nun sagen: Aber ich fühle gar nichts, ich bin einfach nur betäubt! Nun, Sie werden feststellen, dass, ganz gleich, was Sie gerade wahrnehmen oder auch nicht: Manche Körperbereiche fühlen sich immer etwas weniger betäubt an als andere.
Sie werden Unterschiede aufspüren, wenn Sie sich auf diese Reise in ihren Körper einlassen! Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit dafür! Beginnen Sie oben am Kopf oder unten an den Fußsohlen und gehen Sie systematisch durch den ganzen Körper. Wandern Sie, finden Sie einen Rhythmus, um von Ort zu Ort zu gehen. Und wenn Sie das gemacht haben, beobachten Sie: Wie ist jetzt Ihre Beziehung zum Körper?

Eine vertiefende Übung im Anschluss daran ist es, einen Ort der Sicherheit und Ruhe im Körper zu finden. Sie beginnen wieder am Kopf oder an den Füßen. Und Sie wandern zu den Bereichen des Körpers, die sich bis zu einem gewissen Grad ok anfühlen. Nicht unbedingt angenehm, aber auch nicht voll Schmerz.
Dann richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Bereiche, die Sie nicht fühlen können, die wie betäubt oder leer sind. Achten Sie darauf, ob Sie hier Verbindungen entdecken zu früheren Verletzungen! Oder zu Bereichen, die sich bei Stress immer wieder bemerkbar machen. Nehmen Sie sich Zeit dafür, immer mithilfe Ihres Atems! Er hilft Ihnen, in einen der betäubten oder abgeschnittenen Bereiche hineinzuspüren.
Spüren Sie diesen Teil Ihres Körpers beim Ein- und spüren Sie ihn beim Ausatmen! Nach 3 – 4 solcher Atemzüge fragen Sie sich: Was spüre ich jetzt in diesem Bereich, bin ich mit diesem Teil meines Körpers jetzt stärker verbunden? Oder weniger? Wie verändern sich meine Empfindungen?
Kommen Sie auf diese Übung am selben Tag noch einmal oder am nächsten Tag zurück! Hat sich etwas verändert? Fühlt sich etwas irgendwie neutral an oder angenehmer, ganz allmählich?

Es ist wie stets bei diesen Übungen: Ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht! Nehmen Sie einfach nur wahr – allerdings sollten Sie die Übungen nicht nur lesen und ein wenig nachvollziehen, sondern wirklich durchführen!

Halten Sie Ihre Erfahrungen mit dieser Übung in Ihrem Schmerztagebuch fest!

Eine gute Zeit!

Was ich lese (7) Peter A. Levine und Maggie Phillips: Vom Schmerz befreit Nr. 2

Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers, Schmerzen zu überwinden. Fünfte Auflage 2020, Kösel Verlag, München.

Die meisten von uns werden in ihrem Leben unterschiedliche Bedrohungssituationen erlebt haben. Entweder wurden wir tatsächlich mit einem Angriff bedroht, oder eine Krankheit oder ein Unfall hat uns eine Ahnung von erlebter Gefahr hinterlassen. Oder gab es eine andauernde schwierige Situation mit Einschränkungen durch übergriffige Partner? Oder chronisch stressige Situationen am Arbeitsplatz, die mit dem Mangel an Einflussmöglichkeiten einhergingen? Stress durch Mangel am Lebensnotwendigen?

Auf akute Bedrohung reagieren wir zunächst wie alle Säugetiere: Das sympathische Nervensystem sorgt dafür, dass wir in einem akuten Angriff einen Aufruf zum Handeln erleben. Wir entscheiden in Blitzesschnelle, ob wir zum Gegenangriff übergehen oder ob wir fliehen wollen. Das Leben zu schützen ist die Aufgabe dieser Funktion.

Wird eine Bedrohung durch ihre Dauer oder durch ihren Charakter allerdings als potenziell tödlich oder unausweichlich wahrgenommen, löst dies die dritte natürliche Reaktion aus: das Erstarren. Wir verharren bewegungslos, warten, dass die Gefahr vorüber geht.

Es kann sein, dass wir Menschen in diesem Zustand stecken bleiben und uns im Leben wie erstarrt fühlen. Die Schutzreaktion war einmal sinnvoll. Wenn sie sich jedoch verselbständigt, verspannt unser Muskel-Skelett-System und zieht sich zusammen. Und unser Gefühl ist von Hilflosigkeit, Verzweiflung oder Abspaltung gekennzeichnet. All dies kann Teil des Schmerzproblems sein, unter dem wir möglicherweise leiden. Der Schmerz verschwindet auch bei Abspaltung nicht einfach. Denn die Ur-Situation, das Steckengebliebensein im bedrohlichen Ereignis ist weiterhin im Gehirn gespeichert. Nicht beseitigt, nicht überwunden, nicht bewältigt, nicht aufgelöst. Die Abspaltung hindert uns daran, im Hier und Jetzt zu sein.

Ich zitiere: „Stellen Sie sich ein Kaninchen vor, das in einer kleinen Mulde Gras mümmelt. Ein Geräusch dringt aus den Büschen. Die Ohren des Kaninchens stellen sich auf, gefolgt vom Kopf, und wenden sich dem Geräusch zu, um dessen Quelle zu lokalisieren und einzuschätzen, ob es lebensbedrohlich ist. Aus dem dichten Blattwerk springt ein Kojote ins Blickfeld. Die Jagd beginnt: Das Kaninchen spannt die Muskeln an und duckt sich, um dann loszuspringen, in der Hoffnung, durch mehrere waghalsige Haken zu entkommen. Letzten Endes nutzt das Kaninchen seine Ressourcen wie Geschwindigkeit und Beweglichkeit (und auch etwas Glück), um zu entkommen, und versteckt sich dann in einem hohlen Baum oder einem Loch. Endlich in Sicherheit nimmt es ein paar tiefe Atemzüge und schüttelt sein bedrohliches Erlebnis ab.“

Wir Menschen tun das in der Regel nicht. Wir schütteln es nicht ab. Wir lassen unter Umständen den Stress der Bedrohung nicht los. Wir blockieren. Lenken uns auf nicht förderliche Weise ab. Uns fehlten vielleicht gute Vorbilder, wir dachten nicht darüber nach, was wir wirklich brauchen, um uns von der Situation zu lösen.

Prüfen Sie einmal Ihre Körperreaktion, indem Sie jetzt laut die Worte „Furcht“, „Ärger“, „Gelähmtheit“, „Erstarrung“ aussprechen. Tun Sie dies noch einmal langsamer und halten sie nach jedem Wort inne. Überprüfen Sie nun Ihre Körperreaktion. Welche Bilder, welche körperlichen Gesten oder Reaktionen werden Ihnen bewusst? Verändert sich Ihre Körperhaltung?

An diese Beziehung zwischen inneren Bildern, Körperempfindungen und Schmerzen werden wir mit der nächsten Übung anknüpfen. Wir können lernen, der Schmerzfalle zu entkommen. Sie beginnt dort, wo wir natürlich reagieren auf lebensbedrohliche Situationen. Die Angstreaktion bei Gefahr bewirkt, dass der Körper in Anspannung gerät. Verbleiben wir in der Verspannung, wird Schmerz verursacht. Und mit der Zeit verspannen wir uns gegen die innere Bedrohung durch den Schmerz als solche.

Dieser Kreislauf von Bedrohung, Angst, Anspannung, Bewegungseinschränkung, Schmerz, Angst vor Schmerz, erneute Anspannung kann, wenn er nicht unterbrochen wird, chronische Schmerzen hervorrufen. In der Falle sitzen wir, wenn wir denken „Ich bin der Schmerz.“ Wir kommen aus dieser Falle heraus, indem wir lernen, stattdessen die Sätze zu denken „Ich erlebe diesen Schmerz“, hin zu „Ich erlebe die Empfindungen, auf dem der Schmerz basiert.“

Diese Schritte sollten wir mit unserem Körper gehen und nicht nur mit unseren Gedanken! Auf diesem Hintergrund lade ich Sie zu der Übung ein „Den gefühlten Sinn erforschen“

Beginnen Sie gerade jetzt! Wenn Sie dies lesen, ganz gleich, ob Sie gerade sitzen, liegen oder stehen!

Spüren Sie ihre Füße? Sind sie mit dem Boden verbunden oder auch nicht? Drücken sie gegen eine Unterlage, schweben sie? Woher wissen Sie das eigentlich, wenn Sie gar nicht hinschauen? Können Sie ihr Gewicht verlagern? Wie verändert das Ihre Wahrnehmung? Erforschen Sie ihren Unterkörper, ihre Waden, ihre Oberschenkel in Verbindung zu Ihren Füßen! Fühlt sich das rechte Bein anders an als das linke? Wie würden Sie das beschreiben? Gibt es Körperbereiche, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Was bemerken Sie dort? Wie würden Sie das beschreiben?

Wenn Sie einen Körperteil gründlich erforscht haben, erlauben Sie dem nächsten, Ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Halten Sie immer ein wenig inne! Und achten Sie auf Ihren gefühlten Sinn. Finden Sie Worte zur Beschreibung! Beispiele: locker blockiert, gestaut, fließend, kribbelnd, schwer, schwebend, leer, kalt oder warm. Finden Sie eigene Worte! Wenn Sie immer dasselbe Wort benutzen, überlegen Sie, ob andere Worte zutreffender sein können!

Erforschen Sie nun auch Gerüche oder Geschmäcker, die Sie wahrnehmen, Geräusche oder Vibrationen! Wie ist Ihr Körpergefühl in diesem Augenblick? Eher angenehm, unangenehm oder neutral? Woher wissen Sie das? Spüren Sie sich energiegeladener als zu Beginn der Übung? Möchten Sie jetzt gerne einen Spaziergang machen oder anders aktiv werden? Oder fühlen Sie sich friedlich und ruhig und können sich noch mehr Zeit für die Erforschung dieses Zustands einräumen?

Anschließend nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um ihre Reaktionen in Ihrem Schmerztagebuch festzuhalten.

Eine gute Zeit!

Zwischenruf: Persönlich leben

Aus dem Vortrag “Persönlich leben” von Wolf Büntig auf auditorium netzwerk heutige einige Denkanstöße
(nicht wörtlich, nicht vollständig, nach meinem Geschmack):

In Abhängigkeit von der Mutter-Kind-Interaktion und der Interaktion mit Menschen, die unser Hineinwachsen in die Welt maßgeblich bestimmen, entwickeln wir unsere Lebenskunst.

Oft allerdings beginnt es als ärztlicher Unfug: Die Amniozentese, die Punktation der Fruchtblase, meist zum Entdecken genetischer Handicaps, ist für den Fötus ein tätlicher Angriff. Er krümmt sich und wehrt sich reflektorisch.
Ultraschall ist wie das Wummern starker Lautsprecher, denen wir nicht entkommen können.
Keine Hausgeburt? Schon der Weg in die Klinik verzögert die Wehentätigkeit.
Ein medizinisch nicht notwendiger Kaiserschnitt: Grundsätzlich beraubt er das Kind um das Erleben des ersten Triumphes “Boähh, das war anstrengend! Geschafft!”
Narkosegeburt: Sie betrügt uns um die Begrüßung durch die Mutter, noch ganz ermattet und (hoffentlich) einfach froh! Und so, fernab jeder Wertung und frei von Zukunftsideen könnten wir freudig wahrgenommen werden: “Da bist du ja!”

Die Abnabelung vor der Entwicklung des eigenen Atems: Das ist akuter Überlebensstress für den Säugling, schockartige Atemnot!
Das Aufhängen an den Füßen, damit er atmet: Das Rückgrat ist hierfür noch nicht ausgebildet.
Dann auf den Rücken schlagen, damit er endlich atmet.

Dann kam früher die Isolation im Babyzimmer, es hieß unter dem Verlust der vertrauten Mutter und zusammen mit anderen brüllenden Säuglingen keinen Schlaf zu finden. (Wer davon nicht betroffen war, mag sich glücklich schätzen!)

Füttern nach der Uhr: Hunger, aber nichts bekommen? Es folgt Resignation, erstes Totstellen,
erstes Erleben der Selbstunwirksamkeit, der Schrei nach Nahrung bleibt ohne Erfolg, danach wird das resignierte Schlafen gestört durch Futterangebot. (Das ist heute hoffentlich endgültig vorbei!)

Und später in der sogenannten Trotzphase: Unsere Eigenart wird abgewertet, die Anpassung an “erwachsene” Werte wird durchgesetzt. Zwei verschiedene farbige Socken, das geht also nicht? Aha.

Erziehung in Redewendungen:
Lass dich nicht so gehen! Halt den Mund! Hör auf zu heulen! Frag nicht so viel! Lach nicht so blöd! Mach den Mund zu, sonst siehst du so doof aus! Wer glaubst du, dass du bist? Pfui, schäm dich!
Na, klingt noch was davon nach? Hören wir es noch immer in Bus und Bahn und öffentlichen Wegen?
Da wird uns vieles genommen, auf dem Weg zu uns selbst!

Und brauchten Mutter oder Vater Bestätigung durch unsere Anhänglichkeit oder Bewunderung?
Und brauchten sie es, dass wir für unser Skelett zu früh stehen konnten, zu früh schon “sauber” waren? Waren sie stolz auf unser frühes Sprechen?

Wir folgten dem Anpassungsdruck, wir wurden Darsteller statt Person.

Wir vergaßen, was für uns stimmt und wie wir unserem Wesen treu bleiben können, denn wir wollten dazugehören.

So fielen viele von uns kollektiv in eine “normale Depression”.

Persönlich leben wäre: Unser ganz eigenes Potential leben zu lernen, als schöpferische Leistung.

Worum geht es in meinem Leben, welches Lied möchte ich singen, was will das Leben gerade von mir?

Uns auf den eigenen Weg zu machen, ist oft von “schlechtem Gewissen” begleitet, weil falsche Loyalitäten, auch innere, uns festhalten wollen und uns fürchten lassen, Zugehörigkeit zu verlieren.

Lebendigkeit und Sicherheit sind Pole auf einem Kontinuum. Wir können die Lebendigkeit suchen,
fühlen lernen, staunen üben und uns damit aus Identifikationen lösen.

Wir selbst werden.

Eine gute Zeit!

Was ich lese (6): Peter A. Levine und Maggie Phillips: Vom Schmerz befreit

Entdecken Sie die Kraft Ihres Körpers, Schmerzen zu überwinden. Fünfte Auflage 2020, Kösel Verlag, München.

Ich beginne mit einem Zitat:
„Die Sprache der Empfindungen

Um Ihren Körper auf dem Weg zu Schmerzfreiheit als Verbündeten zu gewinnen, müssen Sie zunächst einmal lernen, mit ihm zu kommunizieren und eine heilsame partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ihm herzustellen. Mit anderen Worten: Sie müssen herausfinden, wie ihr Körper zur unschätzbaren Ressource wird, statt ein schmerzhafter Widersacher zu sein.
Auch wenn der Körper für den Heilungsprozess eindeutig wichtig ist, haben sich viele Schmerzpatienten angewöhnt, sich von ihren körperlichen Erfahrungen abzutrennen, um nicht noch mehr Schmerz zu spüren. Klammern Sie jedoch das körperliche Erleben aus dem Heilungsansatz aus, sind ihre Heilungschancen sehr begrenzt.“ (Seite 27)

Dazu eine Übung:
Wieder Zugang zum Körper finden

Beginnen Sie mit einem Körperteil, in dem Sie keine Schmerzen empfinden. Bedenken Sie, dass es immer Bereiche gibt in Ihrem Körper, in dem das so ist. Selbst wenn Sie sehr lange schon an Schmerzen leiden, werden Sie solche Bereiche bei sich finden! Dieser Körperbereich kann sehr klein sein und sich außerhalb der Regionen befinden, die Sie für gewöhnlich bewusst erleben: Ihre Nasenspitze, Ihr Ohrläppchen, die Innenseite ihres Unterarms…, wo im Körper finden und spüren Sie diese Stelle? Sie kann sich angenehm oder doch zumindest neutral anfühlen.
Erlauben Sie sich jetzt, einen Körper-Bereich zu spüren, wo Sie Schmerzen haben. Gehen Sie langsam vor, in einer Geschwindigkeit, die Ihnen möglicherweise ungewohnt erscheint.
Und wenn Sie merken, dass der Schmerz zu heftig wird? Nehmen Sie einen anderen Körperbereich, der weniger schmerzt! Lernen Sie zunächst behutsam diese Übung kennen!

Spüren Sie die Umrisse dieser schmerzenden Stelle? Dann atmen Sie eine Weile dorthin. Und schauen Sie, ob Sie mit dem Ausatmen zunehmend etwas Anspannung loslassen können. Vielleicht spüren Sie neue Empfindungen, ein Kribbeln, ein Brennen? Wärme oder Kälte? Es kann auch sein, dass Sie den Schmerz deutlich wahrnehmen, als scharf, stechend oder reißend. Wie auch immer Sie spüren, wie die Stelle geschaffen sein mag, nehmen Sie dies einfach nur wahr. Und nehmen Sie wahr, wie Sie sie mit Ihrem Atem verändern.

Kehren Sie dann zu der schmerzfreien Stelle zurück! Spüren Sie beim Einatmen hinein und lassen auch hier beim Ausatmen los, was immer Sie dort spüren. Wechseln Sie mehrfach von einem Körperbereich, den Sie nicht mit Schmerz verbinden, zu einem Körperbereich, an dem Sie Schmerz fühlen. Hinspüren, Hineinatmen mit dem Einatmen, Loslassen mit dem Ausatmen.

Beobachten Sie genau, was Ihnen möglicherweise vorher gar nicht aufgefallen ist! Wenn Sie dieses eine Weile ausprobiert haben, wechseln Sie mithilfe ihres Atems zwischen mehreren Schmerzbereichen und den sich gut oder neutral anfühlenden Bereichen hin und her. Halten Sie jeweils eine Weile inne, atmen Sie hinein, bringen Sie sich damit in Verbindung. Und lassen Sie mit dem Ausatmen alle Anstrengung los.

Es wird gut für Sie sein, darüber ein Schmerztagebuch zu führen. Häufig ist es so, dass Menschen sagen „Ach, das ist mir lästig!“ Wenn Sie sich aber klarmachen, dass Sie manchmal nicht bemerken, dass sich hier schon etwas verändert, in der für Sie besten Weise, dann können Sie den Sinn dieses Schmerztagebuchs verstehen. Und beachten Sie, dass es nicht darum geht, in diesem Schmerztagebuch Ihre Befürchtungen, Ihre Ängste, Ihre schlimmen Erfahrungen, die Sie hinter sich gebracht haben, aufzuzeichnen, sondern wirklich das, was Sie während einer Übung festgestellt haben.
Sie können außerdem natürlich jeden Tag nochmals zu einem anderen Zeitpunkt Ihre Notizen machen, über alles, was Ihnen auffällt an Auslösern und an Entlastendem.  Wichtig ist, dass Sie die Schmerzempfindung immer skalieren, 0 wäre kein kein Schmerz und 10 wäre unerträglich. Beschreiben Sie die Art der Empfindung, notieren Sie Veränderungen.
Auch wenn Sie keine Fortschritte erleben, notieren Sie Ihre Beobachtungen mehrfach am Tag, um Unterschiede festzustellen: Ob es wohl bestimmte Tage gibt, Tageszeiten, in denen ihre Schmerzmuster besonders deutlich werden? Plötzliche Zunahmen? Welche Auslöser es dafür wohl geben könnte? Welche Interventionen helfen?
Sollten Sie Medikamente nehmen, schreiben Sie diese bitte dazu! Und auch dort gibt es positive Wirkungen, negative Nebenwirkungen oder gar keine.
Sie werden so auf diese Weise nach und nach feststellen, ob Sie Fortschritte machen im Kontakt mit ihrem Körper und im Schmerzempfinden, wahrnehmen, wie Sie sich wohler fühlen können. Stellen Sie sich vor, gewinnen Sie einen Eindruck, dass Sie nach und nach eine verstärkte Regulationsfähigkeit erwerben!

Heute haben Sie eine Übung kennengelernt. Ich werde nach und nach neue hinzufügen.

Eine gute Zeit!

Mandala-Selbsterfahrung

Zwischenstation Corona-Isolation…

Nicht schön das Ganze, aber darüber will ich nicht schreiben. Ich bin dankbar dafür, dass ich Stifte im Haus habe, Laptop und Internet und alles nötige Equipment.
Denn mich darauf zu besinnen, dass Malen mir hilft, war gut, und es dann auch umsetzen zu können, noch besser.

Wenn Du magst, lies meinen kurzen Bericht und überlege, ob Du Dich auch beim Mandala-Malen erfahren möchtest.

Da es beim Malen für die Klärung innerer Prozesse nicht um die Herstellung von Kunst geht, gibt es keine Vorgaben, was darf und was nicht, und ob dabei etwas Gutes herauskommt, wird nicht am Produkt gemessen.

Mandala in der Form, dass ein Kreis in vier Teile geteilt wird, dass links oben mit dem gestalterischen Füllen begonnen wird und im Uhrzeigersinn weiter vorgegangen wird, war die einzige Idee, mit der ich mich an den Tisch setzte.

Dann arbeitete ich zunächst am Laptop und wählte intuitiv vorgefertigte Bilder aus einer Software aus. Beim zweiten Bild war mein Thema klar: Die Infektion und ihre Folgen. Dass mich das nun beschäftigt, ist nicht verwunderlich. Interessant wurde es, als ich meine Gefühle deutlicher spürte und merkte, dass ich sie zum Teil abgespalten hatte.

Das Ergebnis druckte ich aus und legte meine diversen Stifte bereit.
Zorn kam im ersten Quadranten zu Tage, er floss in die Ölkreiden. Ich sehe nun auch Angst.
Schutzbedürfnis, Ruhebedürfnis, Absonderung, Stillstand im zweiten.
Im dritten Quadranten wurde das Thema bewusster: Was mich in die Heilung bringen könnte. Nicht nur der Angriff kam von außen, auch alles Heilsame muss ich nicht allein erschaffen.
Die Erkenntnis: Vorsorge ist nicht nur Vorratshaltung an Nahrung und Wasser. Vorsorge ist auch, in guten Zeiten und gesunden Tagen zu würdigen und zu pflegen, was mich hält und stärkt.
Beim Zeichnen habe ich viel Kindlichkeit in mir gespürt, das tat gut! Schon als Kind war das Füllen eines Blatt Papiers mit Farben und Formen eine gute Zeit mit mir selbst.

Der letzte Quadrant bildet noch eine eher vage Vorstellung ab, was denn sein wird, wenn ich die Zwischenstation verlassen werde. Dass meine Wahl auf einen Schmetterling fiel – offenbar ist da Sehnsucht nach Leichtigkeit, Buntheit, Verspieltheit in mir.

Der Heilung näher kommen, spüren, was ist, was werden soll

Du siehst, es kommt nicht auf Deine Talente an oder darauf, was andere davon halten! Dein innerer wertvoller Prozess , darauf kommt es an.

Na, Papier und Stifte im Haus? Digitales Werkzeug hast Du, da Du ja gerade hier vorbeischaust, also los!

Eine gute Zeit!

Traumbilder

In diesen Tagen, Wochen, Monaten, Jahren haben wir neben dem, was uns im persönlichen Leben beschäftigt und herausfordert, einiges zu bewältigen. Mich fordert es, dass neben der Klimakrise, der Pandemie, den Kriegen in der Welt, dem Leid durch Hunger und Gewalt nun auch der öffentliche Diskurs vielfach immer gnadenloser und aggressiver wird.

Nachts in meinen Träumen tauchen ungewöhnliche Szenarien auf, die meine Gestimmtheit zu alledem widerspiegeln. Mir hilft es, diese Träume zu Papier zu bringen, als Bild.

Meine Beispiele sind mit Wasserzeichen versehen!

Es tut mir gut, die Träume so in gewisser Weise neu vor mir zu sehen, vielleicht weiter zu bearbeiten, mit einem „Antwortbild“.

Manchmal wähle ich Stifte, manchmal Aquarellfarben, manchmal ein PC-Programm für die Darstellung meiner inneren Bilder. Manchmal male ich blind.

Wollen Sie das auch einmal versuchen? Vielleicht kommen Sie mit Ihren Stimmungen, vielleicht mit Ihrem Unbewussten in einen guten Kontakt, Sie werden neugierig auf Ihre Träume und merken, dass Sie weder Ihren Stimmungen, noch einer Beunruhigung im Schlaf ausgeliefert sind.

Sie könnten eine Mappe anlegen mit Ihren Bildern und ein Traumtagebuch führen.

Sie könnten Seiten an sich entdecken, die Sie vergessen haben oder noch nie wussten. Na, wie wäre das?

Eine gute Woche!

Was ich gehört habe (1): Pierre Stutz

Geh hinein in deine Kraft – Sieben Ermutigungen

Anhand von Film-Momenten zeigt der spirituelle Lehrer, wie Menschen zu ihren Wurzeln und zu neuer Stärke im Leben gefunden haben. Auf der Homepage von ihm mehr dazu! Hier eine Kurzfassung:

  1. Bleib bei dir, sammle dich!

Beim morgendlichen Aufstehen nicht zu denken: Was muss ich heute tun? Sondern: Woher nehme ich heute die Kraft für mein Tun? Bei sich ankommen, um noch entschiedener, leichter und konfliktfähiger mitten im Leben zu stehen. Kunst  k a n n  eine der Kraftquellen sein.

Gelingendes Tun hängt nie von dir allein ab! Und doch kannst du lernen, dich auf deine Ressourcen zu besinnen, bevor du ins Tun gehst. Es kommt auch auf dich an!

Stutz: Wie ist das bei Ihnen? Wenn ich am Computer was machen will und es soll ganz schnell gehen, dann macht der extra langsam! Der arbeitet nicht, bevor der nicht alles beisammenhat, was er zum Arbeiten braucht! Beispielhaft!

  1. Du bist mehr als deine Verletzungen

Du kannst zu dir befreit werden, abgrundtiefe schwere Erfahrungen können dazu gehören, du kannst heilen. Wenn du dich mit Ideen auseinander setzt, die Perspektive wechselst, etwas ganz anders machst, auch körperlich. Aus einem ganz anderen Blickwinkel auf deine Verwundungen schaust. Lass dich nicht darauf reduzieren, auch du bist zu einem anderen Leben berufen.

Stutz: Was hindert Sie, heute mal auf den Küchentisch zu steigen? Sie können ja Ihre Umgebung vorwarnen, dass Sie einem komischen Vortrag zugehört haben und das jetzt mal probieren wollen.

  • Erwache zum Träumen

Dom Hélder Câmara: Wenn einer alleine träumt, ist es nur in Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, beeinflusst es unsere Wirklichkeit. Eine neuer Horizont entsteht!

Film: Timbuktu, (als .avi im Netz, französische Untertitel, Quelle arte) Die Menschen dürfen nicht lachen, nicht singen, nicht Fußball spielen, so sagen die islamistischen Besatzer, alles Freudvolle ist verboten. Was aber machen Kinder, denen etwas Wertvolles genommen wird? Sie imaginieren ihre Wünsche und Träume. Die Kinder in diesem Film spielen Fußball. Mit einem imaginierten Ball (Min. 43.20ff im Film). Alle sehen ihn offenbar, sie spielen! Eine unglaubliche Szene! Die Besatzer sind dafür blind. Sie können nichts tun.

Sich nicht vereinnahmen lassen von fremdbestimmenden und lebensverneinenden Mustern. Aufbrechen. Kämpfen in Gewaltfreiheit. Angekommen bei sich selbst. In Würde zu sich finden.

  • Spiel dich ins Leben hinein

Sich zu krümmen vor Lachen und ein Kampf für die Menschenrechte sind keine Gegensätze – Charly Chaplins Filme bezeugen es. Lachen als Kraftquelle. Humor als Widerstandskraft.

Auch: Tanzen als Kraftquelle.

  • Am Widerstand wachsen und reifen

Entdecke was möglich ist. Suche Beispiele dafür! Orientiere dich dahin!

  • Du darfst scheitern

Dies nicht suchen, nicht verherrlichen, aber dem Leben begegnen mit dieser Erlaubnis.
S. Beckett: Immer versucht, immer gescheitert, wieder versucht, wieder gescheitert, egal, versuche wieder, scheitere besser! Aki Kaurismäkis Filme!

  • Sag Ja zu deinem Weg

Versöhne dich mit deinem Leben, staune, was sich entwickeln konnte! Auch im Alter kann es gelingen, besonders mit einem Gegenüber, das zuhören will. (Dieser letzte Satz ist für diejenigen, die sich für das Zuhören entscheiden möchten!)

Filmsequenzen auf der Homepage von Pierre Stutz, sehenswert!

Der Vortrag auf shop auditorium netzwerk , 50 min als download erhältlich für 17€, hörenswert!

Eine gute Woche!

Was ich lese (5) Die Kunst der Entfesselung

… vom Umgang mit lähmenden Beziehungsdefinitionen, Eberhard Stahl in Friedemann Schulz von Thun, Dagmar Kumbier (Hg.), Impulse für Kommunikation im Alltag, Reinbek bei Hamburg 2010

Hat Sie schon mal jemand verbal plattgemacht? Waren Sie mehr oder weniger nach außen sprachlos und haben Sie stattdessen noch tagelang innere Dialoge geführt?

Da ich das kenne, habe ich mir aus den obengenannten Kommunikationspsychologischen Miniaturen 3 der Reihe „impulse“ den passenden Aufsatz herausgesucht und mir dazu so meine Gedanken gemacht.

Beispiele aus dem Leben:
– Da könnte sich zum Beispiel in einem Meeting eine vorgesetzte Person dazu entscheiden, eine teilnehmende Person verbal anzugreifen: „Wie wir leider in den vergangenen Wochen feststellen mussten, hat Koll. X es bis heute nicht geschafft, die Aufgabe Y abzuschließen.“
X, obgleich überrumpelt, wehrt sich dagegen, ohne Vorgespräch vor versammelter Kolleg_innenschaft bloßgestellt zu werden. Aber leider, auch daraus wird X ein Strick gedreht, Kritik anzunehmen, läge wohl auch nicht in ihrer/seiner Kompetenz, und bei weiteren Versuchen seitens X, sich zur Wehr zu setzen, wird darauf hingewiesen, dass X nicht in der Position sei, Vorgesetzten die Kommunikation vorzuschreiben und im Übrigen habe man ja noch wichtige Themen auf der Agenda und alle hätten ja zu tun, also…

– Da springt fröhlich ein nicht angeleinter Hund an einem fremden Hosenbein hoch. Leider hat A noch mit einer Hundephobie zu tun. A bittet rückwärtsgehend die ausführende Person darum, den Hund zurückzunehmen und anzuleinen. „Der will nur spielen, da müssen Sie doch keine Angst haben!“ und bei dringlicheren Bitten: „Sie sind ja wohl auch so ein Hundehasser! Wie kann man nur so verbohrt sein!“ oder „Mein Hund braucht seinen Auslauf, Sie haben mir gar nichts zu sagen!“

– B äußert den Wunsch, C möge doch bitte Abstand zu ihm/ihr einhalten. C: „Trödeln Sie halt nicht so, Sie halten hier ja den ganzen Verkehr auf!“

Was stellen wir fest: X, A und B versuchen, ihre Integrität zu bewahren, ihren Raum zu verteidigen, aber es gelingt nicht. Stattdessen wird ihnen erklärt, dass sie falsch liegen, keine Ansprüche zu stellen haben und irgendwie eh nicht wichtig sind. Der Angriff geht nicht nur ans Hosenbein, er geht ans Selbstgefühl.

X, A und B werden zurechtgewiesen und damit wird eine Beziehung definiert:

– offen: Hier Vorgesetzte_r, dort Anweisungsempfänger_in

– verdeckt: Hier Vertreter_in der Norm, der Regeln, dort Abweichler_in

Was tun?

Die drei können nachgeben und es dabei bewenden lassen. X sagt nichts mehr dazu und macht Überstunden, um Aufgabe Y zu beenden. A zieht sich zitternd mit verdrecktem Hosenbein nach Hause zurück. B beeilt sich und verlässt fluchtartig die Szene. Sie haben die Beziehungsdefinition akzeptiert.

Die drei können so tun, als wäre nichts passiert, X ändert nichts an seinem Arbeits- und Kommunikationsverhalten und riskiert, dass sich die Situation wiederholt. A sagt nichts mehr und riskiert, dass Hund und Halter_in ihren Spaß an ihm haben, B beeilt sich zwar nicht, hält die zunehmende Nähe aber nur verärgert aus.

Aber Achtung: Fehlende Ablehnung wird als Zustimmung interpretiert!

Sie könnten sich entscheiden, dabei zu bleiben, dass sie dies so nicht akzeptieren wollen:
X nimmt nach dem Meeting schriftlich Stellung und/oder fordert nachdrücklich ein Gespräch über den Vorfall. A weist auf die Rechtslage hin und stellt Konsequenzen in Aussicht. B besteht auf seinem/ihrem Wunsch nach Abstand, mit Augenkontakt und Standfestigkeit.

Wie können die das hinkriegen?

Als erstes sollten die drei erkennen, dass hier jemand einseitig die Beziehung definiert hat, das hilft ihnen dabei, die eigene Reaktion zu reflektieren. Sie prüfen, ob sie das auch so sehen wollen. Sie kommen eventuell zu ihren eigenen Definitionen der Beziehung. Das kann ein guter Beginn sein.

Sie können sich für Metakommunikation entscheiden, zum Beispiel mit einer Einladung zur Partnerschaftlichkeit:
„Sie definieren Ihre Vorgesetztenrolle also so, dass Sie Mitarbeitende zu mehr Leistung anspornen, indem Sie sie anprangern. Ich sehe das anders. Ich wünsche mir von Ihnen als Vorgesetzte_r, dass Sie mit mir gemeinsam herausfinden, wo es bei Aufgabe Y hakt!“

Oder dem Hinweis, dass in der Welt unterschiedliche Werte und Bedürfnisse ihren Platz haben:„Sie möchten, dass Ihr Hund Freilauf hat. Ich möchte, dass ich mich frei bewegen kann. Ich zähle auf Ihr Verständnis!“

Oder mit dem Verweis auf die Möglichkeit der Ich-Botschaft, dem Hinweis auf übergreifende Normen:
„Sie möchten anscheinend das Tempo bestimmen. Wenn Sie eilig sind, bitten Sie mich doch einfach darum, beiseitezutreten oder Sie vorzulassen! Dann können wir friedlich und respektvoll miteinander bleiben!“

Jetzt sagen Sie vielleicht: Schön wär’s ja, wenn die drei das könnten, würden sie es ja so machen. Also: Was braucht es noch? Was macht es schwierig?

– Sollten es Befürchtungen sein, dass böse Konsequenzen drohen, die andere Person Macht ausnützt, trotz bedachter Wortwahl meint, angegriffen, ungerechtfertigt belehrt zu werden, oder gar Spaß an Eskalationen hat – dann gilt es wohl zu üben, immer wieder zu prüfen, ob solche Befürchtungen realistisch sind. Und wenn Ja: eine Kosten-Abwägung vorzunehmen. Was geschieht sehr wahrscheinlich, wenn ich mich in vergleichbaren Situationen wiederholt nicht konsequent zur Wehr setze? Was wiegt für mich schwerer?

– Wenn es überhöhte Ansprüche an die eigene Wehrhaftigkeit sind (das bekannte Phänomen, dass später / zuhause die genau richtigen Worte in den Sinn kommen): Sich Flapsigkeit erlauben lernen, nicht optimale Ergebnisse würdigen lernen. „Sonst noch was?“, „Was, wenn nicht?“, „Geht’s noch?“, „Falsch gedacht!“

– Wenn die Beziehungsdefinition lähmt, diese direkt zum Thema machen: „Wir stehen in Beziehung als Chef_in und Mitarbeiter_in. Wir haben dafür vertragliche Regelungen. Übergriffiges Verhalten ist in diesen Regelungen nicht enthalten!“ Oder „Wir stehen in Beziehung als gleichberechtigte Personen im öffentlichen Raum! Einseitiges Durchsetzen von Normen passt hier nicht!“

Und sollte die Beziehungsdefinition selbst der Kern des Problems sein – dann könnten wir sie zurückweisen!

Ein Beispiel aus dem Aufsatz: Eine berufstätige Frau ist gerade aufs Land gezogen. Ein schöner Sonntagnachmittag lässt sie die Entspannung auf der Terrasse genießen. Bis der Rasenmäher des Nachbarn losgeht. Sie fasst sich ein Herz und spricht den Nachbarn an, bittet um die Einhaltung der Sonntagsruhe. Nun erklärt ihr der Nachbar, dass sie als Neuankömmling keine Ahnung davon habe, wie „wir“ auf dem Land so zusammen klarkommen. Sie wird in eine Schieflage gebracht, als städtischer Störenfried ausgegrenzt. Wenn sie klarmacht, dass es hier nicht um Stadt-Land, eingesessen-zugezogen geht, sondern schlicht um die Einhaltung von Vorschriften, dann weist sie die Beziehungsschieflage zurück.

X kann die Deutung, zu empfindlich gegenüber Kritik zu sein, zurückweisen. Es geht hier schließlich um angemessenes Feedback. B kann die Deutung, das Problem läge in seinem Langsam-Sein zurückweisen, es geht um Respekt vor dem Raum anderer. A weist zurück, ein Hundehasser zu sein. Es geht um die Verantwortung des Halters, der Halterin.

Ach und übrigens: Wenn X anfängt, sich in dem Meeting zu rechtfertigen, dann hat X die Deutungshoheit und Beziehungsdefinition des Gegenübers akzeptiert… Das könnte Folgen haben für die Zukunft.

Wenn A mit deiner Hundephobie argumentiert – ebenso!
Wenn B erklärt, dass er gerade an einem körperlichen Gebrechen leidet – siehe oben!
Guter Weg?

In dem gelesenen Artikel geht es viiiel differenzierter und vielschichtiger zu, als ich es hier dargestellt habe – vielleicht haben Sie Appetit bekommen.

Eine gute Woche!