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Warum Reden oft nicht reicht

Manchmal sagt ein Mensch, er spüre, sie spüre sich nicht. Damit kann der Körper gemeint sein, der vielleicht höchstens im Schmerz noch wahrgenommen wird. Damit kann gemeint sein, dass auch manche Gefühle der Psyche nicht gespürt werden können, der eigene emotionale Zustand, wie abgespalten, nicht wahrgenommen, nicht beschrieben werden kann.

Dies kann das Resultat einer belastenden Situation, zum Beispiel eines schweren Unfalls, entweder als Beobachter*in oder als beteiligter Person, sein.

Darüber zu sprechen allein führt dann oft nicht weiter.

Beobachtungen dessen, was im Gehirn geschieht, mittels einer Magnetresonanztomographie (MRT), zeigten, dass allein die Vorstellung eines schweren Unfalls zu einer geringeren Aktivität der Vorderhirnbereiche und es Sprachzentrums führt. Hingegen waren die alten Hirnstrukturen, gewöhnlich Reptiliengehirn genannt, die für „sich gut oder sich schlecht fühlen“ zuständig sind, sehr aktiv.

Das Resultat ist dann, das derjenige, der etwas Schreckliches erlebt hat, nicht gut analysieren und bewerten kann, was er erlebt hat und auch nicht zufriedenstellend in Sprache fassen, wie es ihm geht. Der Körper drückt den Schrecken aus, er sitzt ihm buchstäblich in den Knochen.

Wie könnte es ihm da weiter helfen, ausschließlich zum Gespräch einzuladen?

Wenn die Belastung nicht aus einer einmaligen Situation heraus entstanden ist, sondern aus einer problematischen frühen Kindheit, ist der Zusammenhang oft noch dramatischer. Denn das Kind, das keine sichere Bindung aufbauen konnte, hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Sprache in seinem Gehirn ausgebildet, mit der dies alles reflektiert und berichtet werden könnte.

Es muss eine problematische Kindheitserfahrung nicht zwingend in psychische Beeinträchtigungen münden. Wenn es aber so ist, sind diese mit Gesprächen allein nicht zu heilen. Diese Erkenntnis verdankt die psychotherapeutische Welt unter anderem Peter A. Levine, dem amerikanischen Biophysiker, Psychologen und körperorientierten Trauma-Therapeuten, auf den sich zahlreiche Trauma-Therapeuten beziehen.

Es wird bei abgespaltenen Gefühlen nötig sein, zusätzlich zur Sprache weitere Zugangswege zu finden. Diese haben zum Ziel, dem leidenden Menschen das Nachlernen von Selbstwahrnehmung und Selbstregulation zu ermöglichen.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist notwendig, um einen verschütteten Zugang zu den eigenen Gefühlen freizulegen. Wenn wir den Kloß im Hals nicht spüren, die Schmetterlinge im Bauch ebenso nicht – dann fehlt dem analysierenden Gehirn eine grundlegende Information, es kommt nicht weiter. Die körperlichen Begleiterscheinungen von Emotionen sind zwar nicht trennscharf bei der Bewertung der Gefühle, aber ohne sie stecken wir fest.

Levine nennt das sogenannte Reptiliengehirn deshalb auch „body brain“, Körpergehirn, weil es über den Körper (wieder) zum Kontakt zwischen Empfindung und Bewertung, und damit zur Veränderung kommen kann. Das Erlernen der Selbstregulation, und im Zuge dessen das Erreichen größerer Freiheitsgrade, ist ohne die Wahrnehmung des Körper-Ichs nicht möglich.

Diesen Gedankengängen Levines und anderer Wissenschaftler stimme ich zu und folge ihnen in meiner Arbeit.

Eine der Übungen Peter A. Levines will ich heute vorstellen, und zwar, weil es mir so wichtig erscheint, eine Übung zu den Grenzen. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Grenzen zu spüren und dann auch zu verteidigen, nicht nur Menschen, die traumatisiert wurden. Ich wähle heute die Anrede „Du“.

  1. Durchwandere Deinen Körper, gib Dir Zeit dafür, bewerte nichts. Beginne an Deinem Scheitel, durchwandere Deinen Körper von oben nach unten.
    Durchwandere den Kopf, den Hals, die Schultern, die Arme, den Rumpf mit der Vorderseite, der Rückseite, den Flanken. Gibt es Unterschiede zum Rumpfbereich, wenn Du Dein Becken erreicht hast? Nichts ist hier richtig oder falsch, nimm einfach wahr, was ist! Was bemerkst Du? Gehe weiter bis zu den Füßen.
  2. Nun klopfe mit einer Hand die andere Hand locker ab und sage im Geiste: „Das ist meine Hand, ihre Innenseite, ihre obere Seite“, gehe weiter zum Unterarm und verfahre ebenso. Gehe weiter in der gleichen Weise zum Oberarm, zur Schulter.
  3. Halte inne, gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Amen?
  4. Nun klopfe ebenso die andere Hand, den anderen Arm bis zur Schulter hinauf leicht ab, sprich im Geiste stets mit: „Das ist mein/e….“
  5. Ruhe kurz aus.
  6. Gehe zu Deinen Oberschenkeln und klopfe mit beiden Händen beide Oberschenkel ab, besonders an den Außenseiten. Sprich dazu. „Das sind…“ Was bemerkst Du? Alles ist einfach so, wie es ist.
  7. Drücke, wenn Du noch weiter machen möchtest, die Muskeln beider Oberarme, fest mit beiden Händen und sage dazu: „Hier sind meine Grenzen“. Mache das mit allen Muskeln, die Dir gerade dazu einfallen. Gib Dir Zeit dafür!

Du kannst ausprobieren wie es ist, wenn Du, statt abzuklopfen, unter der Dusche den Wasserstrahl über Deinen Körper wandern lässt „Das ist meine Hand, ihre Innenseite…“

Mach aus dieser Übung eine angenehme Aufgabe, lass Dich von Deinem Körper leiten.

Levine nennt das, das Körper-Ego zu stärken.

Eine starke Woche wünsche ich allen!

Zeit

Endlich! „Zeitumstellung“. Es ist kein Geschenk, denn wir bekommen aktuell etwas zurück, was uns im Frühjahr gemopst wurde: eine ganze Stunde! Dennoch empfinde ich diese Stunde Herbst für Herbst als Geschenk, schaue auf die Uhr: Oh, noch so früh, ich hab noch Zeit! Wie schön! Was will ich damit anfangen?
In diesem Moment wird mir wieder bewusst, dass ich, sofern ich mich gut fühlen möchte, alle Tage des Jahres darauf achtgeben sollte, dass ich mit meiner Zeit gut umgehe. Das hieße unter anderem, mir Zeit zu geben, für das, was mir wichtig ist, hieße, die Ruhe zu bewahren, mich nicht zu hetzen – denn davon wird die Zeit nicht vermehrt, die ich zur Verfügung habe. Das wäre eine Illusion. Wenn ich mich doll abgehetzt habe, erlebe ich keinen Zeitgewinn, eher einen Verlust an Gegenwart. Ich hechle der Idee hinterher, ich hätte zu wenig Zeit. Das Resultat ist Atemlosigkeit.

Eckhart Tolle soll zum Thema Zeit und Illusion geschrieben haben, Zeit sei überhaupt nicht kostbar, denn sie sei eine Illusion. Was so kostbar erschiene, sei nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liege: das Jetzt. Das allerdings sei kostbar.
“Im Augenblick haben wir alle Zeit der Welt.”soll Michael Richter geschrieben haben – das gefällt mir sehr gut! (So im Web entdeckt). Ein Lob des Augenblicks!

Als Kind war dieses Gefühl selbstverständlich: Alles war unwichtig, existierte gar nicht, was nicht mit diesem besonderen Spiel, dieser Zeichnung, dieser Lektüre, dieser Gitarrenübung zu tun hatte. Bis die Mutter rief, man möge ihr was helfen. Dann plumpste ich aus dem Augenblick. Ob die Zeit anschließend langsam oder schnell verging, hatte etwas damit zu tun, worin die gewünschte Hilfe bestand.

Später habe ich gelernt, dass Zeit selbst dann als gut gefüllt erlebt werden kann, wenn die Tätigkeit an sich ungeliebt ist, beim Abwaschen zum Beispiel (Es war die Zeit vor meiner ersten Spülmaschine…). Es ging darum, sich auch dieser Tätigkeit ganz aufmerksam zu widmen, dabei zu bleiben, nicht an all das andere zudenken, was noch getan werden sollte, auch nicht an irgendwas Zurückliegendes. Ich finde bis heute, dass dies funktioniert, wenn ich es so mache, es gelingt mir nur bedauerlicherweise nicht so sehr häufig.

Denn unsere Einteilung der Zeit ist leider alles andere als eine Illusion. Darin gibt es Termine.

Termine, Termine – manche gehören auf den Prüfstand. Sie können vielleicht einfach mal abgesagt werden, manche muss man ja nur vor sich selbst absagen. Es gibt so manches Treffen, zu dem ich nicht mehr hingehe, seit es mir recht egal ist, ob andere das doof von mir finden. Ich möchte nämlich meine kostbaren Augenblicke, in denen ich alle Zeit der Welt habe, nicht missen. Spazierengehen, etwas gestalten, kreativ sein, dafür will ich einen Zeitraum haben!
Wir haben unterschiedliche Lebensziele und verschiedene Werte im Leben, die können sich auch mit dem Älterwerden x-mal ändern: Gut für unsere Gesundheit ist es, sich ihrer bewusst zu sein, gut ist, sie als Maßstab für unsere persönliche Zeiteinteilung zu setzen. Wenn mir Kreativität sehr wichtig ist, werde ich vielleicht entscheiden, einem Kaffeekränzchen keine Zeit zu geben. Der Zeitraum für das zu Schaffende wäre mir wichtiger.
Wenn mir häufiges Zusammensein mit Menschen am Herzen liegt, werde ich es weniger wichtig finden, ob die Kleidung und die Wohnung tippitoppi sind, ich werde das Zusammensein genießen und nicht an den Abwasch denken.
Wenn mir Politik über allem wichtig ist, gebe ich meine Zeit darein. Oder Sport. Oder ich gewichte die Bereiche miteinander und gebe ihnen ihre Zeit. Jede nach ihrem, jeder nach seinem Geschmack. Gut ist, sich bewusst zu sein, wievieles wir trotz aller Termine selbst entscheiden können! Dieser Erkenntnis und ihrer Umsetzung können wir doch etwas Zeit widmen?!

Eine schöne Woche Stunde Plus!

Debattieren, diskutieren

Mögen Sie das, magst Du das?
Gestern habe ich mal wieder an einem kleinen Filmzirkel teilgenommen, es gab einen Film, über den es sich prächtig diskutieren ließ. Ein Teilnehmer fragte mehrmals, ob wir denn eigentlich alle den gleichen Film gesehen hätten. Die Meinungen gingen an vielen Stellen und ihren Interpretationen sehr weit auseinander. Die Sicht darauf war manchmal überraschend: Ach, so kann das auch betrachtet werden?
Die lockere Gruppe setzt sich mehrheitlich aus Menschen zusammen, die schon recht lange das Rentenalter erreicht haben. Einige kennen sich auch aus anderen Zusammenhängen, einige schon seit vielen Jahren. Und sie diskutieren und debattieren, geben Statements ab, regen sich kurz mal auf, gehen mal gut aufeinander ein, mal gar nicht, finden an einzelnen Punkten Konsens, an anderen ü b e r h a u pt nicht… Wunderbar!
Als wir spät am Abend auseinander gingen, waren einige noch kräftig dabei, zusammen stehend oder beim Aufräumen, beim Gehen in der Tür, immer nochmal ihren Standpunkt zu verteidigen. Es ging ja um nichts, nicht um irgendwelche Entscheidungen. Es war aber wichtig, gehört zu werden, sich verständlich zu machen.
Wo gibt es das noch in meinem Leben, habe ich überlegt.
Fast nirgends, antworte ich mir.
Welch ein Verlust!
Das war doch nicht immer so? Was hat man sich manchmal die Köppe heißgeredet, Bücher, Filme, politische Einschätzungen, Ansichten zu gemeinsamen Erlebnissen… Da konnte auch mal gefragt werden: Haben wir die gleiche Szene erlebt, da konnte auch mal gestutzt und gestaunt werden: Ach, so kann das auch betrachtet werden?
Heutzutage erlebe ich häufig, dass bei einer Meinungsäußerung gleich die große Keule geschwungen wird, relativiert, für unangemessen erklärt, abgewehrt, aus dem Feld gegangen, in eine bestimmte Ecke gedrängt – am liebsten die anderen mundtot machen – Meinungsaustausch geht anders.
Ich will nicht damit sagen, dass es das früher nicht auch häufig gab, das unfaire Abwürgen anderer Meinungen. Ich meine aber, es wurde zur bestimmenden Haltung und das finde ich tatsächlich schlimm.
Ganz schlimm wurde es, als Herr Lucke, dessen Ansichten und Handlungen ich nicht gutheiße, in der Hamburger Uni in diesen Tagen daran gehindert wurde, einen Vortrag zu halten. Die ihn hören wollten, mussten durch ein Spalier den Ort verlassen und sich beschimpfen lassen.
Es wäre besser gewesen, so denke ich, in die Debatte einzusteigen.
Sagen deshalb so viele nicht, was sie denken, weil sie solche Reaktionen fürchten? Und haben diejenigen, die in letzter Zeit immer lauter und immer dreister strafrechtlich relevante Äußerungen aus der ganz rechten Ecke kund tun, im Moment so ein leichtes Spiel?
Könnten wir zum Diskutieren und Debattieren zurückfinden? Ich wünsche es mir!

Für diese Woche habe ich mir vorgenommen, zu schauen, ob ich mir ein falsches Urteil gebastelt habe, ob meine Sicht der Realitätsprüfung nicht standhält und ob ich Debatten selber anstoßen mag.

Vielleicht Du auch, Sie auch?
Eine schöne und lebendige Woche!

Ulrike Roderwald

P.S: die Kommentarfunktion habe ich abgeschaltet, weil ich über diese praktisch nur Werbung erhielt, Spamfilter hin oder her. Wenn Sie mit mir diskutieren wollen, schreiben Sie mir doch mal an info@heilpraxis-psychotherapie-roderwald.de. Und schreiben Sie dazu, ob Sie das hier veröffentlicht sehen wollen!





Schreck lass nach!

Neulich sagte meine Begleitung beim Spaziergang im Wald zu mir: „Ich werd‘ auch immer schreckhafter!“ Sie hatte sich erschrocken, weil ein Jogger von hinten näher kam. Sie hatte ihn zuvor bemerkt und sich dennoch erschrocken.
Ich hingegen hatte nicht damit gerechnet, dass der Jogger plötzlich rechts an mir vorbeiziehen würde. Als es soweit war, sagte ich zwar „Huch“, aber ohne die körperlichen Erscheinungen zu erleben, die man für gewöhnlich mit Schreck verbindet: Herzklopfen, flaues Gefühl im Bauch, Anspannung.

Auch ich kenne Situationen, auf die ich unangemessen reagiere. Ich erschrecke mich, wenn eine Person, auch eine ganz vertraute, von deren Anwesenheit ich weiß, plötzlich im Spiegel hinter mir erscheint. Ich erinnere mich an eine Urszene, die schon Jahrzehnte zurückliegt. Die Szene hat sich so nie wiederholt. Der Schreck ist geblieben. Es gibt also einen sogenannten Trigger, einen äußeren Reiz, der mein neuronales Netzwerk aus der damaligen Situation wieder auf den Plan ruft.
Ich kann damit leben. Sollte ich das einmal anders sehen, weiß ich, dass solche neuronalen Netzwerke grundsätzlich beeinflusst werden können.

Wenn etwas Unerwartetes geschieht, ist es gesund, mit Schreck zu reagieren, denn diese zunächst körperliche Reaktion soll das Überleben sichern. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt, unter anderem Adrenalin wird ausgeschüttet, damit die möglicherweise erforderliche Flucht aus dem Stand sofort durchgeführt werden kann. Der Pulsschlag steigt, die Muskeln sind angespannt, alles bereit.
Stellen wir dann fest, dass keine Gefahr droht, ebbt die Reaktion nach einigen Minuten ab, wir beruhigen uns.

Zum Thema ein nettes Bild, das ich im Web fand: (Urheberrechte: Andy Dean, gefunden bei https://wiki.yoga-vidya.de/Datei:Frau.Schreck.PC.Blumen_MP900442366.JPG#filelinks)

Wirklich unerwartet, aber höchstwahrscheinlich nicht böse…

Laute Geräusche können der Auslöser von Erschrecken sein. An Sylvester weiß ich ja, dass es knallt, ziemlich genau, aus welchen Ecken der Knall kommt, wie oft, wie laut, normalerweise ungefährlich, egal, ich zucke zusammen.
Wenn ich mich in den Gedanken hineinsteigere, dass ein Feuerwerkskörper einen Brand auslösen könnte, die zugehörigen Bilder schon vor mir sehe, dann ist die Anspannung, die ich als Angst erlebe, perfekt bis zum nächsten Morgen. Hier ist die Eingangstür zur Veränderung deutlich: Meine eigenen Gedankenkaskaden sind zu stoppen!

Ich kenne einige Autofahrer*innen, die bei von rechts kommenden Autos erschreckt zucken, unruhig sind, bis die Einmündung hinter ihnen liegt. In den meisten Fällen haben sie früher einen Unfall erlebt.

Für eine ältere Verwandte ist es ein Gräuel gewesen, wenn vor dem Fenster plötzlich ein Gesicht erschien. Es konnte ein freundliches Gesicht sein und die Absicht gut – sie hatte im Bruchteil einer Sekunde die Erinnerungen an Krieg und Verfolgung mit all ihren Bildern parat und der Schreck fuhr ihr buchstäblich in die Knochen.
Diese gängige Formulierung weist uns darauf hin, wie sehr unser Körper an dieser Reaktion beteiligt ist. Daher ist eine Eingangstür zur Veränderung oftmals die Arbeit mit dem Körper. Dazu später eine Übung.

Solche klar umgrenzten Schreckauslöser sind mit verschiedenen Methoden grundsätzlich auflösbar, mit der Einschränkung, dass unter Umständen weitere psychische – oder auch körperliche – Ursachen vorliegen, die gefunden werden sollten.

Schreckhaftigkeit meint noch etwas anderes, nämlich eine deutlich erhöhte Bereitschaft, mit Schreck zu reagieren. Etwa, dass das fragliche äußere Ereignis bei den meisten Menschen nicht zur Schreckreaktion führt, wie beispielsweise das Zuklappen einer Autotür.
Ein andauernder Beunruhigungszustand, sei es durch erhöhte Erschreckensbereitschaft, sei es durch verlangsamtes Abflauen der Körperreaktion, sei es durch den Übergang in stetige Erwartungsangst, kann körperlich sehr krank machen. Der Dauerstress kann zu Schmerzzuständen führen oder zu einer Überlastung des Herz-Kreislaufsystems. Dies wiederum kann durch unsere Bewertung zu weiterem Stress führen, den Weg in eine Angsterkrankung bahnen.

Erwartungsangst, überhöhte Wachsamkeit ist ebenfalls eine mögliche Ursache körperlicher Erkrankungen oder zumindest verstörender Körperempfindungen. Traumatisierend erlebte Szenen der Vergangenheit oder auch eine dauerhaft traumatisierende Umgebung in der Kindheit – durch Vernachlässigung oder Gewalt – können diese überhöhte Wachsamkeit mit all ihren Folgen in der Psyche verankern. Wer so leidet, findet den Weg manchmal erst spät in eine Psychotherapie. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dieser Weg sich auch im fortgeschrittenen Alter noch lohnt.

Meine Begleitung findet ihre wachsende Schreckneigung unangenehm, beunruhigend und lästig. Sie stört, dass sie weder weiß, wie es zu dieser Veränderung kommt, noch, was sie dagegen tun könnte.

Zunächst kann sie versuchen herauszufinden, ob sie derzeit unter vermehrtem Stress leidet, dann wäre das vegetative Nervensystem ohnehin im Alarmzustand, der leicht und schnell durch Kleinigkeiten zu steigern ist. Dann wären die Ursachen des Stresszustandes auf ihre Veränderungsmöglichkeiten zu prüfen.
Beispiel Prüfungsangst: Wer glaubt, sein Leben und Wert hinge vom Erfolg ab, wer sich daher stets beweisen muss, setzt sich unter einen selbstschädigenden Stress, der langfristig weder dem Erfolg dient noch der Gesundheit.
Beispiel Angst um Leib und Leben: Wer untergründig stets fürchtet, zu Tode kommen zu können, verhindert mit diesem Gedankenkonstrukt keinen einzigen Unfall oder sonstiges lebensbedrohliche Ereignis.
Solchen selbstgebauten Stress machen wir uns mit unseren Gedanken – daher können wir lernen, diese Gedanken auf eine andere Basis zu stellen. Wir können lernen, in einem schlechten Abschneiden bei einer Prüfung keinen Wertverlust zu sehen. Wir können dann sagen: Blöd gelaufen, mal gucken, wie ich es beim nächsten Mal besser hinkriege. Wir können lernen, Todesangst durch  ein realistisches Wissen um unsere Sterblichkeit – und deren Akzeptanz – und eine gesunde, fürsorgliche Aufmerksamkeit für unser Leben  zu ersetzen.

Bei erhöhtem Stress durch äußere Umstände – es werden beispielsweise mehr oder größere Aufgaben an uns herangetragen, die wir uns dann entscheiden, bewältigen zu wollen – hilft es, sich immer wieder klar zu machen, dass dieser Zustand grundsätzlich vorübergehend ist. Entweder die besonderen Aufgaben sind gelöst, oder wir entscheiden uns um.

Eine solche Verursachung ist nicht zu entdecken? Seis drum: Dann können Übungen zur Selbstregulation helfen.
Das Erlernen der Progressiven Muskelentspannung oder des Autogenen Trainings sind bekannte und anerkannte Möglichkeiten, die Selbstregulation zu fördern.

Heute will ich eine Übung weitergeben, die Du sofort anwenden kannst, die Sie sofort anwenden können:
Bitte den eigenen Atem einfach beobachten, im Stehen, Sitzen oder Liegen. Nicht bewerten und so wenig wie möglich beeinflussen! Nur Schauen und Spüren: wie schnell oder langsam, wie tief oder flach, wie regelmäßig oder unregelmäßig…
Nun einige Vorbemerkungen zur Übung:
Hast Du eine Erinnerung daran, wie Tiere, die Du vielleicht einmal beobachtet hast oder kleine Kinder atmen? Der ganze Körper scheint zu atmen, die Flanken, der Bauch weiten sich sichtbar und fallen wieder zusammen.
Erwachsene haben meist gelernt, über den Atem Gefühle zurückzuhalten. Denke an Menschen, die eine starke Empfindung vermeiden wollen, weil sie ihnen unpassend erscheint – das erkennst Du auch am oft kurzen flachen Atemzug. Dies geschieht unter anderem mit Muskelanspannung, mit der wir uns auch schützen wollen. Zunächst ist dies also eine Funktion der Abgrenzung.
Tiefe Atemzüge aber geben uns Energie, können uns mit Ruhe füllen und eine Empfindung der Verbundenheit herstellen. So helfen sie uns bei der Selbstregulation.
Beides sollte uns also zur Verfügung stehen. Abgrenzung und Öffnung.

Um dem ungehinderten Fluss des Atems Raum zu geben, begib Dich nun in den Vierfüßerstand, wie Du ihn vielleicht aus der Gymnastik oder der Yoga kennst, verharre aber bei dieser Übung einfach in dieser Position. Lass Deinem Bauch die Chance, zu sein, ziehe ihn nicht ein, lass locker. Nun beobachte, wie Die Atemluft Dich füllt und fließen kann. Pushe nicht, nicht angestrengt, sondern ruhig atmen.

Dies tue so für einige Minuten, erzwinge nichts. Alles was möglicherweise hochkommt, ist in Ordnung, nimm es einfach wahr.
Ende der Übung. Wenn Du Dich damit gut gefühlt hast, wiederhole es bei Gelegenheit.

Wenn Du in Aufregung gerätst, gib besonders dem Ausatmen Raum. Am Ende des Ausatmens warte einen kleinen Augenblick bis zum nächsten Einatmen. Dies hilft Dir bei der Regulation und Du wirst ruhiger.

In diesem Sinne: Schreck lass nach!

Mein neuer Ort für Sie, für Dich

Hereinspaziert!

Hier entlang bitte!

Jetzt ist es soweit: Ab sofort empfange ich Sie / Dich in dem schönen neuen Raum! Das ist er noch nicht, sondern:

Wenn er mal benötigt wird, gibt es einen kleinen Warteraum.

Ansonsten: Wo ist Ihr / Dein bevorzugter Platz?

Einfach mal Probesitzen!
Hier vielleicht?

Vom Neubau in den Altbau… Ich mag alte Gebäude! Sie haben Geschichte/n und ich mag Geschichte/n! Hier war einmal ein Kuhstall! Zwei Kühe und ein Kälbchen hatten Platz. Dann war es ein Schlafraum, dann ein Aufbewahrungsraum, nun sind Sie, bist Du hier willkommen!

Die Klangwoge überträgt die entspannende oder auch die aktivierende Musik auf die Liegefläche. Sie spüren, Du spürst im Körper die Vibrationen .

Die Klangwoge ist keine therapeutische Liege, aber sie wird meine Arbeit unterstützen, wann immer es passt: Bei einer Trance, bei EMDR, bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen, beim Autogenen Training, der Kieferlockerung durch RESET… Gern erzähle ich Ihnen / Dir mehr darüber!

Das Flipchart ist natürlich auch mit umgezogen!

Für die kognitive Therapie ist es unerlässlich, für die lösungsorientierte Arbeit ebenfalls. Die weiße Fläche ist für Ihre / Deine Imaginationen! Und wenn wir das mal gar nicht benötigen, weil heute körperorientierte Therapie dran ist,

dann können wir das auch verschwinden lassen!

Für die, die mich schon kennen: Die neuen Räumlichkeiten sind auf demselben Grundstück, also ändert sich Ihr / Dein Weg nur ein ganz klein wenig. Die Fassade des Altbaus sieht noch grauslich aus, aber im nächsten Frühjahr ist sie auch dran! Ich bin gespannt, was Sie sagen werden, was Du sagen wirst!

Bis dann!

Herbst

Nun ist er da, der Herbst. Manche lieben ihn ganz besonders, freuen sich auf diese Jahreszeit, genießen die Kühle und Frische nach einem zu heißen Sommer. Ich gehöre nicht dazu, ich bin ein Sommerkind. In der Wärme und Helligkeit des Sommers geboren, sehne ich ihn Jahr für Jahr herbei. – Die Auswirkungen des Klimawandels meine ich hier und heute nicht – darüber ein anderes Mal. –
Ich habe Bilder und Töne des inneren Sommers mit meinen gesammelten Erinnerungen bei mir und sie machen mich lächeln. Die Sonne auf der Haut, schauen, wie alles üppig wächst, Früchte naschen, Brombeeren am Wegesrand, unreif noch, aber Probieren muss sein, das Lachen und Kreischen im Schwimmbad, das Flirren der Luft über dem warmen Asphalt… ach, da geht es mit mir durch, ich wollte doch über den Herbst schreiben…
Wenn der Herbst naht, bemerke ich, dass ich bereits daran denke, dass danach der Winter naht, und der Winter ist mir meistens zu kalt. Ein paar Tage lang weißen Schnee zu schauen und zu berühren, frische Flocken auf der Zunge schmilzen lassen – schon schön, aber bitte nicht wochenlang…. Schon wieder abgedriftet. Der Herbst als Übergang.
Mein Spaziergang am Morgen soll nun dem Herbst gewidmet sein: der besonderen Schönheit sich langsam einfärbender Blätter, wenn sie sich im glatten See spiegeln, Bucheckern auf dem Weg. Bäume werfen ihre Frucht ab und schließen ihre Verbindung zur Außenluft, so können die Blätter fallen. Alles bereitet sich auf die Ruhezeit vor, nach der Verausgabung und Üppigkeit des Sommers. Ich höre Kraniche in der Nähe, sie machen sich auf zum langen Flug , sie sind schon die Nachhut, Zeit des Abschieds und des Aufbruchs zugleich.

Was ist mit dem Herbst des Lebens? Von denen, die dort schon angekommen sind, versuchen einige, den Sommer zu verlängern. Wenn ich ihn ignoriere, findet er vielleicht nicht statt? Der Versuch, die Kräfte einzusetzen wie bisher, kann dazu führen, dass der Körper Alarm schreit. Es ist nicht einfach, den Herbst zu akzeptieren oder gar willkommen zu heißen, wenn er als Übergang zum Winter des Lebens gesehen wird und damit unweigerlich der Gedanke an das Ende des Lebens die innere Bühne betritt. Wir haben nicht den Zyklus der Bäume, es folgt kein neuer Frühling. Je nach Glaubenshintergrund können Vorstellungen eines neuen Lebens trösten, aber wer weiß, wer weiß…
Dem Herbst des Lebens die Aufmerksamkeit widmen, die ihm gebührt, kann helfen. Kräfte sammeln, nach innen gehen, Ruhe genießen.
Jorge Bucay schreibt in einem seiner Bücher, der Herbst sei auch im Menschenleben die Zeit des Einfahrens der Ernte. Kein Jäten, kein Pflanzen, kein Hegen und Stützen, kein Gießen mehr. Die Freude an den Früchten all dieser Arbeiten, während die Ernte eingesammelt und eingelagert wird, hat jetzt ihre Zeit. Noch ist keine Winterruhe, es gibt zu tun, aber nichts Neues wird begonnen. Es ist die Zeit des Erntedanks. Ein schöner Gedanke, ein schönes Bild. Jedoch:
Was im Sommer des Lebens versäumt wurde, kann schwerlich nachgeholt werden, vielleicht rührt auch daher die Melancholie, die manch eine/n im Herbst beschleicht. Der wehmütige Blick zurück soll seinen Ort und seine Zeit haben, und das Leben im Hier und jetzt würdigt den Herbst, wenn er da ist, als Zeit mit ganz eigener Qualität.
Wir alle haben im Frühjahr des Lebens den Boden vorbereitet und, je nachdem, wo wir sind im Leben, pflanzen wir noch oder haben bereits gepflanzt, gegossen und bearbeitet. Für die, die noch mitten im Sommer leben, ist es gut, zu wissen, er dauert nicht ewig, die Zeit kann gut oder weniger gut genutzt werden, es ist eine Entscheidung.
Und für die Herbstler unter uns, die nicht so zufrieden sind: Auch ein Leben, das mancher, manchem im Rückblick als wenig erfolgreich erscheint, hat seine Früchte erbracht. Doch, denn wer lebt, hat für sich gesorgt. Mag die Ernte nicht das erbringen, was im Frühling erhofft war, schauen wir auf sie und sagen: Na, immerhin!

Heute schreibe ich etwas elegisch, bemerke ich gerade. Herbst halt! Draußen prasselt der Regen. Eine schöne Herbstwoche allen!

Nachtrag: Natürlich beschleicht niemanden eine Melancholie, wie ich ich oben schrieb. Für alle Wehmut sind wir selbst verantwortlich, indem wir bestimmte Gedanken hegen und pflegen. Solange wir uns dabei nicht in einen andauernden Trauerzustand manövrieren, können wir uns diese auch mal erlauben Darauf einen heißen Tee!

Orientierung

Ich hole mal etwas aus. Am Wochenende habe ich mir einen Workshop gegönnt, der für mich aus dem Rahmen fällt: einen Grundlagenkurs zur Selbstverteidigung. Das war interessant.

Nebst der Übung der Körper-Koordination, Standfestigkeit, Schnelligkeit und Kraft, vielen guten Übungen zur angemessenen Reaktion bei einer Bedrohung oder einem Angriff, war für mich auch spannend, zu erleben, dass und wie ich mich körperlich wehren kann.
Für etliche Situationen kann ich nun feststellen, dass im Kopf die Bereitschaft geweckt werden kann, dies überhaupt zu tun. Denn das heißt ja zum einen, ich trau mir was zu, zum anderen aber auch, ich bin bereit, notfalls einer angreifenden Person wehzutun. Ich bin da nicht eben pazifistisch eingestellt. Angreifer gehen grundsätzlich das Risiko ein, eine passende Antwort zu erhalten.
Dennoch kann es sein, dass eine sogenannte Schlaghemmung die eigene Abwehrhandlung verhindert oder ungünstig verzögert. Dass ich neu lernen kann, was ich als Kind anders gelernt habe (Mädchen hauen sich doch nicht…), fand ich gut. Es passt zu meiner grundsätzlichen Einstellung als Psychotherapeutin. Ich kann auch hauen, wenn es sein muss, das weiß ich nun. Es ist lernbar.

Thema war beim Workshop auch,  mit Aufmerksamkeit zu erreichen, dass die brenzlige Situation gar nicht erst eintritt. Es ging um Verhaltensweisen, die ich Orientierung nennen möchte. Aufmerksamkeit  ist eine der Grundlagen für Orientierung. Laufe ich mit Ohrstöpseln meines Smartphones durch die Gegend, habe ich meine Aufmerksamkeit bei der Musik oder dem Hörbuch oder dem Telefonat – orientiert bin ich nur mangelhaft. Dass nicht mehr Menschen zusammenstoßen, wundert mich immer wieder. Laufe ich im Dunkeln mit dem Blick auf mein erhelltes Smartphone herum, sehe ich erstmal nix, wenn ich den Blick erhebe. Grübele oder träume ich vor mich hin, hilft es der Orientierung auch nicht. Ich sollte wissen, wo ich das tue – und wo lieber nicht.

Orientierung fängt durchaus bei mir selbst an, bei der Aufmerksamkeit für mich. Wie bin ich drauf? Wie geht es meinem Körper, bin ich fit? Was braucht mein Körper, um sich gut und sicher zu fühlen? Trage ich Schuhe, in denen ich schmerzfrei laufen kann, habe ich für Nahrung und für meinen Wasserhaushalt gesorgt? Bin ich wettergerecht gekleidet? Falls nicht, habe ich schon nicht so gute Voraussetzungen für meine Orientierung im Außen, denn ich beschäftige mich notgedrungen mit meinem Mangelzustand, gehe zum Beispiel mit hochgezogenen Schultern und gesenktem Kopf durch die Kälte. Ich werde nicht unbedingt als wehrhaft angesehen, wenn ich das tue. Auch darum sollte ich gut für meinen Körper sorgen. Und der Körperteil namens Kopf braucht auch das Seine: ausreichend Schlaf zum Beispiel, genügend Ruhe und genügend Anregung, beides, um seine Aufmerksamkeit gut steuern zu können.

Orientierung im Außen, um sich, wenn nötig zu schützen – schöner wäre, dies wäre nicht nötig. Schade, es ist anders. Ich rede hier nicht einer Haltung das Wort, furchtsam oder immer mit dem Schlimmsten rechnend durch die Gegend zu laufen. Nein, ich meine Orientierung als Ressource, als Kompetenz. Mit Orientierung entscheide ich mich, bei diesem schönen Wetter einen kleinen Umweg durch den Park zu nehmen, die Veränderungen des Herbstes wahrzunehmen, die Menschen um mich herum mit Interesse zu sehen, Neues zu erleben.
Meine Orientierung hilft mir beim Schönen und beim Gefährlichen auch, ohne dass ich in ständiger Habacht-Haltung bin. Es ist ein Unterschied, ob ich vor lauter Furchtsamkeit neue Wege erst gar nicht gehe, oder mich ständig hektisch umdrehe, ob jemand hinter mir ist und dabei den Stein nicht sehe, über den ich gleich stolpere, oder ob ich mit mir im Reinen meine Umgebung wahrnehme und meine Entscheidungen treffe.
Traumatisierte Menschen neigen dazu, in hoher Erregung fast ständig Gefahren zu wittern, das tut niemandem gut. Es kann auch sein, dass sie aus Furcht alternative Möglichkeiten vermeiden oder sich in sich so sehr zurückziehen, dass sie ihre Umgebung nicht ausreichend zur Kenntnis nehmen. Das kann gefährdend sein.

Nun gibt es einige Möglichkeiten, Orientierung im Außen zu üben. Beginne ich bei mir selbst, nehme ich meinen körperlichen und geistigen Zustand wahr, kann ich mit einem tiefen, genussvollen Atemzug beginnen, nach außen zu schauen und zu hören. Ich kann meine Sinne schärfen für die Temperatur, die Luftbewegungen im Raum, für die Geräusche draußen und drinnen, die Gerüche um mich herum und den Geschmack auf meiner Zunge.
Nun schließe ich die Augen. Mit gesenktem Kopf öffne ich sie und lasse langsam und bedacht den Blick über den Boden zu einem Gegenstand wandern, der vor mir ist. Dorthin, Millimeter für Millimeter und wieder zurück. Ich schließe wieder die Augen und lass die Bilder, die ich gesehen habe, noch einmal vor meinem geistigen Auge vorüberziehen. Habe ich gerade in einer vertrauten Umgebung etwas entdeckt, das anders war als sonst? Vermisse ich etwas? Ist etwas überflüssig und kann mal weg? Habe ich etwas wieder entdeckt? Das Bild an der Wand habe ich lange nicht angeschaut, das da in meinem Blickfeld am Rande war. Das hole ich jetzt nach. Habe ich den Abstand wahrgenommen zwischen mir und der gegenüberliegenden Wand? Ich probiere das noch einmal aus.
Ich stehe auf und drehe mich langsam um mich selbst, lasse den Blick schweifen und nehme alles wahr, soviel ich verarbeiten kann, was in diesem Raum zu sehen ist. Welche Farben und Formen dominieren? Wie ist das Licht?

Dann gibt es die Kinderspiele, die auch wieder verwendet werden können: Jemand legt für mich Gegenstände auf den Tisch, ich schaue sie mir an, eine Decke wird darüber gelegt – an wie viele erinnere ich mich? Nochmal!

Wenn Du so spielerisch übst, wenn Sie so spielerisch Deine / Ihre Aufmerksamkeit und Orientierung üben, im Haus und draußen – sei erfinderisch, seien Sie erfinderisch – dann bemerken Sie, bemerkst Du vielleicht, dass sich ein Empfinden von Sicherheit, von Zuhause-Sein, von Bewohnen dieser Erde entwickelt, das gut tut. Auf dieser Basis ist die Orientierung auf mögliche Gefährdungen schon viel einfacher und wird zur Selbstverständlichkeit. Wie immer: Sie müssen, Du musst es nur tun!

Geschichten

Drei, die ich sehr mag erzähle ich Euch / Ihnen heute weiter.

Einmal vor längerer Zeit wollten die Frösche einen Wettlauf veranstalten. Sie wollten es gern schwierig gestalten und bestimmten als Ziel den höchsten Punkt eines großen Turms. Am Tag des Wettlaufs versammelten sich alle Frösche des Umlands, um dem Ereignis zuzusehen.
Leider waren sie hauptsächlich gekommen, um die eifrigen Froschwettkämpfer und Wettkämpferinnen, anstatt sie anzufeuern, mit Hohn und Spott zu überschütten. Und also riefen sie scheinheilig: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” oder “Das ist einfach unmöglich, viel zu schwer für euch!” oder “Das schafft Ihr nie!”

Und wirklich schien es, als sollten sie Recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” Bald gaben alle Frösche auf, rutschten oder hüpften wieder zum Boden, einige zogen sich Verletzungen zu. Das Gekreisch und Gequake könnt Ihr Euch vorstellen! Aber halt –  alle, bis auf einen einzigen! Dieser kletterte unverdrossen an dem steilen Turm immer weiter hinauf, bis er das Ziel erreichte.

Bildergebnis für frosch

Du fragst Dich, wie das möglich war? Ich verrate es Dir: Dieser Frosch war taub!
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Dornröschen, so wie einige sagen, dass es wirklich war:

Nach vielen Jahren eines langen Schlafes wachte Dornröschen eines Tages auf. Weit und breit war niemand und nichts zu sehen, nur die dornige Rosenhecke. So schlief sie wieder ein.
Jahre vergingen und Dornröschen wachte erneut auf. Sie schaute nach links und rechts, nach oben und unten, aber wieder war niemand da – weder ein Prinz noch ein Gärtner, der sie hätte retten wollen. Und so schlief sie wieder ein.

Schließlich wachte sie zum dritten Mal auf. Sie öffnete ihre Augen, schaute erwartungsvoll um sich, konnte jedoch abermals niemanden erblicken.

Corona, Rey, Real, Príncipe, La Historia, Tiara

Da sagte sie zu sich selbst: „Genug damit! Es geht auch anders“, stand einfach auf, reckte und streckte sich, entdeckte die Gärtnerschere und befreite sich vom Dauerschlaf und der Dornenhecke.

Was dann mit dem Koch und seinem Gehilfen, was mit all den andern im Zustand der Erstarrung geschah, ist nicht überliefert. Wir wissen auch nicht, ob dann irgendwann mal ein verspäteter Prinz angeritten kam.

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Unerhört schön – diese Geschichte findet sich so auf mehreren Seiten im Internet:

An einer U-Bahn-Haltestelle in Washington DC steht an einem kalten Januarmorgen 2007 ein Mann mit einer Violine. Er spielt Bach, auch Schubert. Während dieser Zeit kommen im morgendlichen Berufsverkehr hunderte von Menschen an ihm vorbei.
Es dauert ein paar Minuten, bis der erste Passant den Geiger bemerkt. Er verlangsamt seinen Schritt für ein paar Sekunden. Aber er unterbricht seinen Weg nicht.
Kurz darauf wirft eine Frau den ersten Dollar in den Hut des Musikers, aber auch sie bleibt nicht stehen. Ein junger Mann hält kurz inne, um zuzuhören. Aber ein Blick auf seine Uhr treibt ihn an weiterzugehen.
Dann nähert sich ein etwa dreijähriger Junge. Er möchte stehen bleiben, aber seine Mutter zieht ihn an ihrer Hand weiter. Das Kind schaut im Gehen zurück, will der Musik weiter zuhören. Die Mutter treibt es an. Wie dieser Junge verhalten sich einige Kinder, aber ausnahmslos drängen ihre Eltern sie zur Eile.

Der Geiger spielt, ohne abzusetzen. Insgesamt sechs Menschen bleiben vor ihm stehen und hören ihm für kurze Zeit zu. Vielleicht 20 Vorübergehende werfen ihm eine Münze in den Hut. Nach einer knappen Dreiviertelstunde beendet der Geiger sein Konzert. Es wird still. Aber niemand nimmt davon Notiz, niemand applaudiert. 32 Dollar sind zusammengekommen.

Bildergebnis für geige

Der Violinist war Joshua Bell, einer der besten Musiker der Welt. Er spielte unter anderem eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke, die jemals geschrieben wurden: die „Chaconne in d-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Die Geige, die er dafür verwendete, war 3,5 Millionen Dollar wert.
Zwei Tage zuvor hatte Joshua Bell vor einem ausverkauften Haus in Boston das gleiche Konzert gegeben. Die Karten für dieses Ereignis kosteten durchschnittlich 100 Dollar.

Sein Auftritt in der U-Bahn-Station war ein Experiment. Die Zeitung „Washington Post“ hatte es in Auftrag gegeben. Die Redaktion interessierte die Frage, ob Menschen Schönheit auch in einem ganz alltäglichen Umfeld wahrnehmen.

Eine schöne Woche wünsche ich Euch / Ihnen!

Kommt bald…

… mit ein bisschen Hilfe von lieben Menschen werde ich Sie / Dich hoffentlich bald in meinem neuen Raum begrüßen können!
Hier kommt mein Glanzstück, neu erworben bei der Firma Allton, deren Produkte mich insgesamt sehr erfreuen.

Tataaa, die Klangwoge!

Auch so schon ein Gedicht: Ergonomisch durchdacht und gefertigt wie sie ist, haben auf ihr bisher alle Testliegende sich sehr wohlgefühlt! Schaukeln kann sie, in eine andere Position gebracht und dort fixiert werden kann sie und das Beste ist: Sie überträgt die Bassvibrationen der ausgewählten Musik in gewünschter Intensität auf Ihren / Deinen Körper. Zur Unterstützung einer Trance, einer Entspannung oder auch zur Aktivierung bei Erschöpfung – für mich das Beste, was ich kenne!
Noch steht sie nicht am Zielort, denn..

Es gibt noch viel zu tun!

Der Fußboden liegt, die Farbe an Wand und Decke ist frisch, den Vorhang hab ich auch schon mal dran 🙂

Die Steckdosen… o weh!

Der Schrank ist noch im Aufbau…

Eine Yogamatte hängt schon mal
Der Sperrmüll muss bestellt werden!

Eine Ecke sieht noch ganz schlimm aus, die zeig ich, wenn sie fertig ist… und dann geht der Umzug los!

Am Abend sagt der Rücken: Genug für heute, morgen ist auch noch ein Tag…

Eiweh, dieser neue Tag ist ja heute, dann wieder nix wie an die Arbeit!

Bis bald!

Morgenspaziergänge

Herbstvorboten

Nebel werden zäher. Fische springen nach Insekten.

Kraniche ganz in der Nähe, hörbar aufgeregt. Plätschernde Enten.

Ein unermüdlicher Hahn nahebei. Frische auf der Haut.

Fischjagd

Unter der Sohle Eicheln.

Tacktacktack ein Specht.

Zimtgeruch hängt in der Luft. Wetternde Amseln.

An den Steinstufen plätschert der Bach. Die Radfahrerin hinterlässt einen milden Duft.

Äste auf dem Weg, nach dem Gewitterregen Spuren von Sturzbächen. Nach 7 kommen die Jogger und Walker und Hunde und ihre Besitzer. Da liegt ein kleiner grüner Apfel. Wasserluft.

Die Sonne wärmt noch, es ist schon zu ahnen.
Wasserfeuchtes Gras

Flugzeuge – ohne wäre schöner.