Atmen für die Gesundheit, auch die der Psyche

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, die Gesangspädagog*innen trällern es, die Mediziner*innen sprechen eindringlich davon: Unsere Atmung soll, damit sie gesund und gut für uns sein kann, nicht nur im Brustkorb stattfinden! Es soll hier heute deshalb einmal um unsere Bauchatmung gehen.

Die Bauchatmung ist durch unser Zwerchfell gesteuert. Wenn wir es zulassen, darf sich der Bauch beim Einatmen nach außen wölben, dadurch haben die Bauchorgane viel Platz, wenn sich das Zwerchfell anspannt. So ist es nämlich, wir haben es vielleicht in der Schule gelernt, es spannt sich an, wird flach und bewegt sich dabei nach unten in den Bauchraum hinein. Es zieht die Lunge, die mit ihm verbunden ist, mit sich, und die Lunge hat mehr Raum, sich mit frischem Atem zu füllen. So ist es beim Einatmen.
Beim Ausatmen darf es entspannen, es geht zurück in seine nach oben gewölbte, natürlich lockere Form. Die Luft wird nach außen losgelassen, bis zum nächsten Einatmen.

Das Zwerchfell: Beim Einatmen flach und gespannt, Beim Ausatmen nach oben gewölbt und locker.

Eine gute Bauchatmung hilft der Lunge nicht nur bei der Sauerstoffaufnahme und der der Kohlenstoffabgabe, sondern auch bei der Immunabwehr, beim Auflösen von Blutgerinnseln, dem Kreislauf, besonders dem Rückstrom des Blutes zum Herzen, bei der Entspannung des Körpers und der Psyche. So sagen Ärzt*innen und Yogalehrer*innen.

Am einfachsten übt sich die Zwerchfellatmung im Liegen, flach auf dem Rücken. Dabei ist es gut, die Beine so anzuwinkeln, dass die Fußsohlen Kontakt zur Unterlage haben. Mit den Händen auf dem Bauch lässt sich die Atembewegung gut spüren. Beim Einatmen wölbt sich der Bauch nach außen, das Zwerchfell spannt an und wird flach. Beim Ausatmen wird der Bauch locker und flach, das Zwerchfell locker und in den Brustraum hinein gewölbt.
Nachdem uns das vertraut ist, können wir es auch ganz gut im Sitzen üben.
Und dann können wir es auch bald schon in jeder Körperhaltung!

Übrigens: Ständig den Bauch einzuziehen ist ganz schön hinderlich hierfür!

Wir können diese Bewegung ganz gut unterstützen, indem wir die Hände so vor uns mit den Fingern verschränken, dass die Handrücken zum Körper zeigen. Beim Einatmen strecken wir die Ellbogen und Arme, dann werden die Hände zu einem flachen Teller: Anspannung. Nehmen wir die Ellbogen beim Ausatmen zurück in die angewinkelte Position, wölben sich die Hände zu einer Schale.
Beim Einatmen Strecken der Arme, beim Ausatmen locker zurückführen, die Hände wölben sich, sind entspannt wie das Zwerchfell.
Beim Einatmen wird das Herz etwas schneller schlagen, beim Ausatmen etwas langsamer.

Wer mag, verbindet diesen Rhythmus mit zwei unterschiedlichen Vorstellungen:
 – Beim Einatmen die Vorstellung von Autonomie, der unabhängigen Seite des Selbst.
 – Beim Ausatmen die Vorstellung von Verbundenheit, unserer Geborgenheit suchenden Seite

  • Beim Einatmen durch die Nase der Gedanke an das aktive Ich
  • Beim Ausatmen aus dem leicht geöffneten Mund der Gedanke an das Ich, eingebettet im Wir

Nicht zu schnell bitte, sonst wird es dem Nervensystem zu bunt!

Gute Bilder vom alleinigen Ich können sein: Als Kind im Spiel mit Glasmurmeln, ganz vertieft, beim Bauen mit Lego, beim Malen, Singen, ganz für sich – oder für die Sportlichen unter uns beim schnellen Sprint, beim langen Lauf, beim Ziehen der Bahnen im Wasser.

Gute Bilder vom Sein im Wir können sein: Gemeinsames Singen im Kreis, Spaziergang mit Freund*innen, zusammen Blumen pflanzen, mit lieben Menschen in den Sternenhimmel schauen.

In beidem kann Sicherheit empfunden werden.

Ist das Ich allein, so ist es das für den Moment. Es findet etwas Neues heraus und will es andern mitteilen.

Ist das Wir im guten Abstand zueinander, lässt es dem Ich seinen Raum.

Atmen.

Eine gute Woche!