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Vor der Blog-Pause eine kleine Trance

Mein Blog macht eine Sommerpause. Heute kommt noch eine kleine Anleitung, selbst in Trance zu gehen und sich für den Tag zu stärken, dann ist Pause bis Anfang August.
Auch mein wöchentlicher Telefontermin macht eine Pause, ab dem 03.08. geht es dann wie gewohnt montags von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr weiter.
Die Praxis ist jedoch nicht geschlossen!
Termine können Sie gern per Mail anfragen, bitte ohne persönliche Informationen preiszugeben, das besprechen wir lieber direkt!
Gern können Sie aber dazu schreiben, welche Zeiten für Sie passen würden, wenn wir zusammenkommen sollten.

Nun die kleine Übung: (Wie immer sicher sitzend, bequem und keinesfalls im Auto!)

  1. Einstimmung
    Einatmend und mit geöffneten Augen die Augäpfel nach oben in Richtung des Mittelscheitels rollen lassen, langsam zählend 1 – 2 – 3.
    Atem kurz zum Stillstand kommen lassen. Augen schließen.
    Ausatmend mit geschlossenen Augen die Augäpfel wieder in die gewohnte Position rollen lassen. Den Mund dabei leicht öffnen.
    Augen öffnen.

Dies einige Male wiederholen, bis es vertraut ist.

  1. Körper spüren
    Augen schließen, Atem spüren.
    Bei der Wanderung durch den Körper einen guten Ort finden, der sich gerade konfliktfrei anfühlt – möglichst angenehm oder neutral, mindestens aber weniger belastet als andere Orte.
    Wenn Du ihn gefunden hast, intensiviere diese Erfahrung für Dich.
    Gib diesem Ort eine Farbe, die Du magst, vielleicht erscheint sie vor Deinem Auge wie von selbst.
    Sende bewusst Deinen Atem dorthin und lausche nach einem Klang – er kommt und er kommt nicht, sei neugierig!
    Sende bewusst Deinen Atem dorthin und spüre der Temperatur dieses Ortes nach.
    Wenn es gut ist, intensiviere Dein Erleben. Sonst ändere, was Du ändern möchtest.
    Lass diese Eindrücke sich in Deinem Körper ausbreiten. Du kannst staunen, wie gut Dir das gelingt!
    Wenn Dir innere Bilder erscheinen, schau, wie sie Dir gefallen.
    Sind sie gut, verweile.
    Sind sie nicht so angenehm, geh weiter in Deinen inneren Vorstellungen.
    Ist es nur ein Farbrauschen, ein Nebel? Auch gut, wenn es Dir gefällt. Sonst geh weiter.
  2. Innere Stärke
    Mit allem, was Du Wohltuendes entdecken konntest, mit dem Körperempfinden, vielleicht mit Tönen oder Bildern, lenke Dich auf eine Ort,
    den ich heute Deine innere Stärke nenne.
    Vielleicht hast Du andere Worte dafür, vielleicht übernimmst Du für heute, wie ich es nenne.
    Sie kann in der Vorstellung Deines Körpers zu finden sein, sie kann in der Vorstellung eines angenehmen Ortes zu finden sein, sie kann in der Vorstellung Deines Geistes zu finden sein oder in dem Fühlen Deines Selbst tief in Deinem Inneren.
    Gib Dir Zeit, diesen Ort zu finden. Deine Stärke kann heute groß sein oder klein, deutlich oder verschwommen,
    Du kannst sie spüren oder ahnen – sie ist da.
    Wenn Du es gefunden hast, was ich heute Deine innere Stärke nenne,
    verweile.
    Und staune. Und Du kannst neugierig sein, wie sie sich zu erkennen gibt.
    Und Du kannst ihr einen Namen geben, ein Symbol, einen Gedanken, der Dich erinnert,
    wenn Du wieder im Alltag bist. Vielleicht auch eine Handbewegung, sei neugierig, was sich Dir zeigen wird.
    Oder entscheide selbst ganz bewusst, was Du als Alltagsanker nehmen möchtest.
    Und es ist gut zu wissen, dass dieser Anker Dir alles Wohltuende ins bewusste Erleben geben wird, wenn Du es möchtest.
    Bei allem, wo Du es vielleicht brauchst.

Und mit diesem Wissen nimm einen tiefen Atemzug, öffne langsam die Augen und orientiere Dich an Deinem Ort hier und jetzt.

Eine gute Woche!

Nicht nur Friede Freude Eierkuchen…

Ein bisschen will ich mit dieser Überschrift Interesse wecken, zugegeben. Die wenigsten Klient*innen, die ich bisher in meiner Praxis kennengelernt habe, erwarten, dass es ihnen von nun an nach jeder Sitzung besser gehe und dass es in den Sitzungen hauptsächlich ums sich Wohlfühlen ginge.

Eher ist es so, dass einige Befürchtungen mit in die ersten Stunden genommen werden: Werde ich auch nicht missverstanden werden? Wird man mich auch ernst nehmen? Komme ich womöglich komplett ins Trudeln und verliere die Kontrolle, wenn ich an meine schwierigen Themen rühre? Ist die Therapeutin vertrauenswürdig? Komme ich im Verlauf des Prozesses noch mit meinem Lebenspartner oder Eltern klar oder wird es alles noch schwieriger?

Und vieles mehr. Solche Befürchtungen aufzunehmen ist Teil des therapeutischen Prozesses. Damit ist mehr gemeint als nur der Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Klient*in und Therapeut*in.

Es geht auch darum, das Vertrauen in die eigenen Kräfte beim hilfesuchenden Menschen zu wecken und zu entwickeln und auch ganz wesentlich darum, im therapeutischen Prozess eine Transparenz und Orientierung herbeizuführen, die es den Hilfesuchenden erleichtert, sich als wesentliche Akteure ihrer Therapie zu erleben.

Wenn das gelingt, geschieht oft Herausforderndes.

Im Verlauf der Therapie wird nicht selten entdeckt, dass eine Traurigkeit zwar lange schon im Leben dabei war, aber irgendwann einmal wurde sie mit allerlei Mechanismen unseres kreativen Gehirns so versteckt, dass sie nicht mehr gespürt, nicht mehr gesehen wurde.
Diese Entdeckung ist von Frieden, Freude, Eierkuchen weit entfernt. Die Tränen fließen und die Traurigkeit ist sehr präsent. Dennoch, all das ist häufig begleitet von der Empfindung, dass sich etwas löse und dass dies gut sei.

Schwieriger kann es werden, wenn etwas auftaucht, was als destruktiv erlebt wird. Was tun? Wichtig ist hier, wie auch an vielen anderen Stellen, an denen sich Klienten als irgendwie falsch erleben, innere Bilder und Sätze anzubieten, die bedeuten:

Du bist nicht diese Wut, diese Lust zu zerstören, zu verletzen, nicht dieser Drang zur Selbstverletzung.
Du bist nicht diese Angst, diese Panik, diese Erstarrung. Auch nicht diese Hoffnungslosigkeit.
Was immer es sei, es ist eine Seite von Dir. Du bist mehr als das.

Ein schlimmer Zahnschmerz will Dir auch erzählen, Dein Ich säße im Zahn. Und doch stimmt es nicht. Der Schmerz vergeht, wird behoben, und Du bist immer noch da. Lass Dir nichts erzählen, geh zum Zahnarzt! Deine Beine helfen dir dabei!

So wie der Schmerz Dich auf etwas hinweist, was dringend getan werden sollte, nämlich zuerst mal „Ruf die Praxis an, Mensch!“ so kann auch die erschreckende Erfahrung, dass es destruktive Seiten in Dir gibt, Dich auf einen Handlungsbedarf hinweisen. Du bist mehr als das. Du kannst etwas tun.

Der Wunsch, die Fäden der Handlung in der Hand zu behalten oder zurückzuerobern wird häufig von der Vorstellung begleitet, diese destruktive Seite müsse weg. So wie ein schlechter Zahn. Das funktioniert allerdings eher nicht. Die destruktive Seite sollte sinnvollerweise gefragt werden: Hey, warum machst Du das? Du Wutnickel, Du Angsthase in meinem inneren Ensemble? Du, die/der Du mich von meinen guten Vorsätzen abhalten willst, weil angeblich große Gefahr droht?

Und so beginnt es: Wir gehen in den Dialog mit unseren wenig geliebten Seiten. Wir stellen Fragen, wir wollen Antworten.

Wir können der Seite, die wir identifiziert haben im Chor unserer inneren Stimmen einen Namen geben. Wir können ihr eine Gestalt verleihen: Groß oder klein, dünn oder dick. Laut? Wahrscheinlich ja. Beweglich? Schwer zu fassen? Aufdringlich? Welche Stimme hat sie? Von woher redet sie? Hinter mir, von oben? Drohend aufgebaut vor mir? Beißt sie mich in die Wade?
Nein, ich verhohnepiepele Sie nicht, solche Bilder können auftauchen und sie könne dafür sorgen, dass innerer Abstand gewonnen wird. Wir sind mehr als unsere inneren Gestalten. Und: Wir haben sie einmal selbst entwickelt!

Diese Erkenntnis ist gut: So wie unsere Träume ganz und gar unser sind, sogar die Alpträume, so sind es die im Inneren Agierenden auch. Sie wurden in unserem kreativen Gehirn einmal entwickelt, weil sie zur Hilfe in der Not irgendwie gut zu sein schienen. Vielleicht waren wir da noch ganz klein oder sehr jung.

Es ist oft nicht einfach, dies zu akzeptieren und dann auch noch herauszufinden, was das denn für eine Hilfe gewesen sein könnte. Es lohnt sich, auf die Suche zu gehen: Hey Du, warum machst Du das? Oder auch: Warum hast Du das damals so gemacht, als es begann?

Wir können die destruktive Gestalt auf eine Bühne stellen und uns die Performance einmal ansehen. Will „Heinrich“ oder „Berta“ einen Monolog halten? Dann hören wir ihm oder ihr gut zu. Will „Clara“ mit den anderen Stimmen im Chor sprechen und sie auf ihre Seite ziehen? Schau‘n wir mal, wer macht da mit? Und dass es keine Missverständnisse gibt: Wir sind auch mehr als die Summe unserer Seiten. Wir sind die Instanz, die zuhört, zuschaut, Schlüsse zieht und Konsequenzen ableitet.

Mag die Existenz eines Selbst, eines inneren Kerns, das wozu wir „Ich“ sagen, von manchen geleugnet werden – die meisten von uns erleben sich so, identifizieren sich mit dieser Idee, und wer sich hingegen verloren hat, verliert oft auch den Halt.

Wenn wir nun also von unserem Theatersessel aus dem Treiben auf der Bühne zuschauen und zuhören, werden wir womöglich dahinter kommen: All die da auf der Bühne meinen es irgendwie gut. Sie wollen Anerkennung dafür. Fragen wir sie nach ihren positiven Absichten.

Tun wir so, als wäre diese destruktive Seite unser Klient, unsere Klientin: Was führt Sie hierher, wobei kann ich Ihnen helfen? Worunter leiden Sie? Was suchen Sie? Was sind Ihre Ziele? Gibt es  Gegenspieler?

Seien wir wohlwollend, aufmerksam, wertschätzend. Das heißt nicht, dass wir den Ideen von Heinrich oder Berta folgen müssten. Wir können jedoch würdigen, dass er oder sie uns vor Gefahren warnen will. Vielleicht hat er noch nicht verstanden, dass wir jetzt erwachsener sind, handlungsfähiger. Vielleich muss Berta jemand sagen, dass wir viele andere hilfreiche Seiten in uns haben und weder Panik noch Wut brauchen, um uns zu schützen. Nehmen wir Clara bei der Hand: Ruh Dich aus. Ich hab Dich gehört. Danke für Deine Stimme. Du meinst es gut.

Zeigen wir Verständnis. Bleiben wir dran. Gehen wir in Verhandlungen. Stellen wir die Mitspieler einander vor!

Wichtige Botschaft auch an die schwierigen Seiten: Du darfst sein! Darf ich Dir nun von den anderen Seiten erzählen, die Du noch nicht kennst, sie kamen ja erst später ins Ensemble?

So beginnt es. Und am Ende kann Versöhnung stehen, mit allem, was uns ausmacht.

Eine gute Woche!

Freund oder Feind?

Wenn wir auf der Straße einer Person begegnen, die wir lange nicht gesehen haben, kann es gut sein, dass wir sie nicht erkennen und dennoch auf sie reagieren: mit Freude oder mit Angst, mit Zuneigung oder mit Ablehnung. Wahrscheinlich geschieht dies eher in milderer Form, aber doch spürbar. Wir empfinden etwas, ohne den Ursprung dafür in diesem Moment zu wissen. In unserem Gedächtnis-Netzwerk wurden Verknüpfungen ausgelöst, ohne dass wir einen bewussten Zugang dazu haben.

Es kann leicht geschehen, dass wir unsere veränderte Gestimmtheit dann den aktuellen Erlebnissen gutschreiben oder anlasten – je nachdem, was wir empfinden.
Das ist weder gut noch schlecht, wir sollten uns darüber lediglich im Klaren sein, damit wir im Hier und Jetzt genügend Abstand und die Bereitschaft zu einem inneren Stopp haben.

Vielleicht ist unser neuer Kollege gar nicht daran beteiligt, dass wir gerade so missgestimmt sind. Wir schauen gerade durch eine getönte Brille, die wir wegen unbewusster Vorgänge aufgesetzt haben, als unser Gedächtnis-Netzwerk auf den Typen im Bus reagiert hat – den von früher, den wir bewusst kaum wahrgenommen haben. Geben wir dem neuen Kollegen die Chance, sich uns zu zeigen, wenn wir aus dem Rad der Missstimmung wieder ausgestiegen sind und die Brille abgesetzt haben!

Oder anders: Unsere rosarote Brille sorgt nach einer nicht bewussten, an Angenehmes anknüpfenden Begegnung für Unbeschwertheit und Risikofreude, und wir trällern ein Lied und unterschreiben in der Fußgängerzone für ein Zeitungsabo, das uns die Straßenverkäuferin so freundlich anbot. Hinterher fragen wir uns vielleicht, wieso wir das gemacht haben. Ein Duft, der an uns vorüber zog, kann damit zusammenhängen. Auch dieser hatte unser Netzwerk aktiviert. Gut, dass wir solche Aufträge stornieren können!

Sanfte, gleichsam atmosphärische Empfindungen helfen uns oft, uns zu orientieren und in sozialen Zusammenhängen wohl, sicher und zugehörig zu empfinden. Treffen wir eine zugewandte, freundliche Person, mit der wir gute Erfahrungen gemacht haben, reagieren wir darauf mit dem ganzen Körper. Dies wird wiederum unserer Umgebung etwas über unseren gegenwärtigen Zustand mitteilen und so erneut zu zufriedenstellenden Kontakten beitragen.

Treffen wir hingegen auf Menschen, die uns in der Vergangenheit übel mitgespielt haben, reagieren wir ebenso mit dem ganzen Körper. Wir sind besonders aufmerksam und gleichen ab, ob es hier sinnvoll sein könnte, in eine Angriffs- oder Abwehrbereitschaft zu gehen. Auch dies teilt sich unserer Umgebung mit. Im günstigen Fall finden sich Menschen bereit, mit uns zusammen aufmerksam zu sein und gegebenenfalls zu unserer Sicherheit beizutragen. Vielleicht sind wir selbst als Teil einer solchen Umgebung schon einmal tätig geworden und haben eine völlig fremde Person gefragt, ob sie Hilfe benötigt – nur aufgrund ihrer Körpersprache.

Immer wieder treffen wir auf einen Menschen, mit dem wir noch gar keine Erfahrung gemacht haben, der in uns jedoch etwas auszulösen scheint, wozu wir dann sofort eine Begründung suchen. Etwas in uns löst Alarm aus.
Wieso reagieren wir misstrauisch? Möglicherweise haben wir tatsächlich einen Hinweis erhalten: Vorsicht! Es kann aber auch sein, dass es nur die Färbung der fremden Stimme war, die das Gedächtnis-Netzwerk in Gang gebracht hat. Und wir da wir dies nicht bewusst beurteilen können, neigen wir dazu, unsere Bewertung für bare Münze zu nehmen und wenden sie auf die unbekannte Person an. Auch hier ist es gut, um diese Zusammenhänge wissend, ein innerliches Stopp zu setzen und zu prüfen: Wie komme ich darauf? Ergebnis offen!

Unsere körperlichen Reaktionen bewusst wahrzunehmen ist ein wichtiges und sinnvolles Tun! Der nächste Schritt ist ebenso wichtig und sinnvoll, nämlich Abstand zu vorschnellen Kognitionen herzustellen und eine Weile Wachsamkeit walten zu lassen – nach innen und nach außen. So lange, bis wir geprüft haben, womit wir es zu tun haben. Damit erreichen wir eine Erweiterung unserer Freiheitsgrade und wir können besser wählen, wie wir uns verhalten wollen.

Folgendes kennen wir doch, so oder ähnlich: Was raschelt laut im am Wegesrand im Unterholz? Wir erschrecken, nur um danach zu erkennen, dass es sich wieder einmal um eine emsige Amsel handelt, die da arbeitet. Wir „kommen wieder runter“, behalten aber noch für eine Weile eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Unsere Reaktion war sinnvoll, es hätte auch etwas weniger Harmloses sein können. Die Reaktion war für unseren Schutz angemessen, ebenso wie die anschließende Überprüfung. Denn diese dient dazu, dass wir nicht in der hohen Erregung verharren, für die es letztlich doch keinen Grund gab.

Haben wir hingegen keine Antennen ausgefahren, mit denen wir mögliche Gefahren erkennen können, sind wir allzu sorglos unterwegs, kann uns das ganz schön in Schwierigkeiten bringen! Wenn wir übersehen, dass uns ein Mensch mit Aggression begegnet und wenn wir uns nicht gestatten wollen, auf „HAB-ACHT“ umzuschalten, bringen wir uns vor möglichen Gefahren nicht in Sicherheit. Wir wissen darum: Manch ein Mensch ist allzu vertrauensselig, will alle Welt für gut halten – aus unterschiedlichen Gründen, leider oft mit üblen Folgen.
Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als unsere Körperreaktionen ernst zu nehmen, wenn wir unserem Sicherheitsbedürfnis entsprechend in der Welt orientiert sein wollen.

Schwierig? Wie das alles unter einen Hut bringen? Vorschlag:

  1. Eine innere Haltung entwickeln, die  sowohl für unsere Umwelt als auch für unsere eigene physische Reaktion eine neugierige und wache Aufmerksamkeit zulässt.
  2. Üben eines konzentrierten Innehaltens, mit Interesse und der Bereitschaft, Neues zur Kenntnis zu nehmen.
  3. Bewertungsprozesse vorzunehmen und Einschätzungen zu prüfen.
  4. Sich für Annäherung oder Vermeidung aufgrund von geprüftem Behagen oder Unbehagen zu entscheiden.

Richtig oder Falsch kann es da nicht geben. Wir nehmen die Welt und uns selbst mit unserem Organismus wahr, wie er sich in unserem Leben eben entwickelt hat. Wir bewerten unsere Erlebnisse mit unseren Fähigkeiten, so wie sie eben sind. Das dürfen wir. Bewusstheit hilft, neu zu denken und häufiger als bisher unseren Zielen entsprechend zu reagieren.

Eine gute Woche!

Vom Nachgeben und vom Aufräumen

Manche leiden darunter, dass sie sich zu wenig für sich selbst einsetzen. Sie geben zu rasch nach. Sie erfüllen die Wünsche anderer, ohne sich die Zeit zum Abgleich zu geben, ob diese Wunscherfüllung in Konflikt mit den eigenen Wünschen, Zielen oder sogar Werten steht. Damit kann man sich in Teufels Küche bringen, sich als Spielball der Umwelt erleben, den Eindruck gewinnen, sich zunehmend zu verlieren. Wer so das Leben gestaltet, sagt zum Beispiel: Ich mache mich zu wenig gerade.

Da kann es manchmal helfen, genau das über längere Zeit zu praktizieren: Sich gerade machen. Den Leib aufzurichten, hebt den Blick. Da ist es manchmal überraschend, was es da zu sehen gibt! Zum Beispiel sieht A, dass B im Grunde recht gut einmal selbst anpacken könnte und nicht auf As Hilfe angewiesen ist. Dass A schon zu oft den eigenen Krimskrams nicht erledigt hat, weil B so interessante Methoden hat, seinen Krimskrams als dringlicher als den anderer darzustellen. Wohlan B, dann mach hinne, du kannst es! Mach es selbst! So könnte A sagen, wenn A freudig und mutig sich erst körperlich und dann auch geistig im Sich-Gerade-Machen übte. Dieses Angebot könnte A doch annehmen, oder?

Wenn das allein nicht so recht klappen will, sind Sätze manchmal hilfreich: B möchte, dass ich seinen Karren aus seinem Dreck ziehe. Hm, das habe ich nach meinem Geschmack schon zu häufig getan. Ich muss es nicht tun. Ich möchte lieber nicht. Keine Ausrede nötig! Diesmal möchte ich lieber nicht. Mach selber, B!

Zu schwierig? Dann könnte der Weg über die Frage gehen: Sag mal A, wozu machst du das? Wozu gibst du immer wieder nach? Geh mal in dich und prüfe: Willst du gemocht werden? Das ist ja verständlich! Willst du in jedem Fall den Preis bezahlen? Nicht immer? Na dann – siehe oben!

Klingt zu einfach? Nein, einfach ist es nicht, aber machbar. Für sich selbst einzustehen, kann damit beginnen, genau hinzuschauen, wo und wozu genau habe ich heute wieder nachgegeben, obgleich ich mir den Tag, die Stunde, den Moment anders vorgestellt hatte.
Habe alles stehen und liegen gelassen und die Angelegenheiten von B wichtiger genommen als meine. Nicht gut, ist zu oft so. Und vor allem: Die Gründe liegen im Gemocht-Werden-Wollen. Weiter geht’s mit Fragen: Wozu? Wozu immer gemocht werden wollen? Ich muss das so nicht tun. Ich kann mal ausprobieren, ob mir der Himmel auf den Kopf fällt, wenn ich tue, was ich gerade lieber tun will – nämlich mich um mich selbst zu kümmern.

Na, da sind jetzt einige innere Bilder für eine selbstgestaltete kleine Trance-Arbeit aufgetaucht. Sich vorzustellen, da läge ein Karren im Dreck, und man ginge vorbei. Und der Himmel bliebe an seinem Platz. Und man ließe Teufels Küche links liegen und ginge seiner Wege. Und irgendein B wolle eine*n einfangen und zum Spielball machen und man streckte sich zu voller Größe und sagte einfach „Nein“. Und dann ginge man seiner Wege und entdeckte, dass es etwas weniger kuschelig wird, so ohne die Vorstellung: „Wenn ich lieb bin, werde ich gemocht.“ Und da fänden sich neue Erfahrungen: Ein frischer Wind umwehte die Nase, die Luft würde klarer, der Blick weiter und man sähe….
das, was jetzt auftauchte…. interessant!

Ich habe mich gefunden? Womöglich!

Wenn es passt, verweile, verweilen Sie hier ein wenig, vielleicht hörst Du, hören Sie hier auch auf zu lesen.

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So, und nun mal die andere Seite: D möchte nicht gestört werden. D möchte unter allen Umständen so den Tag, die Stunde, den Moment gestalten, wie D sich das vorgestellt hat.
D gibt da selten nach und kann außerordentlich grantig werden, wenn E darauf besteht, dass jetzt etwas anderes dran wäre. Kinder und sehr betagte Menschen können da eine ganz schöne Herausforderung sein!
Manchmal auch die Vertreter der Ordnungsmacht: Nein, Sie können jetzt hier nicht durchfahren, Sie müssen einen Umweg nehmen! D will die Gründe nicht hören, sie/er will hier jetzt ihren/seinen Plänen folgen, na, wenn das mal gut geht! Auch D zahlt Preise:
Der Gegenwind kann heftig sein! Am schlimmsten findet D, dass ein inneres Empfinden von Verhärtung entstanden ist. Nach außen scheint es immer nötiger, die Grenzen zu verteidigen. Die Welt scheint sich aufdrängen zu wollen mit ihren Erfordernissen und D bekommt Angst, nicht zu ihrem/seinem Recht zu kommen.

Hm, ein harter Brocken! Welche Körperhaltung könnte D helfen? Vielleicht wäre mehr Beweglichkeit gut, heimlich, es sieht ja keiner, alberne Hopser machen? Mal die Arme hochwerfen und schwingen lassen, beim Drehen um die eigene Achse?
Da gäbe es Überraschendes zu sehen: Die Welt da draußen bleibt draußen, sie dringt nicht in D ein. D kann Berührung ausprobieren und feststellen: Das Außen bleibt außen, D bleibt bei sich, auch wenn D probiert, etwas ganz anderes zu tun, als D ursprünglich geplant hatte.

D kann sich fragen, wovor sie/er sich fürchtet. Wie realistisch ist es, dass das Befürchtete eintritt? Wie logisch? Ist das immer so? Tut es mir gut, so starr an meinem Plan festzuhalten und damit meine Befürchtungen immer wieder neu zu füttern? Nein? Was wäre anders, wenn ich einmal nachgäbe – und nochmal, was wäre dafür der Preis?
Würde für D alles etwas unübersichtlicher, wenn D den Ansinnen von E oder F häufiger nachgäbe? Ja? Und wäre das schlimm? Könnte D das ausprobieren und schauen, ob D daran Gefallen fände? Was wäre der mögliche Gewinn? Mehr Weichheit in sich spüren? Mehr Verbundenheit? Dann mal wieder „Nein“ zu sagen, geht ja immer.

Die Luft könnte wärmer werden auf diesem Weg, die Sonne könnte häufiger die Wolkendecke durchbrechen, es könnte aber auch mal stürmisch werden. Ist das immer schlecht? Es ist das Leben!

D könnte sich eine kleine Trance basteln und dabei genießen, dass sie/er das ja selber tut. D folgt hier einfach neuen eigenen Plänen. D beginnt in ihrer/seiner Trance vielleicht damit, aufzuräumen:

D öffnete einige Schachteln, Dosen und Tüten und schaute, ob dies noch gebraucht wird, ob jenes das Verfallsdatum überschritten hat, ob etwas die Sicht versperrt, ob sich da neue Räume auftun, wenn dies und jenes weggeworfen wird, Platz geschaffen wird für Neues. Mal ausputzen. Nur weil es da schon seit Jahren herumliegt, muss es nicht bleiben.

Aber sieh da, D findet in der hintersten Ecke etwas, was D längst vergessen hatte: Da liegt Ds Freundlichkeit. Welche Farbe hat sie? Welche Form? Wie ist das Material? Will D sie mal anfassen? Die Temperatur erkunden? Macht sie Geräusche? Hat sie einen Duft? Was will D damit anfangen?
Der Anfang ist längst gemacht!

Eine gute Woche!

Einige Gedanken zu Konflikten

Einige Gedanken zu Konflikten

Konflikte sind nicht per se unangenehm. Sie werden unterschiedlich bewertet und erlebt. Man kann auch Spaß daran haben. Manche genießen auch den Nervenkitzel dabei. Endlich Leben in der Bude! Naja, das läuft von allein.
Sprechen wir hier und heute über als unangenehm erlebte Konflikte. Solche, wo Verletzlichkeit empfunden wird.
Da hilft es oft, die eigenen Denkstile zu kennen!

Nehmen wir an, eine Person C habe weniger Probleme damit, die Abstandsregeln einzuhalten, als bestimmte Menschen in ihrer Umgebung. Sie ist soweit zufrieden. C arbeitet im Home-Office, sie hat sich recht gut mit einem Wochenplan auf die neue Situation eingestellt. Sie achtet auf Pausen, hat mit der Chefetage geklärt, dass ein ungebremster Zugriff auf ihre Zeit in dieser Situation genauso wenig zielführend für gute Arbeitsergebnisse ist, wie es dies im Büro der Firma wäre. Dass es sich hingegen in der Vergangenheit für alle Beteiligten als hilfreich und ertragreich erwiesen hat, C in Ruhe ihre Arbeit machen zu lassen. Sie kann sich gut organisieren und verfolgt die Belange der Firma mit Engagement.

Die meisten privaten Beziehungen hat C einvernehmlich gestalten können: Kein persönliches Treffen, bis die Lage sich nachhaltig geändert hat, dafür aber durchaus häufiger und zum Teil sogar intensiver als zuvor. An einigen Punkten entwickelten sie zusammen eine stärkere Offenheit und Nähe. C erlebte, wie viele kreative Ideen von ihr zum Teil begeistert aufgenommen wurden. So schicken sich Freund*innen selbst gestaltete Postkarten. Eine Kollegin versendet immer mal wieder kleine Gedichte. Eine hat eine neue Seite in Social Media aufgemacht, wo nun geteilt wird, was gut tut in schwieriger Zeit. C hat entdeckt, dass sie mit ihren Ideen, einen komplexen Alltag  mit all seinen Beschränkungen zu gestalten, gut aufgenommen wird.

Eine hochkompetente Person also.

Dieses Kompetenzerleben bricht leider regelmäßig ein, wenn Cs Mutter ihre Bedürfnisse C gegenüber verfolgt.

Schon vor Covid-19 kam M in etwa so zu Besuch: Ich teile dir hiermit mit, dass ich am Freitag um 11.00 Uhr bei dir sein werde. Ich denke, es ist mal wieder an der Zeit, seine Mutter zu sehen, nicht wahr?

Das war schon immer für C ein Problem, mit dem sie weniger gut zurechtkam – nun wird es zum Konfliktstoff für sie, der heftig ist. Denn: C achtet auf Abstand. Wir wissen nicht, ob sie selbst eine sogenannte Risikoperson ist, wir wissen nicht, ob es ein hoch ausgebildetes Verantwortungsbewusstsein und Wertesystem ist, das es ihr ermöglicht, Zurückhaltung zum Schutz anderer zu üben.

Wir sehen ihr dabei zu, wie sie so lange zufrieden ist und mit sich im Reinen, bis Mutter ihren Besuch ankündigt.

Alles Mögliche geht C durch den Kopf – sie findet es nicht richtig, dass M kommt, sie möchte es lieber nicht. C prallt mit Gegenvorschlägen ab – an kleinen Videos mit irgendeinem technischen Hilfsmittel übermittelbar hat M kein Interesse. Lieber mal öfter zu telefonieren, findet zwar Ms Zustimmung, aber nur als Zusatz zum Besuch. Sie will ihre Tochter bei ihr zu Hause antreffen, basta. Nein, nicht draußen, das ist ihr zu kalt und auch nicht intim genug, und sie will ja auch den Eintopf zum Mittag mitbringen.

Wie können wir C helfen?

  1. C könnte sich zunächst ein Schlimmstenfall-Szenario ausmalen, das daraus entstehen könnte, wenn sie M klipp und klar ausladen würde.

M könnte so gekränkt und wütend reagieren, dass sie den Kontakt abbrechen würde.

M könnte einen Herzanfall erleiden und daran sterben.

M könnte alle Menschen, die sie kennt, darüber informieren, was sie für eine schreckliche Tochter hat, und man würde mit dem Finger auf sie zeigen, sie schneiden für den Rest ihres Lebens.

C würde sich selbst dafür fertig machen, dass sie so herzlos war.

C fiele bestimmt noch mehr ein!

Nachdem sie das aufgeschrieben hätte, könnte C die einzelnen Punkte darauf abklopfen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür wäre, dass dies so einträte und sie würde erkennen können, wie sie die möglichen Auswirkungen auf sich bewerten will.

Als nächstes könnte sie sich das Schlimmstenfall-Szenario ausarbeiten, das aus dem gestatteten Besuch wider Willen erwachsen könnte.

Sie selbst würde sich als macht- und einflusslos erleben und niedergeschlagen reagieren, was ihre Erfolge in anderen Bereichen schädigen könnte.

Sie könnte M anstecken, sie war gestern beim Arzt, man weiß ja nie. M könnte sterben.

Sie selbst könnte sich bei ihrer sorglosen Mutter anstecken, schwer erkranken, man weiß es nicht vorher, die Folgen könnten sie ein Leben lang begleiten.

Eine wichtige Arbeit könnte sie dann nicht fertig machen.

Sie würde sich selbst dafür fertig machen, dass sie wieder nachgegeben hat.

Sie schreibt wieder alles auf, malt sich in kräftigen Farben aus, was sein könnte, schaut, ob sich Argumente zusammen fassen lassen, prüft auch hier auf Wahrscheinlichkeit und darauf, was die möglichen Konsequenzen für sie bedeuten würden.

2. Wenn C daraufhin noch kein Ergebnis für sich findet, kann sie eine Ja-Nein Liste mit den übriggebliebenen Argumenten aufschreiben und diese mit Punkten bewerten und gewichten. Wo schlägt die Waage aus? Vielleicht wird es schon etwas klarer für C.

Aber C ist noch ambivalent.

3. Nun arbeitet sie an den möglichen Gewinnen ihrer beiden Alternativen.

Wenn M kommen darf, wird sie leidlich zufrieden reagieren, bis zum nächsten Mal. Immerhin, ein kleiner äußerer Frieden.

Und C will ja auch nicht, dass es M schlecht geht. Auch ein kleiner innerer Frieden.

Sie muss an dem Tag nichts für sich kochen, der Eintopf ist durchaus ganz lecker.

Sie erlebt sich als jemand, der stark genug ist, auch mal die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen.

Wenn sie hingegen M lieber abweist, könnte M eventuell auch einen neuen Weg für die gemeinsame Beziehungsgestaltung entdecken, sie will ja wohl keinen Abbruch. Es könnte sich etwas Neues für sie beide daraus entwickeln.

C könnte den Tag nach ihren ursprünglichen Planungen gestalten.

C erlebte sich als unabhängiger und selbstwirksamer als bisher in dieser Beziehung.

Auch hier prüft C, so wie in 1. Und gewichtet wie in 2.

4. Nehmen wir an, C entscheidet sich nun für das „Nein“ zum Besuch, weil ihre Überlegungen sie dorthin geführt haben.

Nun weiß sie noch lange nicht, wie sie es durchsetzen will.

Als erstes erlaubt sich C, die restlichen ambivalenten Gedanken zuzulassen. Es war nicht einfach reiner Quatsch, M bisher nachgegeben zu haben. Dafür hatte sie Gründe. Nun aber hat sie eine veränderte Bewertung entwickelt und will das in Handlung umsetzen.

Mit diesen Gedanken der Selbstakzeptanz für das, was bisher war, und dem was nun sein soll, macht C eine Übung:

Sie schreibt sich einige für sie stimmige und wichtige Sätze auf, mit denen sie M ihre Entscheidung mitteilen will.

Diese Sätze sagt sie leise, so vor sich hin, mit eingezogenem Kopf und krummem Rücken. Schutzlosigkeit fantasierend.

Danach sagt sie dieselben Sätze passend laut, mit aufrechter Haltung, erhobenem geradem Blick, gutem Stand, und dabei beweglich, freundlich atmend, eine Schutzhülle fantasierend. Es wird kommen, was kommt, sie lässt zu sich hinein nur, was sie möchte. Auch das Hinausgehende kann sie kontrollieren, sie hat geübt. Alles, was C von M kennt, kann von ihr erneut gesagt werden, möglicherweise auch Eskalierendes. Es tropft aber an der durchsichtigen Hülle ab.

So verfährt sie einige Male, bis sie sich als kraftvoll wahrnimmt und greift zum Hörer.

Sollte es beim ersten Mal noch nicht klappen wie gewünscht, wird C ein zweites Mal zum Hörer greifen.

C muss das so nicht machen. Sie kann finden, das sei aber sehr aufwändig. Das ist in Ordnung. Vielleicht ist sie aber auch neugierig auf neue Erfahrungen mit sich und ihrer Denkweise. So wie ich sie kenne, ist das so.

Das geht übrigens mit jedem Konflikt, der zu schwächen droht, gar ängstigt. Man muss es nicht, man kann es mal probieren. Die einzige Gefahr ist, es könnte wirken. Grins.

Eine gute Woche!

Missmutig? Missgelaunt? Miesepetrig?

Nur mal angenommen, das käme Ihnen / Dir bekannt vor, das wäre womöglich schon mal so gewesen: Für den Fall möchte ich Ihnen / Dir vorschlagen, etwas dagegen zu unternehmen, spätestens wenn es wieder so einzutreten droht, etwa so wie ein nicht eben herbeigesehnter Gast es täte.

Wohlgemerkt, ich spreche gerade nicht von einer Depression. Eine solche wird sich vielleicht schon dadurch klar äußern, dass bei allem Missmut keine Lust, keine Neugier, kein Impuls entstehen will, sich auf etwaige Übungen einzulassen. Dann ist es eventuell angeraten, sich Unterstützung zu suchen, von anderen Menschen, vielleicht Therapeut*innen.

Kann auch sein, Sie finden / Du findest solche Übungen fad, öd, blöd. Dann einfach hier nicht weiterlesen. Das wäre dann ja Quatsch.

Sollten Sie mitmachen, solltest Du mitmachen: Die Übungen sollen Ihre / Deine Stimmung verbessern! Merkst Du, merken Sie, das klappt nicht oder fühlt sich nicht gut an: Hör / hören Sie auf!

  1. Summen. Die eigene Stimme in Aktion zu spüren und zu hören, kann die Laune erheblich anheben. Summen ist meist nicht vom Anspruch, dass die Töne stimmen, begleitet. Summen kann man einfach so.
  2. Chanten: Silben auf einer Tonhöhe im wechselnden Rhythmus und in wechselnder Lautstärke zu chanten, welche immer Dir / Ihnen einfallen, kann ebenfalls die Laune verbessern, man kann dabei albern werden, ins Kichern übergehen, sogar lauthals lachen. Man kann auch ganz meditativ und innengewandt werden und einfach sich selbst beim Silbenchanten zuhören. Beliebt ist OM, es geht mit allem, was Dir / Ihnen einfällt.  Experimentieren ist super! Wirkt sich sssssiiiiii anders aus als mummmmm, täätäätää anders als wuuwuuuwuuu?
  3. Karaoke ist klasse, wenn Du gerne singst, Sie gerne singen. Wenn vor Ort nix dafür da ist: Mitsingen mit den eigenen Platten / CDs geht auch gut, auf dem Cover oder Booklet ist im besten Fall der Text. Macht eh oft Spaß, die ollen Platten / CDs mal wieder durchzustöbern, in Erinnerungen versunken zu sein, ein Lächeln könnte entstehen. Wie? Sie werden / Du wirst noch missgestimmter beim Anblick dieses speziellen Covers? Was hat die Platte dann noch bei Ihnen / Dir zu suchen?

Wenn Sie nun – hoffentlich – schon etwas besser gestimmt sind, Du nun schon besser gestimmt bist, könnten Sie sich / könntest Du Dir noch eine schöne Übung zum Entwickeln einer Ressource gönnen:

SIFT genannt, nach Daniel Siegel: Sensations, images, feelings, thoughts. Übersetzbar mit Spüren, innere Bilder, fühlen, denken, das ergäbe dann auch entweder SIFD oder meinetwegen SPIFD, wenn sich das besser so merken lässt.

Was soll das Ganze?

Beginnen wir damit, was am leichtesten fällt! Die einen haben gleich ein inneres Bild für ein Wohlgefühl, die anderen eher einen guten Gedanken, wieder andere gleich das Gefühl, noch andere das körperliche Spüren. Die Reihenfolge ist nicht wichtig.

Im Ergebnis wäre so ein SIFD zum Beispiel:

Warme Füße

Die Sonne scheint ins Zimmer.

Froh

Ich bin zuhause.

Oder:

Freier Atem

Auf dem Berggipfel stehen.

Glücklich

Ich habe die Übersicht.

Oder:

Weiche lockere Muskeln

Nach dem Sport die Beine hochgelegt.

Gelassen

Ich bin stark und entspannt.

Oder… oder…

Na? Mal ausprobieren?

Wenn Sie was gefunden haben / Du was gefunden hast, was Dir / Ihnen gefällt, Dann ist es nützlich, es aufzuschreiben, es an den Spiegel zu pinnen, es in den Geldbeutel zu stecken. Kosten Sie / koste es aus, wann immer Du draufschaust / wann immer sie draufschauen – und prüfe / prüfen Sie mal, ob es verwendbar ist, wenn da grad ein ungeladenes Missbehagen Raum haben will! Vielleicht bleibt der Eindringling nicht so lange.

Eine gute Woche!

Atmen für die Gesundheit, auch die der Psyche

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, die Gesangspädagog*innen trällern es, die Mediziner*innen sprechen eindringlich davon: Unsere Atmung soll, damit sie gesund und gut für uns sein kann, nicht nur im Brustkorb stattfinden! Es soll hier heute deshalb einmal um unsere Bauchatmung gehen.

Die Bauchatmung ist durch unser Zwerchfell gesteuert. Wenn wir es zulassen, darf sich der Bauch beim Einatmen nach außen wölben, dadurch haben die Bauchorgane viel Platz, wenn sich das Zwerchfell anspannt. So ist es nämlich, wir haben es vielleicht in der Schule gelernt, es spannt sich an, wird flach und bewegt sich dabei nach unten in den Bauchraum hinein. Es zieht die Lunge, die mit ihm verbunden ist, mit sich, und die Lunge hat mehr Raum, sich mit frischem Atem zu füllen. So ist es beim Einatmen.
Beim Ausatmen darf es entspannen, es geht zurück in seine nach oben gewölbte, natürlich lockere Form. Die Luft wird nach außen losgelassen, bis zum nächsten Einatmen.

Das Zwerchfell: Beim Einatmen flach und gespannt, Beim Ausatmen nach oben gewölbt und locker.

Eine gute Bauchatmung hilft der Lunge nicht nur bei der Sauerstoffaufnahme und der der Kohlenstoffabgabe, sondern auch bei der Immunabwehr, beim Auflösen von Blutgerinnseln, dem Kreislauf, besonders dem Rückstrom des Blutes zum Herzen, bei der Entspannung des Körpers und der Psyche. So sagen Ärzt*innen und Yogalehrer*innen.

Am einfachsten übt sich die Zwerchfellatmung im Liegen, flach auf dem Rücken. Dabei ist es gut, die Beine so anzuwinkeln, dass die Fußsohlen Kontakt zur Unterlage haben. Mit den Händen auf dem Bauch lässt sich die Atembewegung gut spüren. Beim Einatmen wölbt sich der Bauch nach außen, das Zwerchfell spannt an und wird flach. Beim Ausatmen wird der Bauch locker und flach, das Zwerchfell locker und in den Brustraum hinein gewölbt.
Nachdem uns das vertraut ist, können wir es auch ganz gut im Sitzen üben.
Und dann können wir es auch bald schon in jeder Körperhaltung!

Übrigens: Ständig den Bauch einzuziehen ist ganz schön hinderlich hierfür!

Wir können diese Bewegung ganz gut unterstützen, indem wir die Hände so vor uns mit den Fingern verschränken, dass die Handrücken zum Körper zeigen. Beim Einatmen strecken wir die Ellbogen und Arme, dann werden die Hände zu einem flachen Teller: Anspannung. Nehmen wir die Ellbogen beim Ausatmen zurück in die angewinkelte Position, wölben sich die Hände zu einer Schale.
Beim Einatmen Strecken der Arme, beim Ausatmen locker zurückführen, die Hände wölben sich, sind entspannt wie das Zwerchfell.
Beim Einatmen wird das Herz etwas schneller schlagen, beim Ausatmen etwas langsamer.

Wer mag, verbindet diesen Rhythmus mit zwei unterschiedlichen Vorstellungen:
 – Beim Einatmen die Vorstellung von Autonomie, der unabhängigen Seite des Selbst.
 – Beim Ausatmen die Vorstellung von Verbundenheit, unserer Geborgenheit suchenden Seite

  • Beim Einatmen durch die Nase der Gedanke an das aktive Ich
  • Beim Ausatmen aus dem leicht geöffneten Mund der Gedanke an das Ich, eingebettet im Wir

Nicht zu schnell bitte, sonst wird es dem Nervensystem zu bunt!

Gute Bilder vom alleinigen Ich können sein: Als Kind im Spiel mit Glasmurmeln, ganz vertieft, beim Bauen mit Lego, beim Malen, Singen, ganz für sich – oder für die Sportlichen unter uns beim schnellen Sprint, beim langen Lauf, beim Ziehen der Bahnen im Wasser.

Gute Bilder vom Sein im Wir können sein: Gemeinsames Singen im Kreis, Spaziergang mit Freund*innen, zusammen Blumen pflanzen, mit lieben Menschen in den Sternenhimmel schauen.

In beidem kann Sicherheit empfunden werden.

Ist das Ich allein, so ist es das für den Moment. Es findet etwas Neues heraus und will es andern mitteilen.

Ist das Wir im guten Abstand zueinander, lässt es dem Ich seinen Raum.

Atmen.

Eine gute Woche!

Zu glauben, man könne nicht. Zu glauben, man kann.

Eine plötzlich einsetzende Krise – nicht nur eine Pandemie – eine Krise, mir der in keiner Weise zu rechnen war, die uns folglich anscheinend unvorbereitet trifft, kann eine Schockreaktion hervorrufen. Die Reaktion kann verstörend sein, sowohl für die reagierende Person, die sich selbst so noch nicht kannte, als auch für die Umgebung.

Neben den Reaktionen, die nicht so wirklich hilfreich sind, wie z. B. Nicht-Wahrhaben-Wollen, Ich-Kenne-Die-Schuldigen-Behaupten oder Dahinter-Stecken-Geheime-Mächte-Verbreiten gibt es erstaunlich starke Reaktionen. Von einer will ich erzählen.

Maria Busqué, Cembalistin, Pianistin, Klavierpädagogin und Resonanzlehrerin in Berlin schreibt in ihrem Blog über ein unerwartetes Ereignis: Maria João Pires, die portugiesische Pianistin, erwartete ein anderes Konzert. Nicht als Teil des Publikums, sondern als tragende Akteurin, als Star auf der Bühne. Ich zitiere aus Maria Busqués Blog (mariabusque.net), es ist so schön beschrieben:

„Auf dem Video sehen wir sie mit eingezogenen Schultern. Es erklingen die ersten Takte des d-moll Klavierkonzertes von Wolfgang Amadeus Mozart. Pires, deren Gesichtsausdruck mehrere Gefühle gleichzeitig verkörpert – von Scham, über Verzweiflung bis hin zu Entschlossenheit – stützt ihren Kopf mit einem Arm auf dem Klavier. Sie schaut zum Dirigenten hoch. “Ich werde es versuchen”, sagt sie.

[…] Sofort bei der ersten Note hat Maria João Pires gemerkt, dass sie das falsche Klavierkonzert von Mozart vorbereitet hat. Die Musik erklingt, das Publikum wartet.

Und sie ist nicht vorbereitet.

[…] das Orchester entwickelt gerade das Hauptthema. Und hier ist Pires, die sich langsam an die Idee gewöhnt, dass sie ein 25-minütiges Stück vortragen wird müssen, ohne es vorbereitet zu haben.

Auf dem Video schaut Chailly sie vom Dirigentenpult aus an.

Sie: “Ich hatte ein anderes Konzert auf meinem Kalender stehen…” […] Er lächelt. “Du kannst das schaffen. Ich bin mir sicher, du wirst es gut spielen.”

Das Orchester übergibt der Pianistin seinen letzten Klang. Maria João Pires beginnt zu spielen.

Und dann geschieht das Wunder. In den ersten Takten führt ein Klang zum nächsten. Sie spielt mit einer Hingabe, die mir den Atem raubt.

Das Leuchten in ihrem Klang.

Ich bin tief berührt.“

© Copyright 2007 – 2020 Maria Busqué

So geschehen 1997, ein kleiner Ausschnitt ist auf YouTube zu sehen: Maria Joao Pires expecting another Mozart concerto during a lunchconcert in Amsterdam (ab Minute 2:16).

Carolin Emcke sieht darin eine Metapher für unsere jetzige Situation: Ohne Schutzmantel auf etwas Unvorhergesehenes zu treffen und sich nach dem Überwinden des Schocks zu erinnern, dass wir auf Erlebtes und Bewältigtes zurückgreifen können, wenn wir die Krise meistern wollen. (Carolin Emcke schreibt zurzeit ein Journal „Politisch-persönliche Notizen zur Corona-Krise“ in der Süddeutschen Zeitung und war am Sonntag, 16.05.2020 in 3sat in Sternstunde Philosophie zu sehen und zu hören. Beides findet sich im Internet.)

Und wenn es nicht beim Moment bleibt? Wenn die Dauer einer Krise nicht bestimmbar ist? So ergeht es den Geflüchteten in den Lagern an europäischen Grenzen, so ergeht es der Bevölkerung in Kriegen, den in Gefängnissen Eingesperrten in Ländern ohne klar geregelte Rechte. Emcke schreibt über die Wichtigkeit von Ritualen und dem Kontakt zu mindestens einer Freundesperson. So lässt sie sich täglich eine türkische Vokabel zuschicken, die sie dann auswendig lernt.
Mir gefällt daran: Eine! Es wäre verfehlt, jetzt in Arbeits- oder Lernwut zu verfallen, wenn aus der unbestimmten Zeit kein Chaos werden soll. Denn diese Zeit benötigt Struktur, Aufmerksamkeit, auch nach innen, Innehalten, Unterbrechen des Gewohnten. Ohne das wird es schwer sein, eine länger dauernde Ungewissheit zu bewältigen.

Emcke schreibt, sie habe sich auf ein Jahr Ausnahmezustand eingestellt, mit Lockerungen und auch mit Erschwernissen, die von Tag zu Tag veränderlich sein könnten. Sie schreibt, sie könne besser vom Ende her denken, wenn es denn geschafft sein wird, so zum Beispiel der Impfstoff verfügbar sein wird, als sich heute von Tag zu Tag womöglich selbst zu belügen.

Ja, ich denke auch, das könnte ein Schleudergang werden, wenn wir Tag für Tag der Presse folgend uns ausmalen, dass es ab morgen einfacher werden wird. Das wissen wir nicht. Niemand.

Vom Ende her zu denken heißt für mich auch: Was brauche ich, um zu diesem Ende zu kommen? Was ist heute nötig, was habe ich in mir zur Verfügung, was will ich mit lieben Menschen teilen, wo will ich um Unterstützung nachfragen, falls es zu schwierig wird? Was will ich an Unterstützung geben?

Vom Ende her zu denken heißt für mich eben auch, auf Schlimmes innerlich vorbereitet zu sein. Auch wenn es hier bei uns gerade nicht danach aussieht: Es könnte sich ändern, die Ansteckungsgefahr könnte immens steigen, mein Körper könnte Schaden nehmen. Was kann ich dann tun und bis dahin schon vorbereitend durchdacht haben? Es wird noch genügend geben, das ich nicht vorhersehen kann.

Die eingangs geschilderte Situation traf die Pianistin nur insoweit unvorbereitet, als sie nicht damit gerechnet hatte, ein anderes als das im Kalender vermerkte Konzert spielen zu müssen. Sie hat vielleicht auch Scham empfunden, als sie blitzartig dachte: Wie konnte mir das passieren? Unterstützung kam von außen: Jemand traut es ihr in aller Gemütsruhe zu, das Konzert zu spielen. Die Unterstützung kam aus ihr selbst heraus: Sie hatte dieses Konzert schon gespielt, es war nicht neu. Und sie hat sich entschieden: Ich mach’s, ich spiele. Insoweit war sie vorbereitet: Damit, eine solche Entscheidung grundsätzlich treffen zu wollen.

Was haben wir in unserem Leben nicht schon alles gelernt! Schon der erste eigene Atemzug war unverhofft! Auf einmal draußen musste das Leben selbst gelebt werden, wenn auch mit viel Unterstützung. Laufen lernen: Hinfallen und Aufstehen. Wir erinnern uns – der nicht bewältigbare erste Liebeskummer hat uns am Ende doch nicht verschwinden lassen.

Wir haben die Entscheidung zu atmen nicht selbst getroffen, denn dazu braucht es ein Bewusstsein. Es war der Leib, er tat es einfach. Dennoch war das Erleben von Hinausgworfensein in die Welt ein Moment der Autonomie. Das Laufenlernen war ebenfalls noch in vielen Teilen von Reflexen gesteuert. Die Neugier hat geholfen, die Welt entdecken zu wollen, zum Können gehörten die postnatalen Reflexe. Das Bewusstsein reift schon heran. Auch hierbei: mit jedem Schritt ein Erleben von Autonomie. Der Erste Liebeskummer: Es war nicht in unserer Macht, ihn zu vermeiden, das Objekt der Begierde entzog sich, fertig! Und das Hirn weigerte sich zusammen mit allen Eingeweiden, das egal finden zu wollen. Wir haben uns in diesem Prozess extrem gespürt. Und als wir durch waren, vorbei, bis auf das leise Wehen der Trauer um Verlorenes – wir waren wieder im Zustand erlebter Autonomie.

Das Erleben von Autonomie ist neben dem Erleben von Bindung für uns Menschen überlebenswichtig. Es braucht beides.

Wir könnten uns durch die Krise bewegen, indem wir das Augenmerk auf das richten, was wir an Kräften in uns tragen, was uns bei allen Abhängigkeiten unabhängig sein lässt: Wir und nur wir selbst entscheiden. Wir und nur wir selbst können beschließen, wie wir den Widrigkeiten begegnen wollen.

Wir sind mit dem falschen Stück bis hierher gekommen? Wir haben uns womöglich vertan? Wir hatten anderes erwartet? Na denn. Hau‘n wir in die Tasten und spielen die Töne, die wir können!

Eine gute Woche!

Wie wir reagieren

In dieser seltsamen Zeit der Umbrüche, die durch die neuartige Erkrankung, ihre Verbreitung, die Informationen, die Spekulationen, die politischen Entscheidungen und ihre Veränderlichkeit gekennzeichnet ist, können wir sehr unterschiedlich reagieren.

Unterschiedlich von Person zu Person, von Tag zu Tag, von Situation zu Situation reagieren wir, auch dann, wenn wir womöglich glauben, nicht zu reagieren.

Es gibt die Reaktionsweise der Leugnung. Die Leugnung der eigenen Betroffenheit kann so daher kommen: „Für mich hat sich gar nichts geändert! Ich lebe genauso wie zuvor!“ Ist das so? Ich stelle die Frage, ob es möglich ist, keinerlei Veränderung bei sich zu erleben, wenn sich um eine/n herum so vieles und vor allem so viele verändern.
„Ich war vorher einsam, jetzt bin ich es immer noch!“ Frage: Wenn Du Dich nun gleichzeitig mit so vielen als einsam erlebst, ist das nicht anders, anders als vorher, als Du vielleicht dachtest, Du wärest im Umkreis ganz allein einsam?

„Ich bin gern allein, allein fühle ich mich am wohlsten! Endlich darf ich es sein, ohne mich entschuldigen zu müssen. Ich soll ja jetzt sogar so leben!“ Was wurde anders, als Du bemerktest, Du bist jetzt auf der Straße der allgemeinen Akzeptanz und Erlaubnis unterwegs? Keine Ausnahme mehr?

Oder die Leugnung der Gefahr – „Ich erkranke nicht, mich schützt …“ Für einige ist es Gott, ihr Glaube, ihre Gruppenzugehörigkeit, ihre bisherige Erfahrung: „Mir passiert nichts, weil um mich herum keine Erkrankten sind!“ „… weil ich jung und fit bin.“ „… weil ich nie krank werde.“ Leugnung kann bis hin zu „Die Gefahr existiert nicht!“ gehen oder zu „Es ist eine globale Lüge!“ Das Kleinkind hält sich die Augen zu und meint, es werde nicht gesehen. Wir kennen die Metapher vom Tier, das den Kopf in den Sand steckt. Wird es halt vom Hintern her gefressen.

Die Reaktion kann allerdings auch in Form der Übertreibung eintreten. Dann ist der erste Gedanke bei den Infektionsereignissen in Schlachthöfen der an die mögliche Infektiosität des Fleisches. Alles wird zur persönlichen Gefahr, nichts ist mehr harmlos. Wer so reagiert bringt sich auf eben diese Weise in Gefahr: Das autonome Nervensystem ist ohne Unterlass im Alarm-Modus. Der Blutdruck steigt vielleicht, die Verwundbarkeit für Infektionen nimmt zu. So ist das im Dauer-Stress in der Regel.

Ebenso gesundheitsschädigend ist es, dem Eindruck, von den Ereignissen überrollt zu werden, nichts tun zu können, kein „Stopp!“ und keine Alternative entgegenzusetzen.

Erstarrung, nicht mehr handlungsfähig sein, oder aber permanent zur Flucht oder zum Kampf bereit zu sein – all das macht als Dauerzustand körperlich und seelisch krank.

Was also tun? Sie können, Du kannst eine der kostenfreien Beratungsmöglichkeiten nutzen, Telefonseelsorge, nachbarschaftliche Initiativen, zum Beispiel auf „nebenan.de.“ Du kannst, Sie können Beratung und Hilfe bei Psychotherapeut*innen finden, selbst finanziert oder über die Krankenkasse, einige Berufe auch über die Berufsgenossenschaft – dort fragen bitte! Online zu beraten und zu unterstützen ist den Berufsgruppen jetzt auch schon im Erstgespräch gestattet!

Mit anderen Worten: Gehen Sie, geh in Kontakt, suche Verbindung, wenn Du merkst, wenn Sie merken, es wird zuviel für Sie, für Dich!

Und natürlich gibt es kleine Übungen, sich achtsam wahrzunehmen, herauszufinden, dass tatsächlich nicht alles schwarz oder weiß ist, kein entweder oder in der Welt ist: Es ist halt so, in irgendeiner Weise müssen wir uns an die Situation anpassen.

Folgendes schlage ich vor:

Spüre Dich differenziert, es ist ziemlich sicher nicht überall gleich! Wenn Du Dich als belastet erlebst, wo im Körper spürst Du das? Und wo im Körper ist es anders, besser oder wenigstens neutral? Spür dort hin, schau dort hin, und wenn diese Körperstelle/n sprechen könnte/n, höre hin, was wären ihre Worte? Ist es immer so? Gibt es Veränderungen?

Wenn Dich die Medienbilder schrecken – welche waren tröstlich, lass die Erinnerung daran zu, sag nicht „ja aber“. Alles ist geschehen, das Schlimme und das Schöne. Waren es die tanzenden Pflegekräfte auf einer Intensivstation in Italien? Ware es die vielen gemeinsam Musizierenden auf ihren Balkonen? Was noch?

Was in Deinem Leben hat Dir schon geholfen, Dich verbunden zu fühlen? Vielleicht durftest Du wegen einer anderen Infektionserkrankung schon einmal nur wenig Kontakt haben? Was hast Du als Kind gemacht, als es die Masern waren? Was war tröstlich? Findest Du etwas, was dem im Heute ähnlich sein könnte? Was wären die Wünsche, die erfüllt werden können? Wen kannst Du darum bitten?

Wenn Du nicht isoliert und nicht erkrankt bist, jedoch die Gedanken an die Isolierten und Erkrankten schwer aushältst: Was kannst Du für andere tun?

Hast Du unter Spannungen zu leiden, die Du kaum loswirst, von denen Du befürchtest, Du könntest Schaden anrichten? Als erstes: Verzeihe Dir diese Reaktion. Es ist zu erwarten, dass, wenn es zuviel wird, was Du zu bewältigen hast, Du mit angespannten Muskeln, gereizten Nerven, ganz und gar sprungbereit reagierst. Da Du ein Mensch bist, der sich regulieren kann, wenn Du nur weißt, wie: Tu es! Sorge für Deine Regulation! Es kann sein, dass

  • Du ein Stopp an die Mitmenschen senden solltest, ein erkennbares, Halt! „Es wird zuviel, ich brauche eine Pause, einen Rückzugsort, eine überschaubare, geplante Tagesstruktur, die mir dafür Raum lässt!“ Das solltest Du mittteilen, wenn Du Dich schützen möchtest und dabei verstanden werden möchtest.
  • Du Dir Zeit nehmen solltest, zu entscheiden, was Du zu geben gerade bereit und in der Lage bist, und die Zeit, es mitzuteilen. Vergiss nicht, der / dem anderen geht es womöglich genauso! Gib Raum, Dir und den Mitmenschen. Das solltest Du so machen, wenn Du in Verbindung kommen oder bleiben möchtest.
  • Du den Moment innerer Großzügigkeit nicht verstreichen lassen solltest, er ist manchmal flüchtig, und Du kannst auf andere freundlich zugehen, auch nachgeben, wenn es Dir möglich erscheint. Das solltest Du tun, wenn Du erleben möchtest, wie es Dich bereichert, wenn Co-Regulation geschieht. Wenn Ihr Euch für einen Moment in Freundlichkeit verbunden spürt.
  • Du Deine Kenntnisse in Entspannungsverfahren, in Yoga, in Meditation wiederhervorkramen solltest, falls Du solche hast, ansonsten gibt es gute Möglichkeiten, all das zu erlernen, auch online.
  • Du Dich mal austoben solltest, wild tanzen, Gewichte stemmen (geht mit allen möglichen Haushaltssachen ganz gut!), lauthals singen.

All das kann auch ohne Corona-Zeit gelebt werden, na klar!

Eine schöne Woche!

Ein Anruf bei der allein lebenden Tante

Manchmal geschieht folgendes: Wir nehmen eine Umgebung oder Situation als sicher wahr, ohne sagen zu können, aus welchem Grund wir das tun. Dann haben wir Hinweisreize vorbewusst verarbeitet und unser Nervensystem hat darauf angepasst reagiert. Wir bemerken nicht, wie dies geschieht, es ist eben dem Bewusstsein nicht zugänglich. Zum Beispiel: Wir stellen fest, wir mögen einen Menschen spontan, einfach so.
Umgekehrt ebenso: Wir vertrauen einer Person oder Umgebung nicht, ohne sagen zu können, weshalb. Es sind noch gar nicht genügend Daten für unser bewusstes Denken vorhanden und wir haben schon reagiert, unser Nervensystem hat reagiert.
Hier ist also nicht die Rede von Denkprozessen, die manchmal ebenfalls so blitzschnell ablaufen können, dass wir sie mit einer Reaktion des Nervensystems verwechseln könnten und somit wie automatisch erscheinen. Diese Denk-Prozesse können wir lernen zu entschlüsseln, das ist Übungssache und die Kognitive Verhaltenstherapie arbeitet damit.
Hier ist die Rede von tatsächlich unwillkürlichen, dem bewussten Denken nicht zugänglichen Reizen und den darauf angepassten Reaktionen des Nervensystems.
In der letzten Woche schrieb ich von einem freundlichen Augenkontakt, der bei uns die Empfindung von Entspanntheit hervorrufen kann, indem unser Nervensystem für die Ausschüttung des Hormons Oxytocin sorgt. Ein tiefer ruhiger Atemzug kann dann die Antwort unseres Körpers sein.

Heute geht es in meinem Text um die Hinweisreize, die wir durch das Hören von Stimme empfangen. Wir reagieren körperlich auf die Intonation, die wir hören. Das ist eine alte Geschichte: Die ersten Säugetiere verständigten sich über Laute, mit denen sie Zugehörigkeit und Verbundenheit signalisierten. Dies verhalf ihnen in ihrer Entwicklung zu Vorteilen.
Und heutzutage können wir dies im Gespräch und sogar am Telefon erleben: Eine bestimmte Intonation des Gegenübers ruft eine körperliche Reaktion von Wohlbefinden hervor – oder eben nicht.

Mit unserer Stimme können wir also zur Entspannung und damit zur Gesundheit unserer Kommunikationspartner beitragen. Das ist doch gut zu wissen!
Und wichtig: Es mag vorkommen, dass wir durchaus wohlmeinend sind, dass wir freundliche Worte sagen, aber vielleicht abgelenkt, zerstreut, einfach sehr müde sind, und dann unsere Worte zu Reaktionen führen, die wir nicht verstehen. Wir waren wohl nicht im Hier und Jetzt, unsere Stimme nicht beim Inhalt unserer Worte, das Gegenüber ist bestenfalls verwirrt, schlimmstenfalls ablehnend.
Sind wir hingegen „bei der Sache“, im Hier und Jetzt und mit unserer Aufmerksamkeit beim Gegenüber, dann kommen freundliche Worte auch an, so freundlich, wie wir sie fühlen und meinen. Dann ist es gar nicht so wichtig, ob jedes Wort gut gewählt war. Die Stimme macht es, unser Gegenüber entspannt sich.
Ist es auf beiden Seiten so, dass wir in der Situation bleiben, nicht etwa im Kopf ganz andere Themen wälzen, sondern wirklich frei sind, zu kommunizieren, dann können wir uns gegenseitig co-regulieren, beruhigen und unsere Gesundheit fördern.

Wenn unser ganzes Nervensystem eingestimmt ist auf die aktuelle Kommunikationssituation, der ganze Körper präsent, die Möglichkeiten unserer Stimme also auch, dann kommt rüber, was wir meinen, dann erhöht sich die Chance auf ein gutes Miteinander. Oxytocin wird ausgeschüttet, Stressreaktionen werden gemindert, Vertrauen gefördert.

Umgekehrt kennen wir es, dass sich uns der Stress eines Kommunikationspartners auch über die Stimme mitteilt. Wir sollten jetzt unsere allein lebende Verwandte nicht anrufen mit dem Gedanken, wir müssten das jetzt tun, wenn wir gleichzeitig wegen eines Ereignisses in unserem Leben verärgert oder beunruhigt sind. Wir sollten vor diesem Anruf in einem gut regulierten Zustand sein, wieder runtergekommen, klar „bei der Sache“.
Sprechen wir gehetzt oder gestresst, wird sich das mitteilen, wir können sagen, was wir wollen, von wegen „alles in Ordnung“. Tante wird sich Sorgen machen und mit ihrem Herzklopfen am Ende des Telefonats zurückbleiben, nun auch gestresst.
Eigentlich wissen wir das, aber nicht immer handeln wir danach. Manchmal wollen wir auch betont munter rüberkommen um aufzumuntern, schwieriges wollen wir überspielen und ernten bestenfalls eine sehr verhaltene Reaktion.

Mit der Melodie, der Tonlage, dem Rhythmus und einer differenzierten Verwendung der Laute in unserer Sprechweise können wir dafür sorgen, dass unser Gegenüber uns gut zuhören kann, sich dabei sicher fühlen kann und daraufhin besser in Kontakt mit sich selbst und mit uns kommen kann – auch und gerade dann, wenn unangenehme Gefühle wie Traurigkeit oder Angst im Vordergrund stehen und belasten. Auf diese Weise ist Nähe sogar über die Telefonleitung möglich.

Achten Sie darauf, dass Sie nicht in einen „Telefonton“ verfallen, wenn Sie in Kontakt gehen und jemandem etwas Gutes tun wollen!  Stellen Sie sich vor, Sie sind im selben Raum!

Achte darauf, dass Du nicht in einen „Telefonton“ verfällst, wenn Du in Kontakt gehst und jemandem etwas Gutes tun willst!  Stell Dir vor, Ihr seid im selben Raum!

Wären wir zusammen im selben Raum, säßen bequem, mit der inneren Haltung, jetzt gemeinsam Zeit zu verbringen, wäre ein ruhiger Plauderton mit dynamischen Elementen und kleinen Pausen sehr wahrscheinlich. Es wäre einfacher, aufmerksam auf das Gegenüber zu achten, als dies am Telefon der Fall ist. Es ist aber auch am Telefon möglich, Rückfragen zu stellen, sicher zu stellen, dass wir nicht aneinander vorbeireden. Es ist immer gut, auf Dialog eingestellt zu sein, in dem beide Raum haben, sich mitzuteilen.

Manches ist einfach eine Gewohnheit, die wir uns von Vorbildern abgeschaut haben, so sprechen wir gelegentlich sehr laut, wenn wir telefonieren, was normalerweise unnötig ist, denn wir werden auch von schlecht hörenden Menschen gut verstanden, wenn wir weder undeutlich noch überhastet sprechen. Wenn wir das an uns bemerken, könnten wir uns daran erinnern, dass ein wechselvolles Sprechen in Melodie, Tonhöhe und Lautstärke vom Gegenüber gerade auch körperlich als angenehm empfunden wird. So wird das Gespräch auch für unser eigenes Wohlbefinden sorgen.
Ein Lächeln beim Sprechen kann sich als Zuwendung übertragen, und auch wenn wir trösten wollen, ist die Mundwinkel sinken zu lassen, keine gute Idee!

Eine gute Woche!