Das Gehirn mag gute Fragen

Stellen Sie Ihrem Gehirn Fragen, die es beantworten kann!
Ihr Denkapparat ist fleißig darum bemüht, Ihnen zu helfen!
Im Hirn werden Netzwerke mobilisiert, Gedächtnisinhalte durchforstet, Datenbanken –
alles nur, um Ihre Fragen zu beantworten.
Das macht Ihr Hirn auch ziemlich lange Zeit, immer bestrebt, zu helfen!
Sie kennen es, ein Name fällt Ihnen nicht ein, eine Melodie ist nicht zuzuordnen,
wem verflixt, gehört die Synchronstimme?
Viele solcher Fragen gleichzeitig können zum zeitweisen Abschalten führen.
Wegen Überlastung geschlossen. Erstmal.
Aber: Bald arbeitet es wieder im Untergrund, im Hintergrund, es denkt – zwei Stunden
oder zwei Tage später gibt es Antwort – und vorher keine Ruhe! Nett nicht?
Ja, schon. außer…
Sie stellen Fragen, auf die Sie schon bisher keine Antwort finden konnten, Fragen, auf die
es keine Antwort gibt – dann ist das Gift für Ihr Gehirn.
Solche Fragen sind zum Beispiel:

Warum geht mir alles schief?
Warum passiert immer mir sowas?
Warum bin ich das Kind ausgerechnet dieser Eltern?
Warum war xy so gemein zu mir?

Im letzten Fall können Sie höchstens xy fragen und vielleicht bekommen Sie eine Antwort.
Mit Glück eine, die Sie nicht gleich wieder hinterfragen wollen…
Ihr Gehirn will helfen. Helfen Sie, indem Sie gut fragen!

Was kann ich heute tun, damit mir etwas gelingt?
Wie kann ich akzeptieren lernen, welche Eltern ich habe / hatte?
Wie will ich Grenzen ziehen, wenn jemand gemein zu mir ist?
Möchte ich mir Hilfe holen und andere Menschen fragen?

Darauf können Sie Antworten finden und Ihr Gehirn arbeitet nicht nur fleißig, sondern
auch wahrscheinlich erfolgreich.

Wenn Sie unbeantwortbare Fragen stellen, sagen Sie zu sich STOP! Bringt nix,lass ich!
Das hilft Ihnen aus eine Grübelspirale und Ihrem Hirn beim Denken!

Viel Erfolg!
Ulrike Roderwald

Manchmal ist es besser, zu gehen

Etwas zu beenden, das uns belastet, fällt nicht jeder, nicht jedem gleich leicht. Heute will ich für diejenigen unter Ihnen schreiben, die sich damit eher schwertun.
Aus der Fortbildung bei Gunter Schmidt* fällt mir immer wieder mal der Satz ein, den er gern wiederholte: „Es ist nicht einfach, aber machbar, nicht einfach, aber machbar!“ Ich mag diesen Satz sehr.
Es ist gut, all die möglichen Widrigkeiten zu bedenken und die eigenen Befürchtungen als wichtig anzuerkennen, es ist gut, sich nicht in die Tasche zu lügen bei dem Vorhaben, einer Situation ein Ende zu setzen. Es könnte tatsächlich sein, dass einiges gefragt sein wird: Durchhaltevermögen, Standfestigkeit, Selbstvertrauen, Unterstützung durch wohlgesonnene Mitmenschen. Ihnen fällt wahrscheinlich noch einiges dazu ein!
Auch ist es gut, dieses „nicht einfach“ nicht zu verwechseln mit „zu schwierig“!
Gut gewappnet und vorbereitet in Veränderungsprozesse einzutreten, die man selbst anstrebt und zielgerichtet verfolgen will, hilft bei der Umsetzung.

Der zweite Teil, „..aber machbar!“ benötigt noch etwas Unterfütterung. Was hilft uns, wenn wir merken, hier stecken wir fest, hier wollen wir raus, so wollen wir nicht weiter machen, das wollen wir nicht länger hinnehmen, nicht länger genötigt sein, mitzumachen? Was hilft uns?

Als ich unlängst in alten Ordnern blätterte, aus der Zeit meiner ersten Ausbildung, die zur Zulassung als heilkundliche Psychotherapeutin durch das Gesundheitsamt führte, fand ich ein sehr schönes Arbeitsblatt mit dem Titel „Self Care – Umgang mit Belastungen“. ** Hierbei geht es nicht speziell um die oben beschriebenen Veränderungsprozesse, es geht bei dieser Selbstfürsorge vor allem um Erhaltung der (seelischen) Gesundheit, um Burnout-Prävention. Dennoch: Es passt auch hier!

Ich möchte aus diesem Arbeitsblatt einige Sätze zitieren und ein wenig dazu erzählen, damit es etwas vorstellbarer wird, worum es geht.

  1. Fragen zur eigenen Belastungsgrenze

„Woran erkennen Sie die Grenzen Ihrer eigenen Belastbarkeit? Wie genau schaffen Sie das?“
Ich hole etwas aus: Hier denke ich zurück an die letzten Monate meiner Tätigkeit an einer Förderschule. Ich mochte meinen Beruf, es machte mir Freude zu erleben, wie Schülerinnen und Schüler Selbstvertrauen entwickelten, Erfolge erlebten, Fortschritte lernten wahrzunehmen und Schritt für Schritt begannen, die Schule zu schätzen, gern in den Unterricht kamen und auch lernten, im Miteinander friedlicher und fröhlicher zu werden. Ich durfte eine gute Zeit erleben, geprägt von vielen Freiräumen für eigenen Ideen, von Vertrauen durch die Schulleitung und auch von kollegialem Zusammenhalt. Zeit bleibt nicht stehen, Situationen ändern sich. In meinen Augen hat eine verfehlte Schulpolitik etwas in Gang gesetzt, das an gut funktionierenden Förderschulen zum Schlechten führte. Kollegialität, Führung, Leitlinien der Arbeit, alles änderte sich.
Dem Entscheid, zu gehen ging voraus, dass ich bei mir selbst Veränderungen wahrnahm, die ich nicht an mir mochte. Meine Antwort auf die obige Frage lautete damals: „Wenn ich innerlich nicht zur Ruhe komme, wenn ich nicht mehr abschalten kann, gereizt reagiere, nachts wach werde und an die belastende Situation denke – dann erkenne ich die Grenze meiner Belastbarkeit.“ Damals habe ich es nach einiger Zeit geschafft, anzuerkennen, dass es so nicht weiter gehen sollte, wenn ich meine Gesundheit nicht gefährden will. Ich habe es geschafft, indem ich die Reaktionen meines Körpers wahrgenommen, ernst genommen und wichtig genommen habe: Mein Köper schreit „Hilfe“ und ich höre ihm zu.

„Wie haben Sie es in der Vergangenheit geschafft, sich vor einer Überlastung zu schützen?“
Diese Frage stelle ich heute häufig meinen Klientinnen und Klienten. Es ist ja so, dass wir alle im Leben schon etwas gemeistert haben, für uns gesorgt haben und in unserem Sinne entschieden haben – ansonsten wären wir ja gar nicht da, wo wir sind. Nur leider, in einer Krise denken wir nicht immer daran, was wir an Stärken mit uns herumtragen, sie sind aus dem Blickfeld geraten, wir sind in der Gefahr, das Augenmerk einseitig auf unsere Schwächen zu richten.
Ein innerer Spaziergang durch unser Leben mag dann unsere realistische Sicht auf unsere Stärken wieder freigeben. Als Baby haben wir gebrüllt, wenn uns zu warm, zu kalt, zu nass im Schritt war. Als Kleinkind haben wir gelernt, dass uns irgendwann die Reize der Umwelt mal zu viel werden können, dass wir uns mal auf uns besinnen, vielleicht mit dem Daumen im Mund, still in der Ecke sitzen möchten, mit dem Kuscheltier zur Ruhe kommen, bis wir wieder in Kontakt sein wollen, die Welt erleben. Im Kindergarten hatten wir hoffentlich betreuende Personen, zu denen wir laufen konnten, wenn Klaus oder Erna und mit Sand beschmissen haben und unser „Hör auf!“ nix genützt hat. Als Schulkind hatten wir hoffentlich Eltern oder andere erziehende Personen, die verständnisvoll und tröstend auf all die kleinen und größeren Kränkungen eingegangen sind, uns vielleicht eine neue Sicht auf das Erlebte ermöglicht haben – all das hat uns geschult.

Wenn uns die Unterstützung manches Mal gefehlt haben sollte – dann haben wir in der ein oder anderen Weise gelernt, uns selbst zu helfen. Nicht immer sind die Versuche, sich selbst zu helfen, auf lange Sicht sinnvoll. Manchmal schädigen sie uns – das gilt für alle von uns, die ihren Kummer oder ihre Angst mit Substanzen bekämpfen wollen. Hier gilt es zu erkennen, dass diese uns weiter schwächen. Was haben wir getan, um uns selbst zu helfen, bevor wir Nikotin, Alkohol, Drogen entdeckt haben? Manchmal kann der passende Weg sein, Unterstützung, die gefehlt hat, im Jetzt zu suchen und etwas nachzuholen. Manchmal ist die passende Person eine Therapeutin oder ein Therapeut. Dort kann die Antwort dann gemeinsam gefunden werden: Da ich am Leben bin, habe ich mich auch schützen können! Vielleicht frage ich mal eine Person aus meinem Umfeld, die mir bei der Antwort vielleicht helfen kann!

  • Fragen zur Abgrenzung

„Wer aus Ihrer Familie hat Sie dazu ermutigt, für sich selbst zu sorgen und sich gegebenenfalls klar abgrenzen zu dürfen? Welchen Rat würde Ihnen diese Person heute geben? (Es kann auch ein befreundeter Mensch, eine Lehrkraft, eine kurze Bekanntschaft sein.)
Manchesmal ist es uns nicht so schnell deutlich, wo wir im Leben Unterstützung hatten. Wir denken eher über Stolperfallen nach, Beinesteller… Das hat in der Entwicklung der Menschheit seinen Sinn gehabt, so schreiben einige Wissenschaftler. Es sei überlebenswichtig gewesen, sich der Gefahren stets bewusst zu sein und das daraus Gelernte stets parat zu haben. Ich weiß es nicht, ob das so stimmt. Ich weiß aber, dass es für uns heutzutage überlebenswichtig sein könnte, all das, was uns stützt, wahrzunehmen und wertzuschätzen. Ich lade Sie daher herzlich ein, sich jetzt einen Moment dafür Zeit zu geben: Wer hat mich ermutigt, zu mir zu stehen, mich selbst wichtig zu nehmen, auch einmal „Nein!“ zu sagen oder „Stopp!“?
Gefunden? Und was glauben Sie, wäre der Rat dieser Person, der Zuspruch, den Sie heute erhalten würden?
Mir ist meine Mutter eingefallen. Sie hatte es schwer, wir hatten es miteinander schwer. Es war auch vieles an Belastung gerade durch sie. Aber sie stand dafür, eine eigene Haltung zu bewahren und auszudrücken, das sehe ich heute! Sie hat es vorgelebt, sie hat auch einstecken müssen dafür. Sie würde mir sagen: „Das musst du nicht! Wer sollte Dich zwingen?“ Das denke ich heute mit dem inneren Bild, das ich für meine Mutter gefunden habe, und auf dieses kommt es an.
So kann es sogar sein, dass wir Stärkendes von Menschen erfahren, die keineswegs stets unserer Meinung sind, die uns auch einmal quer kommen, die aber für den Wert stehen, dass wir alle unser eigenes Leben leben und unsere eigenen Ziele verfolgen dürfen!

Und zum Schluss: „Wenn Sie Ihr eigener Selbstfürsorge-Berater wären, welchen Rat würden Sie sich geben?“
Methode eins: Geben Sie Ihrer inneren Stimme, die Ihnen sagt, dass Veränderung vonnöten wäre, eine Gestalt! Geben Sie ihr einen Körper, Gesichtszüge, Bewegungsmuster, Klangfarbe, vielleicht sogar einen Duft. Verleihen Sie ihr einen Namen. Ich erzähle Ihnen nicht, wie meine aussieht, Sie finden die Ihre, bestimmt! Klientinnen und Klienten sagen oft: „Ich kann das nicht, schon gar nicht kann ich dazu etwas aufmalen!“ Und wenn sie es dann doch tun, kommen sehr sprechende Figuren dabei heraus, Strichfrauchen oder -männchen mit unverkennbarem Charakter! Und wenn Sie Ihren inneren Berater gefunden haben: Lassen Sie sie / ihn sprechen und hören Sie zu!
Methode zwei: Zwei Stühle, einer leer, auf einem sitzen Sie. Schildern Sie dem anderen Stuhl Ihren Konflikt! Wechseln Sie den Platz, Sie sitzen nun auf dem Berater-Stuhl! Schauen Sie sich an: Wie sieht es aus auf dem anderen Stuhl, auf dem Ihr ratsuchendes Ich sitzt, lauschen Sie den Worten nach… Und dann geben Sie vom Berater-Platz aus Ihren Senf dazu! Wechseln Sie so lange die Plätze, bis Sie auf Ihrem Stammplatz den Eindruck haben, die beratende Position verstanden zu haben!

Viele neue Erkenntnisse wünsche ich Ihnen!

Ulrike Roderwald

* Leiter des Milton Erickson Instituts Heidelberg

** Danke, Rainer Müller, Diplom-Psychologe in Hamburg! Deine Seminare waren die besten!

Spaziergang

Hatten Sie auch so schönes Wetter, gestern und heute? Im Norden schien auch heute wieder die Sonne, wenn es auch deutlich kälter war als gestern. Ohnehin ist die Bewertung, was schönes Wetter sei, nicht für jede / jeden gleich, es handelt sich, wie so häufig, um eine Geschmackssache.
Manche sagen auch, es gäbe kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Hm, aber genug davon, mir geht es ums Gehen.
Ein Spaziergang, den Sie, wenn irgend möglich, ohne festes Ziel, ohne allzu festes zeitliches Korsett, am besten allein machen – er kann so heilend und stärkend sein!
Wenn nicht immer alle optimalen Voraussetzungen gestaltet werden können – ein bisschen Gehen ist besser als gar nicht zu gehen.
Gehen zu zweit ist eher ein Kaffeeklatsch, sagte heute jemand zu mir, das fand ich treffend. Alles hat seine gute Berechtigung, wenn man es mag, aber zu zweit oder in der Gruppe ist anders als allein.
Ein Klient sagte, spazieren zu gehen sei nicht seins. Schade, es ist aus der Mode. Es hat auch viel damit zu tun, dass wir uns in unserer Gesellschaft zunehmend nicht mehr die Zeit geben, etwas ohne direkten praktischen Nutzen zu tun oder ohne in Ablenkung durch mediale Reize zu verfallen.
Ein Gang durch eine Gegend, die Sie nach Ihrem Geschmack auswählen: Es kann Ihre Wohnsiedlung sein, es kann ein bisher unbekannter Ortsteil sein, Wald, Wiesen, Park…
Mit Bahn oder Bus ins Nirgendwo oder einfach um die Ecke – es kommt auf das WIE an.

Schärfen Sie Ihre Sinne, schauen Sie sich an, was Sie zu sich zu rufen scheint, blicken sie in verborgene Ecken. Lauschen Sie dem, was von fern tönt, rattert, scheppert, pfeift, Melodien, Stimmen, ein Flugzeug … Was knistert hier rechts am Weg? Kehren Sie auch einmal um, hören Sie die Vogelrufe noch? Bleiben Sie auch einmal stehen – riecht diese Blüte? Wonach? Erinnerungen… Kommen Sie an einen Wasserlauf und vertrauen dem Wasser, mögen Sie vielleicht vorsichtig einen Tropfen kosten. Die Hand an der Baumrinde, an der Häuserwand spürt besonders gut, wenn Sie die Augen schließen.
Auch sich selbst spüren, wie wohltuend ist es vielleicht, interessant womöglich, neutral eventuell, auch unangenehm, wenn das Knie schmerzt. Ein geänderter Gang mag es bessern.
In meiner EMDR-Ausbildung bekam ich den Hinweis, dieses Gehen auf zwei Beinen habe auch eine Verstärkung von Gedanken durch bilaterale (wechselnd beidseitige) Stimulation als Möglichkeit immer dabei. Denken Sie an innere Welten, die Sie stärken, die Sie mögen, spüren Sie dabei Ihre Fußsohlen, wie sie abwechselnd den Boden berühren. Sollten Sie im Rollstuhl fahren, finden Sie heraus, was für Sie stimmig sein kann, vielleicht ein abwechselndes Drücken der Handgriffe. Wenn Sie ein einfaches Modell fahren, nehmen Sie den abwechselnden Radantrieb als gute Stimulanz stärkender Gedanken.
Und wenn es hier hakt? Dann einfach nur schauen, hören, riechen, wahrnehmen, was ist.

Zum Ende möchte ich Rilke zitieren, leider ohne Quelle – auch Rilke ist Geschmackssache, ich weiß:

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung

an der Wiesen aufgedecktes Grau.

Kleine Wasser ändern die Betonung.

Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.

Wege gehen weit ins Land und zeigens.

Unvermutet siehst du seines Steigens

Ausdruck in dem leeren Baum.

Für Hilfe bei der Quellenangabe danke ich vorab!

Ein Experiment! Holen Sie Ihren Spieltrieb heraus!

Heute melde ich mich kurz! Meine Zertifizierung für Traumatherapie (VDH/DGMT) habe ich heute erhalten, es war ein ertragreiches Seminar! Eine kleine Übung, die nichts mit EMDR zu tun hat, von der ich jedoch dort gehört habe, will ich Ihnen vorstellen. Sie können diese Übung im Geiste machen, Sie haben womöglich eine ausgezeichnete Vorstellungskraft – mehr Spaß und mehr Ertrag gewinnen sie, wenn Sie sie in Wirklichkeit durchführen.

Sie benötigen: Eine Schüssel, nicht zu klein, gut wäre eine Plastikwanne. Die füllen Sie mit Wasser von einer Ihnen genehmen Temperatur. Zuvor sammeln Sie Bälle im Haus zusammen. Nicht so goß, sie müssen in der Schüssel schwimmen können. Jede*r hat irgendwo Bälle… Notfalls einen Stressball, das Spielzeug vom Hund ;)… Wieviele?

Jetzt kommen wir zu Ihren Gedanken, Bewertungen, Gefühlen, Belastungen…. Wieviele sammeln Sie an, nur die aktuellen, wenn Sie ein wenig nachdenken? Wieviele Ihrer Ihnen nicht angenehmen Gedanken, Belastungen, Affekte lassen Sie derzeit nicht zu, nicht an die Oberfläche kommen oder versuchen es zumindest? Sie beginnen zu ahnen, worauf ich hinaus will? Nun, soviele Bälle benötigen Sie! Alles was nicht hochkommen soll, Zorn, Frust, Überdruss, Konflikte…. Alles parat?

Nun überlegen Sie, was Sie heute noch planen wollen, durchdenken, innerlich vorbereiten. Vielleicht wollen Sie sich auf ein Gespräch vorbereiten? Oder ein Backrezept zusammenkriegen, wie war das noch?

Ein bisschen wichtig darf das Vorhaben schon sein.

Nun, ist die Wanne gut mit Wasser gefüllt? Alle Bälle beisammen? Rein mit ihnen ins Wasser!

Ihre Aufgabe: Denken Sie über Ihr Vorhaben nach, aber halten Sie dabei alle Bälle unter Wasser! Ja, sie sollen so unter der Oberfläche bleiben wir Ihre weggedrängten Sorgen, Befürchtungen, Belastungen, Missstimmungen. Alles was nicht hochkommen soll, ist in dieser Schüssel! Alle Bälle unter der Oberfläche? Gut, weiter so!

Vergessen Sie nicht, Ihr gedankliches Vorhaben zu verfolgen und Ergebnisse anzustreben! Runter mit den Bällen! Puh, wie lange halten Sie durch? Wollen Sie mit sich eine kleine Challenge machen? Morgen noch etwas länger, ein schwierigeres Thema? Mehr Bälle?

Wenn Sie damit durch sind, gucken Sie mal, wie es Ihnen damit geht! Und schimpfen Sie nicht mit mir, Sie haben das aus freien Stücken getan!

Bis bald!

Ulrike Roderwald

Ohne zu lügen leben… einige Überlegungen

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche 2019 heißt „Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen“. Zwar bin ich aus Überzeugung nicht Teil einer christlichen Kirche, aber die jährlichen Fastenaktionen haben mir schon häufig gefallen. So auch dieses Mal. Ich denke, es lohnt sich, sich selbst beim Wahrhaftig- und beim Unwahrhaftig-Sein zu beobachten.

Die erste Frage, die ich mir stelle, ist die danach, wie weit ich mir selbst treu bin. Ich überlege, wie häufig ich etwas, das mir wichtig ist, etwas, das zu meinen Werten gehört, verrate. Ich überlege, wozu ich das tue und welche Folgen das hat.

Nehme ich eine Einladung an, obgleich ich die einladende Person in Bezug auf bestimmte Handlungen nicht schätze? Tue ich das, weil ich mir davon Vorteile erwarte? Ich wäre damit unehrlich zu mir, zu der einladenden Person und zu den anderen Gästen. Ist es der erhoffte Vorteil wirklich wert, zu lügen?

Ich erinnere mich, dass ich als Kind höflich die Hand geben sollte, knicksen und nett sein, zu Tantes Geburtstag mitgehen. Ich erinnere mich, es war egal, wie ich zur Tante stand. Es hatte keine Rolle zu spielen. Nun bin ich schon lange groß. Für keine Vorteile der Welt möchte ich Zeit, Geduld und Freundlichkeit geben, wo ich nicht ehrlich fühle, dass ich es will. Wo ich es noch tue, will ich es lassen.

Ich schaue, wo ich mich nicht belügen will – und welche Folgen das haben kann. Beispielsweise möchte ich nicht zurückweichen, wenn ich ein bestimmtes Handeln eines Gegenübers nicht akzeptieren will. Womöglich will ich deshalb, wenn keine Einigung erzielt werden kann, den Kontakt abbrechen. Womöglich will ich Konsequenzen in Aussicht stellen. Das kann beim Gegenüber zu Zorn, Ablehnung oder sogar zu Rachehandlungen führen. Ich schaue genau hin, ist mir die Ehrlichkeit in diesem Fall das Risiko wert?

Ein Mensch schlägt in der U-Bahn seinem Kind ins Gesicht. Eine Freundin schlägt ihr Kind, wenn es keine Ruhe gibt. Ein Kollege schlägt einen Jugendlichen, der ihn angreift – es hätte andere Möglichkeiten gegeben. Halte ich den Mund? Das will ich nicht mehr tun!

Manchmal belüge ich mich um des „lieben Friedens willen“. Ich tue oder sage etwas, ich unterlasse oder verschweige etwas, damit es keinen Streit gibt. Damit begehe ich einen kleinen Verrat. Und ich denke auch, dass solcherart Frieden ein fauler Frieden ist, dass dies nicht zum Guten führt.
Es kann auch sein, dass es sich einfach um Feigheit handelt, wenn ich gegen meine Bedürfnisse oder Werte handele. Ich fürchte die Folgen. Ich will genauer hinschauen: Was ist mein Motiv hinter meinem Verhalten?

Wenn ich jemanden wahrhaftig schützen will, der vielleicht sehr verletzlich ist, wenn das Aussprechen einer Wahrheit nur dem Recht-Haben-Wollen dient, wenn es Gefährdungen für Leib und Leben gibt – dann darf die Lüge sein. Bevor ich dies als Argument mir selbst gegenüber anführe – lieber zweimal nachdenken, ob ich gerade ehrlich zu mir bin!

Zum Schluss will ich noch eine Überlegung darüber anstellen, wie gut es sein kann, ehrlich zu sein. Es nimmt doch recht viel seelischen Druck, sich und anderen eine Lüge zu ersparen. Es kann so ein gutes Gefühl sein, einen Fehler einfach zuzugeben, eine unberechtigt erhaltene Belohnung abzuweisen, etwas versehentlich in den Besitz Gelangtes zurückzugeben! Es macht das Leben einfacher!

In diesem Sinne: Schauen Sie mal, wo Sie in dieser Woche etwas mehr Wahrhaftigkeit zulassen wollen!

Herzlich (!) Ulrike Roderwald

Einem Menschen Dankbarkeit zeigen

Heute möchte ich zu Ihnen etwas über Dankbarkeit schreiben. Beginnen werde ich mit einer Übung von Irvin D. Yalom, In die Sonne schauen. Wie man die Angst vor dem Tod überwindet. Darin schreibt er in Kapitel 5 – Todesangst durch Beziehung überwinden und den „Welleneffekt in Aktion“ über die Dankbarkeit folgendermaßen: „Viel zu häufig wird die Dankbarkeit dafür, dass ein Mensch einflussreiche Wellen in die Welt ausgestrahlt hat, nicht zu seinen Lebzeiten ausgedrückt, sondern findet nur in seinem Nachruf Erwähnung. Wie oft hat man sich bei Begräbnissen schon gewünscht (…), die Toten möchten anwesend sein, um die Nachrufe und Dankbarkeitsbezeugungen zu hören?“

Yalom hat bei einem Workshop von Martin Seligmann dazu eine Übung gefunden, die ich als sehr wertvoll einschätze, zunächst einmal für uns selbst und unser Bewusstsein über die guten Gründe für Dankbarkeit. Der letzte Teil der Übung erfordert schon etwas Mut, denn in unserer Gesellschaft ist es ein ungewöhnlicher Schritt, so zu handeln. Ich meine, es könnte einiges in unserer Zwischenmenschlichkeit zum Guten verändern, wenn wir dergleichen häufiger wagten!

Denken Sie an jemanden noch Lebenden, gegenüber dem Sie eine große Dankbarkeit verspüren, die Sie nie ausgedrückt haben. Verbringen Sie zehn Minuten damit, dieser Person einen Dankesbrief zu schreiben, und dann tun Sie sich mit jemandem […] zusammen [die / der dies auch so getan hat, Erg. von mir], und jeder von Ihnen liest seinem Brief dem anderen vor. Der letzte Schritt ist, dass Sie dieser Person irgendwann in der nahen Zukunft einen persönlichen Besuch abstatten und ihr diesen Brief laut vorlesen.“

Wenn Sie dies lesen und Sie sich Gedanken machen von der Art, etwa „So jemanden kenne ich gar nicht!“ – dann bitte ich Sie, sich etwas mehr Zeit zu geben bei der inneren Suche.

Wenn Sie denken, dass Sie sich das nicht trauen mögen zu tun, dann schauen Sie bitte gründlich nach, was Sie hindert, sich zu überwinden und was Ihnen helfen könnte, es doch zu tun!

Wenn Sie denken, dass Sie alle Dankbarkeit an andere Personen schon ausgedrückt haben, dann, ja dann bitte ich Sie, zu prüfen, ob Sie sich genügend bei sich selbst bedankt haben. Ich bin fast sicher, da finden Sie reichlich Stoff zum Briefeschreiben!

Gute Erfahrungen damit wünsche ich Ihnen!

Ulrike Roderwald

Experimente (5)

Gedanken über “Ärger” und wieder ein Experiment von Norbert Schermann

Heute möchte ich mit Ihnen über “Ärger” nachdenken, und zwar über den Ärger, den Sie sich selbst bereiten. Ja, doch, die meisten von Ihnen dürften das immer mal wieder tun. Auch ich entscheide mich von Zeit zu Zeit, mich zu ärgern, obwohl ich weiß, wie sinnlos das ist. Der Ausdruck ist ja schon bezeichnend: Ich ärgere mich
Es ist nicht das Wetter, nicht das Computerprogramm, nicht der Nachbar, die Sie ärgern – Sie können das ganz alleine. Das Wetter ist einfach das Wetter, das Computerprogramm wurde zum Zeitpunkt der vorläufigen Fertigstellung – es wird ja normalerweise ständig überarbeitet – freigegeben, ohne dass ein Unterprogramm, Ärger zu erzeugen eingeschmuggelt wurde, der Nachbar hat seine persönlichen Beweggründe für sein Handeln. Ich will nicht ausschließen, dass manchmal einer unterwegs ist, anderen Ärger zu bereiten. Ob er damit Erfolg hat, liegt ausschließlich am Adressaten – also möglicherweise bei Ihnen.
In Diskussionen darüber reagiert manchmal jemand ärgerlich. “Aber es ist doch mein Nachbar, der mich geärgert hat! Warum schneidet er diesen einen Ast nicht ab, obwohl ich Ihn schon so oft gebeten habe?” Ist es wirklich so? Er ärgert Sie? Hat er diese Macht? Denken Sie kurz nach – er hat sie doch glücklicherweise nicht! Sie allein entscheiden, ob Sie sich ärgern wollen oder eben nicht!
Damit rede ich selbstverständlich nicht davon, dass Sie nun beginnen sollten, sich alles schön zu reden. Nichts von dem, das nicht Ihren Vorstellungen und Werten, Ihren Zielen und Ihrem Geschmack entspricht, müssten Sie gut finden, um sich nicht zu ärgern. Sie finden es nicht in Ordnung, was jemand tut? In vielfältiger Weise können Sie reagieren, ohne sich dazu ärgern zu müssen. Klare Grenzen setzen, Konsequenzen in Aussicht stellen, den Ast selbst absägen – alles ist machbar ohne dieses überflüssige Gefühl, mit dem Sie sich selbst schädigen. Ärger vermiest Ihnen die Laune, Dauer-Ärgerlichkeit raubt Ihnen die Gesundheit. Wenn Sie einfach nur nicht zufrieden sind, mit dem, was passiert, haben Sie den besseren Startpunkt zum Finden einer Lösung!
Es gibt mehr als eine Möglichkeit, darin besser zu werden! Es hilft in jedem Fall, sich von der Idee zu verabschieden, alles und jeder müsse sich nach unseren Wünschen und Vorstellungen verhalten. Gar nicht so einfach, aber machbar!
Ich möchte Ihnen nun das Organisationsethische Experiment #63 von Norbert Schermann vorstellen, das Herstellen einer Perspektivwechselmaschine! Es beginnt damit, dass Sie sich zwei verschieden farbige Blätter Papier nehmen und dann jeweils den Mittelkreis ausschneiden.
(Anmerkung von mir: Für die wenig Bastelgewohnten: Wenn Sie einen Zirkel besitzen, schlagen Sie damit den Kreis, sonst nehmen Sie für den Umriss etwas aus dem Haushalt, das passt. Falten Sie dann das Blatt in der Mitte und schneiden den Halbkreis aus, so ist es einfacher. Wozu dieser Aufwand, habe ich erst gedacht, aber nach einiger Überlegung: Damit stimme ich mich ein, ich nehme mein Tun ernst und gebe ihm Zeit.)
~ Legen sie die beiden Kreise mit einigem Abstand zueinander auf den Boden.
~ Überlegen Sie eine Situation, in der Sie mit jemandem nicht einer Meinung sind.
Formulieren Sie dazu eine Frage, der Sie nachgehen möchten.
~ Stellen Sie sich nun auf einen der Kreise und machen Sie sich Ihre Meinung bewusst.
~ Wechseln Sie auf den anderen Kreis und nehmen Sie die Beweggründe, die Perspektive,
die Argumente und sonstigen Gedanken der anderen Person wahr.
~ Schauen Sie von da aus auf Ihren eigenen Platz und nehmen Sie wahr, wo die
Unterschiede sichtbar und spürbar werden.
~ Wiederholen sie diesen Ablauf mehrmals und beobachten Sie, wie sich Ihre Perspektive
zur Ausgangsfrage verändert.

Viele gute Erkenntnisse wünsche ich Ihnen!
Bei Norbert Schermann bedanke ich mich für seine Anregungen in seinem Buch!

Ulrike Roderwald



Experimente (4)

Gar nicht selten kommt in meinen Therapiestunden zur Sprache, wie belastend das Lernen in der Schule von der Klientin oder dem Klienten erlebt wurde. Bis in eine erfolgreiche Lebensgeschichte hinein wirkt manchmal nach, was damals als ständige Niederlage erlebt wurde.
Im Gespräch stellen wir fest, dass das Selbstbild scheinbar festklebt an den alten Erfahrungen. Sie sind offenbar nicht vergangen, jedenfalls nicht für die oder den Leidenden heute.
Da passt für mich wieder ein kleines Zwischenspiel aus Norbert Schermann: Organisationsethische Experimente, 125 Anregungen für Führung, Ausbildung und Beratung, Books on Demand Norbert Schermann 2018.
Dieses Mal wähle ich das Organisationsethische Experiment #58.
Auch für diejenigen unter Ihnen, die in der Schule Einsen eingeheimst haben, die vom Lehrer oder der Lehrerin Lob geerntet haben: Prüfen Sie genau, was das für Sie damals bedeutet hat und heute womöglich noch immer bedeutet, womöglich nicht immer zum Guten für Sie!
Schermann schlägt vor, sich 10 Minuten Zeit zu geben und zu überlegen, wie sich im Lauf des Lebens die Art, etwas zu lernen, verändert hat. Sie sollten eine Zeitlinie aufzeichnen mit bestimmten Markierungen für das Einschulungsalter, 13 Jahre, 18 Jahre, 29 Jahre und den heutigen Tag. Ich möchte hinzufügen: Alle lerngeschichtlich wichtigen Ereignisse, zum Beispiel ein Schulwechsel, einen Klassenwechsel und alles, was Ihnen bedeutsam erscheint, tragen Sie ein! Es wird vielleicht mehr Zeit nötig sein als 10 Minuten.
Dann nähern sie sich jedem Lebensalter einzeln an mit folgenden Fragen:

Mit welchen konkreten Erinnerungen und mit welchen Gefühlen ist Ihr Lernen mit dem jeweiligen Zeitpunkt verbunden?

Welchen Bewegungsimpuls spüren Sie, wenn Sie an diese bestimmte Zeit denken? Bewegt es Sie in Richtung Lernen oder zieht es Sie woanders hin oder lassen Sie sich hiervon gar nicht bewegen?

Halten Sie das Wichtigste hiervon schriftlich fest und prüfen Sie, womit Sie sich beim Lernen heute verbinden und schauen Sie genau auf die Unterschiede zu den früheren Zeitpunkten.

Experimente (3)

Auch in dieser Woche wieder ein kleines Zwischenspiel aus Norbert Schermann: Organisationsethische Experimente, 125 Anregungen für Führung, Ausbildung und Beratung, Books on Demand Norbert Schermann 2018.

Ich denke, dass sich dieses Experiment für alle herausfordernden Situationen als nützlich erweisen kann, nicht nur im beruflichen Umfeld:

„Organisationsethisches Experiment #54
Mach folgende Übung vor Deiner nächsten beruflich herausfordernden Situation, auf die Du Dich zwar gut vorbereitest oder vorbereitet hast, von der Du jedoch weißt, dass Du einen guten Stand und Deine Ausgeglichenheit benötigst:

~ Setze Dich auf einen Stuhl und zwar so, dass Du die Lehne gut in Deinem Rücken spürst, während Du versuchst, möglichst aufrecht zu sitzen. Beobachte dabei Deinen Atem, wie er kommt und geht und genieße ihn.
~ Spüre Deine beiden Fußsohlen auf dem Boden und lass in Deiner Vorstellung die Socken oder Strümpfe und die Schuhsohlen verschwinden, sodass Du direkt mit dem Boden verbunden bist. Atme in dieser Position ein und aus in einem Tempo, das Dir genau entspricht und genieße es.
~ Mach dabei die Augen zu oder lasse sie offen, ganz so, wie Du es im Moment magst. Spüre, wie sich langsam ein Gefühl des Wohlseins in Deinem Körper ausbreitet und atme in dieser Aufmerksamkeit weiter.
~ Denke jetzt an eine Person, die Dir nahe steht oder die Dir einmal nahe stand oder der Du nahe stehst und widme ihr die Leistung, die Du in dieser kommenden herausfordernden Situation erbringen wirst. Lass diese Person sich in Deiner Vorstellung bei Dir dafür bedanken, zum Beispiel, dass sie sich freut, dass Du gerade dabei an sie denkst. Du kannst sie, wenn Du willst, in Deiner Vorstellung fragen, was sie Dir für diese kommende herausfordernde Situation wünscht.
~ Höre ihre Antwort aufmerksam und bedanke Dich bei ihr dafür, ganz egal, ob Du sofort verstehst, was sie damit gemeint hat. Gehe davon aus, dass sie Dir etwas überreicht hat, das für Dich ein wichtiger Beitrag für einen guten Stand und für Deine Ausgeglichenheit in der kommenden Situation sein kann.
~ Beobachte noch eine Zeit lang Deinen Atem und Dein wohliges Körpergefühl und wenn du soweit bist, dann komm mit Deiner Aufmerksamkeit wieder in die gegenwärtige Situation zurück, strecke Deine Gliedmaßen ein wenig und stehe gestärkt auf.

Du kannst diese Übung natürlich auch dann machen, wenn Du keine herausfordernde Situation vor Dir hast, einfach, um deine Aufmerksamkeit für jene Menschen, die Dir besonders wichtig sind, zu schärfen.“

Ich lege Ihnen diese Übung ganz besonders ans Herz, wenn Sie sich häufiger als blockiert erleben, wenn Sie sich wünschen, freier aus sich heraus zu reagieren, oder wenn Sie denken, dass Sie bisher noch nicht zu Ihrer Zufriedenheit zeigen konnten, was Ihr ganz eigener Beitrag zur Welt ist!

Bis nächste Woche!

Experimente (2)

Heute wieder ein kleines Zwischenspiel aus Norbert Schermann: Organisationsethische Experimente, 125 Anregungen für Führung, Ausbildung und Beratung, Books on Demand Norbert Schermann 2018.

Organisationsethisches Experiment #48

„Wenn Du das nächste Mal vor einer kommunikativen Situation stehst, von der Du annimmst, dass sie für Dich schwierig werden könnte, stelle Dir vorher folgende Frage:

~ Wer oder was könnte mich in dieser Situation gut unterstützen, wenn er, sie oder es anwesend wäre?

Liste alles auf, was Dir dabei hilfreich sein könnte.

~ Nimm jetzt eine Priorisierung jener zwei, drei Hilfsmittel – oder besser: Ressourcen – vor, von denen Du Dir die größten Effekte erwartest.

~ Dann stell Dir vor, dass diese Ressourcen in der Situation, auf die Du Dich gerade vorbereitest, anwesend sind und spiele die Situation gedanklich durch, wie sie Dich unterstützen können. Verwende dabei jene Deiner Sinne, die Dir besonders zugänglich sind (sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen, bewegen …).

Mach das so oft, bis Du eine deutliche Entlastung spüren kannst und Deine Zuversicht dafür, dass Du die kommende Situation sicher bewältigen wirst, groß genug ist.

Wenn das eingetreten ist, dann packe die drei Ressourcen in Deiner Vorstellung so ein, dass Du sie in diese schwierige Situation mitnehmen und Dich von ihnen unterstützen lassen kannst. Du kannst eine Person, der Du vertraust, bitten das Experiment gemeinsam mit Dir zu machen. <

Ich denke, dass es für einige von Ihnen schwierig ist, sich darauf einzulassen, die Vorstellungsübung wirklich bis zur deutlich gespürten Entlastung durchzuführen.
Ich weiß, dass einige Menschen wenig Vertrauen darein haben, dass durch solche Übungen wirklich eine Unterstützung erreichbar ist. Und gerade Sie, wenn Sie dazu gehören sollten, gerade Sie werden am meisten profitieren, wenn Sie durchhalten und das Experiment so spielerisch und unverbissen wie möglich bis zur gespürten Wirkung durchführen!

Viel Erfolg!

Übrigens: Die Aufforderung zu priorisieren bedeutet, Sie sollen Ihre Ressourcen in eine Rangfolge bringen, gewichten und dann die besten auswählen.