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Geschichten

Drei, die ich sehr mag erzähle ich Euch / Ihnen heute weiter.

Einmal vor längerer Zeit wollten die Frösche einen Wettlauf veranstalten. Sie wollten es gern schwierig gestalten und bestimmten als Ziel den höchsten Punkt eines großen Turms. Am Tag des Wettlaufs versammelten sich alle Frösche des Umlands, um dem Ereignis zuzusehen.
Leider waren sie hauptsächlich gekommen, um die eifrigen Froschwettkämpfer und Wettkämpferinnen, anstatt sie anzufeuern, mit Hohn und Spott zu überschütten. Und also riefen sie scheinheilig: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” oder “Das ist einfach unmöglich, viel zu schwer für euch!” oder “Das schafft Ihr nie!”

Und wirklich schien es, als sollten sie Recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Das Publikum schrie weiter: “Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” Bald gaben alle Frösche auf, rutschten oder hüpften wieder zum Boden, einige zogen sich Verletzungen zu. Das Gekreisch und Gequake könnt Ihr Euch vorstellen! Aber halt –  alle, bis auf einen einzigen! Dieser kletterte unverdrossen an dem steilen Turm immer weiter hinauf, bis er das Ziel erreichte.

Bildergebnis für frosch

Du fragst Dich, wie das möglich war? Ich verrate es Dir: Dieser Frosch war taub!
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Dornröschen, so wie einige sagen, dass es wirklich war:

Nach vielen Jahren eines langen Schlafes wachte Dornröschen eines Tages auf. Weit und breit war niemand und nichts zu sehen, nur die dornige Rosenhecke. So schlief sie wieder ein.
Jahre vergingen und Dornröschen wachte erneut auf. Sie schaute nach links und rechts, nach oben und unten, aber wieder war niemand da – weder ein Prinz noch ein Gärtner, der sie hätte retten wollen. Und so schlief sie wieder ein.

Schließlich wachte sie zum dritten Mal auf. Sie öffnete ihre Augen, schaute erwartungsvoll um sich, konnte jedoch abermals niemanden erblicken.

Corona, Rey, Real, Príncipe, La Historia, Tiara

Da sagte sie zu sich selbst: “Genug damit! Es geht auch anders”, stand einfach auf, reckte und streckte sich, entdeckte die Gärtnerschere und befreite sich vom Dauerschlaf und der Dornenhecke.

Was dann mit dem Koch und seinem Gehilfen, was mit all den andern im Zustand der Erstarrung geschah, ist nicht überliefert. Wir wissen auch nicht, ob dann irgendwann mal ein verspäteter Prinz angeritten kam.

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Unerhört schön – diese Geschichte findet sich so auf mehreren Seiten im Internet:

An einer U-Bahn-Haltestelle in Washington DC steht an einem kalten Januarmorgen 2007 ein Mann mit einer Violine. Er spielt Bach, auch Schubert. Während dieser Zeit kommen im morgendlichen Berufsverkehr hunderte von Menschen an ihm vorbei.
Es dauert ein paar Minuten, bis der erste Passant den Geiger bemerkt. Er verlangsamt seinen Schritt für ein paar Sekunden. Aber er unterbricht seinen Weg nicht.
Kurz darauf wirft eine Frau den ersten Dollar in den Hut des Musikers, aber auch sie bleibt nicht stehen. Ein junger Mann hält kurz inne, um zuzuhören. Aber ein Blick auf seine Uhr treibt ihn an weiterzugehen.
Dann nähert sich ein etwa dreijähriger Junge. Er möchte stehen bleiben, aber seine Mutter zieht ihn an ihrer Hand weiter. Das Kind schaut im Gehen zurück, will der Musik weiter zuhören. Die Mutter treibt es an. Wie dieser Junge verhalten sich einige Kinder, aber ausnahmslos drängen ihre Eltern sie zur Eile.

Der Geiger spielt, ohne abzusetzen. Insgesamt sechs Menschen bleiben vor ihm stehen und hören ihm für kurze Zeit zu. Vielleicht 20 Vorübergehende werfen ihm eine Münze in den Hut. Nach einer knappen Dreiviertelstunde beendet der Geiger sein Konzert. Es wird still. Aber niemand nimmt davon Notiz, niemand applaudiert. 32 Dollar sind zusammengekommen.

Bildergebnis für geige

Der Violinist war Joshua Bell, einer der besten Musiker der Welt. Er spielte unter anderem eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke, die jemals geschrieben wurden: die „Chaconne in d-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Die Geige, die er dafür verwendete, war 3,5 Millionen Dollar wert.
Zwei Tage zuvor hatte Joshua Bell vor einem ausverkauften Haus in Boston das gleiche Konzert gegeben. Die Karten für dieses Ereignis kosteten durchschnittlich 100 Dollar.

Sein Auftritt in der U-Bahn-Station war ein Experiment. Die Zeitung „Washington Post“ hatte es in Auftrag gegeben. Die Redaktion interessierte die Frage, ob Menschen Schönheit auch in einem ganz alltäglichen Umfeld wahrnehmen.

Eine schöne Woche wünsche ich Euch / Ihnen!

Kommt bald…

… mit ein bisschen Hilfe von lieben Menschen werde ich Sie / Dich hoffentlich bald in meinem neuen Raum begrüßen können!
Hier kommt mein Glanzstück, neu erworben bei der Firma Allton, deren Produkte mich insgesamt sehr erfreuen.

Tataaa, die Klangwoge!

Auch so schon ein Gedicht: Ergonomisch durchdacht und gefertigt wie sie ist, haben auf ihr bisher alle Testliegende sich sehr wohlgefühlt! Schaukeln kann sie, in eine andere Position gebracht und dort fixiert werden kann sie und das Beste ist: Sie überträgt die Bassvibrationen der ausgewählten Musik in gewünschter Intensität auf Ihren / Deinen Körper. Zur Unterstützung einer Trance, einer Entspannung oder auch zur Aktivierung bei Erschöpfung – für mich das Beste, was ich kenne!
Noch steht sie nicht am Zielort, denn..

Es gibt noch viel zu tun!

Der Fußboden liegt, die Farbe an Wand und Decke ist frisch, den Vorhang hab ich auch schon mal dran 🙂

Die Steckdosen… o weh!

Der Schrank ist noch im Aufbau…

Eine Yogamatte hängt schon mal
Der Sperrmüll muss bestellt werden!

Eine Ecke sieht noch ganz schlimm aus, die zeig ich, wenn sie fertig ist… und dann geht der Umzug los!

Am Abend sagt der Rücken: Genug für heute, morgen ist auch noch ein Tag…

Eiweh, dieser neue Tag ist ja heute, dann wieder nix wie an die Arbeit!

Bis bald!

Morgenspaziergänge

Herbstvorboten

Nebel werden zäher. Fische springen nach Insekten.

Kraniche ganz in der Nähe, hörbar aufgeregt. Plätschernde Enten.

Ein unermüdlicher Hahn nahebei. Frische auf der Haut.

Fischjagd

Unter der Sohle Eicheln.

Tacktacktack ein Specht.

Zimtgeruch hängt in der Luft. Wetternde Amseln.

An den Steinstufen plätschert der Bach. Die Radfahrerin hinterlässt einen milden Duft.

Äste auf dem Weg, nach dem Gewitterregen Spuren von Sturzbächen. Nach 7 kommen die Jogger und Walker und Hunde und ihre Besitzer. Da liegt ein kleiner grüner Apfel. Wasserluft.

Die Sonne wärmt noch, es ist schon zu ahnen.
Wasserfeuchtes Gras

Flugzeuge – ohne wäre schöner.

Besuch bei der alten Dame

Die alte Dame wird in den nächsten Tagen 92. Sie lebt im Pflegeheim. Zuhause ging es nicht mehr. Im Pflegeheim ist nicht alles Gold, aber besser als zuhause. Warum? Sie hat immer Menschen um sich herum, die sich je nach Bedarf kümmern oder sie in Ruhe lassen. Sie erlebt selten Zeitdruck. Der ambulante Pflegedienst war immer unter Zeitdruck, die Angehörigen oft.

Langsam hatte sich die Zeitverwirrtheit eingeschlichen ins Leben der alten Dame. Unbemerkt zunächst. Dann überschlugen sich die Veränderungen, das Umfeld kam atemlos kaum hinterher.

Nun ist die nächste Stufe eingetreten. Die Sprache wird ersetzt durch Bewegungen, nachvollziehbare ja, und bisher für das Umfeld nicht verstehbare auch. Das Beiseiteschieben der Haarsträhne funktioniert, auch das Kratzen an juckenden Stellen. Manchmal reagieren die Augen auf Geräusche, werden wacher für einen Moment.

Die alte Dame ist erschöpft. Der Körper ist erschöpft. Was ist mit ihrem Geist? Wie sollen die Umstehenden das wissen?

Wird sie etwas gefragt, ist Abwehr zu spüren, Fragen kann sie nur noch wenige beantworten. Möchtest Du etwas trinken? Ein Nicken. Wie geht es Dir? Eine zu schwierige Frage? Der Kopf geht zur Seite. Lass doch! Heißt es das?

Die Gliedmaßen sind unruhig, ungerichtet in ihrer Bewegung und haben noch Kraft, wenn die alte Dame beunruhigt ist. Was ist los, was wollt Ihr? wenn es von dem Rollstuhl zurück ins Bett geht. Angst zu stürzen?

Die Gliedmaßen beruhigen sich, wenn eine Hand gefasst wird, da ist ein Kontakt. Der ganze Mensch beruhigt sich. Außer der Arm. Er bewegt sich im Takt erst vor und zurück, dann von rechts nach links und links nach rechts, manchmal machen die Finger kleine Extradrücke.

Eine Sprache, die das Umfeld nicht versteht. Außer zu „lauschen“ gibt es nichts zu tun.  Schwer für die, die gewohnt sind, dass man immer etwas tun kann.

Einfühlung ist schwierig, wenn es um einen Zustand geht, den man selbst nicht annähernd so ähnlich je erlebt hat. In welchem fremden Land ist die alte Dame?

Naomi Feil nennt vier Stadien der Aufarbeitung:

  1. Mangelhafte Orientierung: die Person kann sich noch zeitlich und räumlich orientieren.
  2. Zeitverwirrtheit: Die Person vermischt Vergangenheit und Gegenwart.
  3. Sich wiederholende Bewegungen: Rhythmus und Bewegung ersetzen die Sprache.
  4. Vegetieren: Totaler Rückzug nach innen

Was heißt hier Aufarbeitung? Es sei ein Lebensstadium, das einige sehr alte Menschen, die achtzig Jahre und älter sind, durchleben. Es gebe eines oder mehrere Lebensthemen, unerfüllte Bedürfnisse, die den Menschen dazu brächten, in diese Zeiten zurückzugehen. Es gäbe etwas, das auf Aufarbeitung warte. So sagt Naomi Feil. Die alte Dame wäre demnach in der dritten Phase.

Was will sie aufarbeiten? Das Umfeld weiß es nicht. Es kann nur eines wollen und tun: Verbundenheit herstellen. Nicht gut sei, Ablenkung anzubieten, zu konfrontieren, negative Gefühle zu ignorieren, Mitgefühl zu zeigen (!). Dies sei für Menschen, die den Willen haben, sich zu ändern. In der Aufarbeitung gehe es darum nicht mehr. In der Aufarbeitung gehe es um lebenslang Verdrängtes. Keine weitere Zerstreuung bitte, nicht mehr! So verstehe ich Naomi Feil.

Es werde nicht gelingen, die Verwirrtheit zurückzudrehen. Es könne gelingen, zu begleiten, aufmerksam zu lauschen. Es könne gelingen, das 4. Stadium aufzuhalten, zu vermeiden, es könne gelingen, ein friedvolles Sterben möglich zu machen.

Hoher Anspruch. Und wenn es das einzig Sinnhafte wäre, so wäre es einen Versuch wert.

Trauen Sie sich zu, einer solchen Begleitung zuzusehen, fünf Minuten mitzugehen? Es könnte Sie berühren!
https://www.youtube.com/watch?v=CrZXz10FcVM

Was Frau Feil dort zeigt, ist Validation. Vorurteilsfreies Mitgehen.

Auswirkungen, die sich ergeben können, wenn Menschen sich dazu bereit finden:

  • Die alten Menschen sitzen aufrechter und öffnen die Augen.
  • Ausagierende Verhaltensweisen werden seltener oder hören ganz auf, wie zum Beispiel Schreien oder Schlagen.
  • Die alten Menschen verhalten sich weniger anklagend oder streitsüchtig.
  • Sie bleiben in Kommunikation, verbal oder nonverbal.
  • Sie ziehen sich nicht immer weiter zurück.

(Naomi Feil – entnommene Aussagen aus dem Trainingsprogramm Validation)

Übergänge

Üblicherweise fällt mir als Beschreibung von Lebensläufen nicht ein, das Leben wäre ein langer ruhiger Fluss gewesen. Vielleicht gibt es auf der Welt Orte, bei denen dies die passende Bezeichnung wäre, ich habe Zweifel.

Ich kenne hingegen zahlreiche Menschen, bei denen das Leben von Windungen und Wendungen durchsetzt war, die sie sich so nicht gesucht hatten, mit denen sie, wenn überhaupt, nur eingeschränkt gerechnet hatten und in der Folge den Eindruck entwickelten: Ich bin nicht vorbereitet.

Zunächst denke ich an schwere Unfälle. Würden wir ständig mit dem Eintreten eines solchen rechnen, könnten wir unser Leben nicht bewältigen. Wir würden morgens nicht in ein Auto steigen, aber auch nicht in die U-Bahn. Wer sein Leben von Ängsten diktiert lebt, sich zunehmend zurückzieht und aus vielem heraushält, weiß: Es gibt keine Sicherheit im Leben.

Wem es gelingt, sich nicht von Ängsten seine Lebensgestaltung diktieren zu lassen, ist leider nicht automatisch ausreichend gerüstet, wenn eine schlimme unerwartete Wendung in seinem Leben eintritt, der schwere Unfall passiert.

Die Aufgabe, wenn wir hiervon betroffen sind, ist es, Strategien zu entwickeln, das schlimme Ereignis zu bewältigen. Gelingt uns das nicht, können langfristig depressive und körperliche Symptome daraus entstehen. Das Leben verlöre an Lebendigkeit, das Erleben verarmte.

In meiner Beobachtung ist es nicht selten der Fall, dass Menschen die Belastung, die durch ein unerwartetes Ereignis entsteht, unterschätzen. Das innere Motto „Augen zu und durch!“ oder gar „Gelobt sei, was hart macht!“ läuft mehr oder weniger bewusst mit, ist vielleicht von Vorbildern übernommen worden, passt aber häufig nicht. 

Auch kann es sein, dass ein Ereignis sehr wohl schon erwartet wurde, aber die Stärke der emotionalen Beeinträchtigung so nicht vorhergesehen wurde. Die emotionale Reaktion kann als niederschmetternd erlebt werden, sogar als vernichtend, wenn die schon länger vorhergesehene Arbeitslosigkeit tatsächlich eingetreten ist.

Sogar bei gewünschten Veränderungen können Belastungen entstehen, die eine aktive Bewältigungsstrategie erfordern:

Lebensveränderungen durch Umzug, Wechsel des Arbeitsplatzes, eine Eheschließung, eine Geburt – sie sind häufig gewünscht und dennoch erfordern sie Ideen zur kreativen Gestaltung und Umorientierung.

Umso mehr gilt dies bei Umzug und Wechsel des Arbeitsplatzes aufgrund von äußeren Ereignissen, die man sich so nicht herbei gewünscht hatte.

Kinder können unter einem Schulwechsel sehr leiden, und selbst wenn dieser gewünscht war, braucht es Aufmerksamkeit und Energie für die Veränderung.

Verluste jeder Art, sei die Gesundheit betroffen, sei es eine Trennung von lieben Menschen, die Trennung von lieben Gewohnheiten, die Erkenntnis des Verlustes der Jugend, Verluste im sozialen im Status und finanziellen Bereich – all dies erfordert Bewältigung.

Gut ist es, wenn es Unterstützung gibt!

Wenn wir Menschen allerdings bereits einmal als wenig hilfreich erlebt haben, indem diese nicht die Aufmerksamkeit und Zeit investieren mochten, uns zuzuhören, wenn wir gar erleben mussten, dass unsere Sorgen und Beeinträchtigungen klein geredet wurden, nicht ernst genommen wurden, dann sollten wir künftig diese Menschen nicht erneut aufsuchen, wenn wir Unterstützung bekommen möchten. Wir sollten und schützen!

Sätze wie „Du hast es doch nicht anders gewollt!“ zum Beispiel bei einer Trennung, Sätze wie „Daran bist du doch selbst schuld!“ zum Beispiel nach einem Unfall bei einer riskanten sportlichen Betätigung, Sätze wie „Übertreibe doch nicht so!“ zum Beispiel, wenn wir auf den neuen Arbeitsplatz mit Sorgen und Befürchtungen reagieren, oder Sätze wie „Das wird schon wieder!“ oder „Anderen geht es noch schlechter!“ sollten wir uns nicht anhören, wenn wir Verständnis suchen! Wir können jederzeit ein Gespräch beenden, das uns nicht gut tut!

Wir sollten, wenn wir erkennen, dass der aktuelle Übergang Veränderung bedeutet und wir spüren, dass wir beunruhigt sind, nach Menschen suchen, die mit uns gemeinsam zunächst akzeptieren können, dass ist hier um eine Belastung geht.

Auch im Gespräch mit uns selbst geht es zunächst darum, zu akzeptieren, dass wir Belastung erleben. Vielleicht haben wir zuvor von uns gedacht, wir seien stärker, zum Beispiel, wenn wir wussten, dass wir den Arbeitsplatz verlieren würden oder dass ein geliebter Mensch, der lang schon krank war, uns verlassen wird. Wir glaubten vielleicht zu wissen, dass wir uns gut vorbereitet haben, und dann ist womöglich die Trauer, ist die Angst, die Schlaflosigkeit größer als erwartet. Dies könnte bedeuten, dass wir zusätzlich Angst und Depression empfinden, weil wir glauben, von uns selbst enttäuscht sein zu müssen. Wir erleben dann womöglich ein Gefühl von Hilflosigkeit. Es ist dann hilfreich zu wissen, dass es gesund und durchaus normal ist, solche starken Emotionen zu erleben, wenn ein harter Übergang zu bewältigen ist!

Der Versuch, solche Emotionen zu unterdrücken, kann hingegen dazu führen, dass der nächste Bewältigungsschritt später oder schwächer, unvollständig, schädigend oder sogar gar nicht stattfindet, zum Beispiel durch das Entwickeln einer psychosomatischen Erkrankung. Ich halte es für notwendig, die erste Phase eines schwierigen Übergangs bewusst zu durchleben, die Gefühle zu spüren und den eigenen Gedanken zuzuhören, und zunächst bedingungslos alles zu akzeptieren, was Körper und Seele zum Ausdruck bringen wollen!

Erlauben Sie sich dies und suchen Sie Menschen, die bereit sind, Sie dabei zu begleiten!

Erlaube Dir dies und suche Dir Menschen, die bereit sind, dich dabei zu begleiten!

Das kann durch therapeutische Hilfe sein oder beratende Gespräche, auch durch Gespräche im gewohnten Umfeld, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Alarmzeichen sind allerdings Gedanken, die in Richtung Selbstverletzung oder Selbsttötung gehen! Da heißt Akzeptanz: Erkenntnis, dass es so ist und dass sofort gehandelt werden muss! Notfallhilfe gibt es in Kliniken und über Notrufnummern! Sind Sie gefährdet? Bist Du gefährdet? Legen Sie sich, lege Dir Notfalltelefonnummern griffbereit! Und nutze sie!

Wenn Sie ohnehin in Gruppen aktiv sind, wo die Teilnehmenden mit Achtsamkeit nicht gänzlich unvertraut sind, vielleicht in einer Yoga-Gruppe oder Ähnlichem, könnte es gut für Sie sein, auch dort einmal zu erzählen, wie es Ihnen geht.

Entspannung kann unterstützend erlebt werden, Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Körperübungen, die Anspannungen zum Entladen führen, zum Beispiel TRE – für alle, die es kennen… Alles, was der Selbstvergewisserung dient: Welche Ressourcen habe ich, wo liegen meine Stärken und worin meine Bedürfnisse, schreiben Sie es sich auf, zeichnen Sie, was Sie bewegt! Schreiben, zeichnen Sie in ein Tagebuch… Etliche sagen auch, dass sie eine sportliche Betätigung am besten stärkt… Singen Sie, rufen Sie, wenn Ihnen danach ist, laut in die Welt hinaus!

Sollten Sie dazu neigen, zu denken, Sie dürften sich anderen nicht zumuten? Dann schauen Sie, ob Sie nicht Ihrerseits solche Zumutungen durch andere Menschen durchaus schon einmal aushalten konnten – und ob es daher durchaus möglich ist, dass andere auch Sie aushalten werden.

Bleiben Sie sich dabei bewusst, dass Ihr Gegenüber für sich selbst verantwortlich ist und wenn es ihm Zuviel wird, dies äußern kann. Nehmen Sie Signale wahr, sobald und wenn Sie es können, ob es an der Zeit ist, Ihr Gegenüber zu fragen: „Kannst Du noch, darf ich Dir noch mehr erzählen?“ und akzeptieren Sie die Antwort, so wie sie kommt! Niemand kann Ihnen Ihre Belastung wegnehmen, den Weg zur Bewältigung können nur Sie selbst gehen, eine gute Begleitung stützt und hilft dabei.

Bleiben Sie achtsam für Ihre Veränderungen, bemerken Sie auch, wenn es Ihnen zeitweilig beginnt, besser zu gehen, wenn Sie Hoffnung schöpfen, wenn Sie sich selbst wieder mehr zutrauen!

Hilfreich ist es nach meiner Erfahrung, sich darüber klar zu werden, was in der Vergangenheit bei der Bewältigung eines schwierigen Übergangs geholfen hat: „Was hat mir schon einmal gut getan, möchte ich das noch einmal versuchen zu erleben?“
Prüfen Sie jedoch kritisch, ob es eine kurzfristige und scheinbare Entlastung erbrachte, das gilt für Selbstschädigungen jeder Art, oder ob es langfristig gut für Ihr weiteres Leben war!

Stellen Sie sich das Leben vor, wie es sein wird, wenn dieser Übergang bewältigt ist!

Verwirrung – Validation

Heute werde ich über Validation schreiben. Validation wurde von Naomi Feil entwickelt und beschäftigt sich damit, wie Menschen in den Phasen einer Demenz geholfen werden kann, Unerledigtes an Bedürfnissen und Konflikten aufzuarbeiten – nicht im Sinne eines Versuchs, verwirrte ältere Menschen noch zu ändern, das können und wollen sie nicht mehr, sondern indem ihnen durch Bestätigung und Einfühlung das Gefühl gegeben wird, dass sie mit ihren Aufarbeitungsversuchen nicht alleine sind, dass sie gehört und gesehen werden und so innerlich zur Ruhe finden können, zu größerer Ruhe.
Wer sich dafür interessiert, weil er oder sie mit Angehörigen lebt oder Angehörige hat, die an Demenz leiden und sich von Zeit zu Zeit hilflos fühlt, dem empfehle ich die Publikation von Vicki de Klerk-Rubin, mit dem Titel „Mit dementen Menschen richtig umgehen, Validation für Angehörige“. Es lohnt sich auch bestimmt, bei youtube Naomi Feil einzugeben und Beispiele ihrer Arbeit im Video zu sehen! Es ist beeindruckend und auch sehr berührend. Ich beschäftige mich in meinem Text damit, welche Vorstellung über Menschen dieser Theorie zu Grunde liegt, die nicht mit Demenz im Alter rechnen müssen, weil sie zuvor anders gelebt haben. Daran erkennen Sie schon, dass es in dieser Theorie nicht darum geht, dass im Gehirn irgendwelche Fibrillen oder Plaques dafür sorgen, dass der Mensch nicht mehr so funktioniert, wie wir es gerne hätten oder auch der Mensch selbst, der zumindest in der Anfangszeit und auch immer wieder zwischendurch unter seiner Demenz leidet. Diese Theorie beschäftigt sich damit, wie bei Menschen ein gutes Leben gelingen kann.
Wie können wir uns Kompetenzen erwerben und erarbeiten, dass wir unser Leben bei allem, was uns vielleicht entgegenschlägt, als gut und stimmig bewerten? Nach Feil können wir so für unser Alter vorsorgen und einer Altersverwirrtheit vorbeugen.
Als erstes zitiere ich aus dem Buch „Trainingsprogramm Validation“, dritte Auflage, von Leonie Feil, Evelyn Sutton und Frances Johnson eine Liste über das, was ein erwachsener und reifer Mensch an Eigenschaften hat, idealerweise.
1. kann Verantwortung übernehmen für sich und andere
2.    kann Fehler und Schuld eingestehen
3.    kann enge, gegenseitig bereichernde Beziehungen eingehen und bewahren
4.    kann Gefühle in angemessener Weise ausdrücken
5. kann Kritik annehmen
6.   gibt anderen Menschen nicht ohne Recht die Schuld oder kritisiert sie
7.   geht mit schwierigen Situationen den Höhen und Tiefen des Lebens auf konstruktive Weise um
8.    kann die Leistung des anderen würdigen
9.    geht unvoreingenommen und vorurteilsfrei an Dinge heran
10.  kann Entscheidungen fällen und mit ihnen leben
11. denkt meistens zielorientiert
12.  hat Freude am Leben, hat viele Interessen, Fähigkeiten und Aufgaben in denen sie / er tätig ist, ist nur selten gelangweilt
13.  engagiert sich verhält sich anderen gegenüber respektvoll und teilnahmsvoll, ist nicht vollkommen auf sich selbst bezogen
14. ist sich der gegenseitigen Abhängigkeit von Familie und Gemeinschaft bewusst
15. (mein Lieblingspunkt) hat Sinn für Humor
16.  kann in neue Rollen hineinwachsen, wenn alte, nicht mehr der Situation oder den Menschen angemessene Rollen abgelegt werden müssen.
Falls Sie gerade Schluckauf bekommen haben, weil Sie sagen, um Himmels willen, das schaffe ich nicht wirklich, obwohl ich doch erwachsen bin und mich für reif halte – natürlich, so perfekt sind wir nicht! Wir sind Menschen, wir bemühen uns und wir scheitern. Ich halte es aber für erstrebenswert, solch eine Liste immer wieder zur Überprüfung seiner selbst heranzuziehen und zu schauen, wo bin ich nicht ganz zufrieden mit mir und wo möchte ich mich umorientieren.
Wenn wir uns zusammen mit Naomi Feil jetzt das Gegenbeispiel anschauen, möchte ich vorausschicken, dass sie sagt, Menschen im Alter haben es schwer und haben eine gute Chance mangelhaft orientiert oder zeitverwirrt zu werden, wenn sie eher nach der folgenden Liste gelebt haben. Sie versteht dies also als Appell, für die eigene geistige Gesundheit zu sorgen, indem diese Liste zur Kenntnis und als Arbeitsgrundlage für sich selbst genommen wird. Ich zitiere wieder:
1.    sie geben meistens anderen die Schuld, auch für die eigenen Probleme
2.    sie versuchen alte unpassende Rollen weiter zu leben, sie finden keine neuen Betätigungsfelder für ihre Talente, ihre Zeit
3.    sie beschweren sich viel
4.    sie begeben sich in Abhängigkeit
5.    sie haben keine Freude an Nähe in der Beziehung zu anderen Menschen
6.    sie verstecken oder leugnen ihre Gefühle
7.    die meiste Zeit sind sie nicht wirklich glücklich
8.    sie tun so, als existierten ihre Probleme, ihr Scheitern nicht, kehren ihre Probleme unter den Teppich
9.    sie tyrannisieren bisweilen andere Menschen
10.  sie sind Perfektionisten
11.  sie sind sehr nachtragend
12.  sie können nicht zugeben, dass sie Unrecht haben
13.  sie leiden wie Märtyrer
14.  sie sind argwöhnisch, sie vertrauen anderen nicht.
Sollten Sie an sich selbst Züge davon erkennen, wäre also der Appell von Naomi Feil: Bringen Sie ihre Beziehung und ihr Leben in Ordnung, entwickeln Sie für sich selbst eine positive Strategie, mit den Problemen im Leben umzugehen! Suchen Sie sich Hilfe, möchte ich ergänzen, wenn Sie merken, dass Sie jetzt keine Ahnung haben, wie Sie das machen sollen oder sich sagen, da hab ich schon so viel versucht, es hat nicht geholfen! Wenn Sie merken, dass Sie auf alten Wegen herumlaufen, die immer wieder in eine Sackgasse führen, dann sollten Sie es angehen! (…wenn Sie sich besser fühlen wollen…)  Naomi Feil ist der Meinung, dass es Ihnen hilft, im hohen Alter nicht desorientiert zu sein. Für alle diejenigen unter Ihnen, die Angst haben, dass sie später an Demenz erkranken: Ich glaube da ist was dran!

Demenz?

Als unsere Katze im Alter von etwa 18 Jahren begann, sich anders zu verhalten, anders miaute, einen anderen Tag- Nachtrhythmus zu entwickelte und uns anders anschaute, nannte unser Tierarzt das „wunderlich“. Wir haben sie beobachtet, wir kannten sie gut, wir waren sicher, dass sie unter Schmerzen litt und ihre Veränderungen daher rührten. Das Schmerzmittel half.

Ein Mensch, der im Alter von 90 Jahren beginnt, sich anders zu verhalten, anders spricht und schaut, einen anderen Tag-Nachtrhythmus entwickelt, wird in der heutigen Zeit nicht mehr „wunderlich“ genannt. Ein jeder glaubt zu wissen: Dieser Mensch ist dement. Es ist ja auch möglich, dass das stimmt.

Eine Frau im Alter von an die 80 Jahren vergisst gelegentlich, dass sie einen Termin hat und legt einen zweiten auf die gleiche Zeit. Sie sagt: „Ich muss mir alles aufschreiben!“ Ihr Terminkalender ist voll. Sie ist aktiv in Familie und Gemeinde. Sie fürchtet, eine Demenz zu entwickeln.

Eine Frau leidet unter Parkinson. Sie kommt, da sie ein tapferer und zupackender Mensch ist, gut damit klar. Was immer sie bewältigen kann, behält sie noch in den eigenen Händen. Sie schämt sich nicht ihrer körperlichen Besonderheiten. Zur Einstellung ihrer Medikation kommt sie für einige Tage in ein Krankenhaus, wo ihr nach einem der zur Demenzdiagnostik üblichen Tests eine leichte Demenz attestiert wird.

Eine Frau von 91 Jahren stürzt in ihrer Wohnung mehrfach und kommt nicht vom Boden hoch, wo sie in ihrer Hilflosigkeit von Angehörigen gefunden wird. Eine Pflegedienstleisterin weist nachdrücklich darauf hin, dass die Ursache in einer Harnwegsinfektion liegen kann. Sie lag richtig! Nach Antibiotikagabe hören die Stürze auf.

Eine Frau an die 90 sagt: „Wenn ich mal Hilfe brauche, sage ich Bescheid!“ Als nach Monaten deutlich wird, dass sie diese Hilfe tatsächlich dringend benötigt, der geistige Abbau dominant und unübersehbar wird, finden die Angehörigen in der Wohnung Verhältnisse vor, die über „wunderlich“ doch deutlich hinausgehen. Hier hat ein Mensch sein Leben nicht mehr bewältigt.

Offenbar ist es so, dass die Diagnose „Demenz“ nicht so einfach zu stellen ist. Es ist auch stets zu fragen, was aus der Diagnose an Konsequenzen abzuleiten wäre. Medikamente?

Welche Hilfen braucht der Mensch, der sein Verhalten ändert? Wann ist Hilfe zu früh, wird als übergriffig und entwürdigend empfunden? Wann ist sie zu spät, weil der betroffene Mensch unbemerkt nicht mehr genügend auf seine Ernährung und Pflege achten konnte und nun Not leidet, die hätte vermieden werden können?

Die Beobachtung auf der Basis guten Verständnisses und guten Kontaktes ist für mich der Schlüssel. Ich weiß aber auch, dass bei sehr großer Nähe manches übersehen, fehlgedeutet und verharmlost werden kann. Einfach ist es nicht.

Tests? Kann man machen. Haben für mich als alleiniger Zugang keine Aussagekraft.

Würde ich als heilkundliche Psychotherapeutin über die Krankenkasse abrechnen können, müsste ich eine Diagnose aussprechen. Die Grundlage hierfür Ist hierzulande die Internationale Klassifikation psychischer Störungen, kurz ICD, Kapitel V. Für Demenz bei primärem Parkinson-Syndrom finde ich dort nichts, was meine diagnostischen Bemühungen stützen könnte. „Bisher konnten keine eindeutig kennzeichnenden klinischen Merkmale beschrieben werden.“ (S. 85, ICD-10 Kapitel V (F), 9. Auflage.

Die Bayer Activities of Daily Living Scale, die „Zum Aufdecken von Frühsymptomen einer demenziellen Erkrankung“ entwickelt wurde und für die der Nachweis der Messgenauigkeit und inhaltlichen Gültigkeit erbracht wurde, ist ein Fragebogen für Fremdbeurteilung. Sie wird für die allgemeinärztlichen Beurteilung, für Pflegeeinrichtungen und Betreuungspersonen empfohlen.
Damit fände ich rückblickend zu keiner klaren Einschätzung für jemanden, der inzwischen gesichert als schwer kognitiv eingeschränkt gelten muss.

Da findet ein Mensch immer nach Hause, irrt nie herum, weiß die Personen der Regierung zu benennen, liest noch ein wenig Zeitung und erzählt gern. Was nicht so klappt, hat auch in jungen Jahren nicht so gut funktioniert: schreiben, Geld wechseln, Namen und Daten korrekt zuordnen.
Medikamente einzunehmen wird zur Aufgabe, Termine beim Arzt werden nicht gemacht und offenbar ist nicht präsent, wie die Zeit vergeht.
Dement? Die Unsicherheit besteht.

Immerhin kann die Skala Denkanstöße geben, wenn man unsicher ist. (Wenn Sie hieran Interesse haben, schreiben Sie mir gern eine Mail!)

Ein Pflegeeinrichtungsleiter sagt mir, dass es zahlreiche Menschen mit unerkannter, zumindest im Grad der Beeinträchtigung fehlerhaft beurteilter Schwerhörigkeit gäbe, denen eine Demenz attestiert würde.

Der Demenz-Detektionstest (DemTect) lässt Menschen aus einer vorgelesenen Reihe von konkreten Hauptwörtern (2 x 10, die Reihen sind gleich) die erinnerten wiedergeben. Ok, hier wird das Arbeitsgedächtnis getestet. Auch sollen Zahlwörter in Ziffern geschrieben werden und umgekehrt. Diese kognitive Funktion ist bei manchem Schüler auch nicht so gut. In einer Minute Dinge aufzählen, die man im Supermarkt kaufen kann – das ist für mich noch am ehesten hinweisgebend. Hat jemand allerdings sprechmotorische Einschränkungen aufgrund z.B. eines Schlaganfalls – eine Minute ist schnell um! Hinweisgebend für Demenz? Da sage ich klar NEIN.
Dieser Test führte bei einer Parkinsonpatientin zur Diagnose leichte Demenz! Hierbei haben wir jemanden vor uns, der außer einer gewissen Unordentlichkeit, die als Effekt der motorischen Einschränkungen gesehen werden kann, keine Alltagsprobleme hat, auch da sie sich gut an die Parkinson-Medikation hält.

Eine sehr traurige Person, die gerade ihren Lebenspartner verloren hat, wird klinisch mit dem DemTec überprüft. Es ist uns allen, die jemals sehr traurig waren, aus eigenem Erleben bekannt, dass unsere Merkfähigkeit im Alltag in diesem Zustand leidet.

Die Zuschreibung „Demenz“ macht Menschen Angst. Sie glauben, in eine Zukunft schauen zu müssen, in der sie hilflos herumirren. Die Gazetten machen Menschen Angst, die mit ein wenig Gedächtnistraining und altersentsprechenden Hilfen gut zurecht kommen könnten, dies tun sie dann aber nicht, weil sie eine Demenz-Diagnose fürchten und die Aussichtslosigkeit, die sie damit verbinden und vor allem den Stempel. Angst schadet der Kognition. Willkommen im Teufelskreis!

Cornelia Stolze beschäftigte sich in ihrem Bestseller „Vergiss Alzheimer“ (1. Auflage 2011) mit dieser speziellen Demenz-Diagnose und nennt sie ein Konstrukt, mit dem sich wirkungsvoll Forschungsmittel mobilisieren und Karrieren beschleunigen lassen. Vor allem ginge es um riesige Märkte für Medikamente und diagnostische Verfahren. Ich stimme ihr zu.
Ob die verschriebenen Medikamente den Verlauf des behaupteten Morbus Alzheimer ausbremsen, lässt sich logischerweise nicht belegen, denn wir haben ja keinen Vergleich. Wäre irgendetwas anders, schlechter, fütterte man den alten Menschen nicht mit diesen Medikamenten?

Keine Frage, im Alter erleben wir Einschränkungen. Einige davon hindern Menschen daran, ihren Alltag zu bewältigen. Schauen wir auf das, wo Hilfe nötig wird! Schauen wir, ob sich Ursachen, womöglich behebbare, identifizieren lassen! Suchen wir nach Hilfen.

Medizinische Aufgabe ist die Diagnostik von Durchblutungsstörungen, von Nervenwasseransammlungen im Gehirn, von Diabetes, von fehlangepasster Medikation bei anderen Erkrankungen. Auch Depression und Sucht (auch die Nikotinabhängigkeit!) gehört in die Suche nach den möglichen Ursachen.

Ein gesunder Lebensstil, mit Bewegung, gesunder Nahrung, genügend Flüssigkeit und auch Natrium (!) ist aus vielerlei Gründen im Älterwerden zunehmend wichtig.
Soziale Kontakte und Bindung  braucht der Mensch! Wenn wir auf unsere Alten aufmerksam schauen, sie nicht allein lassen, Diagnosen kritisch bewerten und stets überprüfen lassen, ist schon viel getan. Eine rechtzeitige und wirksame Regulierung der Durchblutung wird manche Ausfallerscheinungen verhindern können!

Und wenn es nicht so ist? Wenn es ohne Pflege, auch stationäre nicht mehr geht? Die Kranken- und Pflegekassen brauchen den diagnostischen Begriff. Die betroffenen Menschen brauchen ihn nicht. Wir im Umfeld auch nicht. Wir können doch sagen, heut hat sie sich nicht erinnert, was es zu Mittag gab. Sie weiß auf manches heute keine Antwort. Morgen vielleicht wieder. Es wird erzählt, sie lacht gern.
Und wenn jemand seltsame Dinge erzählt – wir könnten sagen, unsere alte Dame wird langsam wunderlich…

Sehen wir die Einzelnen in ihrer Einzigartigkeit, sogar im Alter!

Schieben wir sie möglichst in keine der bereitstehenden Schubladen!

In der nächsten Woche werde ich einiges von Naomi Feils Ansatz der Validation berichten! Ihr geht es um die Bedürfnisse und die Einzigartigkeit mangelhaft orientierter Menschen im Alter.

Eine gute Woche!

Sichtbarkeit, Lebensfreude, Aufstand

Das Motto des diesjährigen DYKE MARCH BERLIN war Lesbische Sichtbarkeit und Lebensfreude. Die CSD-Parade zu 50 Jahre Stonewall hatte das Motto Jeder Aufstand beginnt mit Deiner Stimme!

Heute schreibe ich keinen Blog, denn ich bin dort gewesen und hatte außer zum Mitfeiern zu gar nichts Zeit!

Aus meiner psychotherapeutischen Sicht gibt es zu beiden Aussagen sowieso nichts zu korrigieren.

Ich schaue in die Welt und stelle fest, dass die Notwendigkeit zum Aufstand eher zu- als abgenommen hat. So zu feiern wie in Berlin ist wahrhaftig keine Selbstverständlichkeit! Alles Erreichte musste auch hierzulande erkämpft werden – auf die jeder und jedem möglichen Weise. Wer sichtbar machen will, dass sie / er / divers anders begehrt und anders liebt als die Mehrheit, begibt sich in den meisten Gebieten unserer Erde in Gefahr. Ich möchte Wege finden, zu unterstützen, dass dies anders wird!

Zu feiern, dass Sichtbarkeit die Lebensfreude steigert und dagegen anzugehen, wenn Ausgrenzung krank macht – beides gehört dazu!

Sichtbarkeit, authentisch sein, lebensfreudig: Das wünsche ich Euch / Ihnen allen, egal, wie Du lebst und liebst, egal wie Sie leben und lieben.

Unterdrückung nach innen und von außen macht krank, ich wünsche mir einen vielstimmigen Chor dagegen!

Herzlichst

Ulrike Roderwald

Reden reicht nicht (4)

Zum Abschluss meines kleinen Einblicks in den Kongress „Reden reicht nicht!?“ 2019 erzähle ich eine Geschichte von Dr. Gunther Schmidt – so wie ich sie gehört und in Erinnerung habe.

Geschichten können erzählt werden oder pantomimisch erlebbar gemacht werden. So war es bei einem Beispiel, das Dr. Gunther Schmidt für das, was er Problem-Lösungs-Gymnastik nennt.

Es gab wohl eine Zeit auf dem Weg zum Facharzt für Psychotherapie, in der er wenig glücklich mit einigen Abläufen und Entscheidungen seines Vorgesetzten an der Klinik war. Einiges wollte er wohl anders machen, und es gab für ihn dann Anlässe, zu denen er bei seinem Vorgesetzten vorsprach.

Er schilderte es bei seinem Vortrag mit seinem ganzen Körper, wie er entschlossen und voller Vorsätze für seine Rede, die zu halten er beabsichtigte, beim Vorgesetzten erschien. Noch im Vorzimmer hielt sich der Körper wohl ganz gut.
War er aber erst bei seinem Gesprächspartner angelangt und ließ ihn dieser so ein bisschen väterlich – jaja, die jungen Leute, immer eigene Ideen – letztlich abblitzen, so schrumpfte er zusammen. Er nannte es in etwa „im Fahrstuhl in Windeseile abwärts gefahren“ zu sein, bis zum Alter von etwa 7 Jahren. Der kleine Gunther dann, viel kürzer als in Jetztzeit, mit Piepsstimme sprechend und nicht besonders eindrucksvoll argumentierend, erreichte natürlich nichts und zog unverrichteter Dinge von dannen.

Dies wiederholte sich wohl einige Male und muss durchaus quälend für ihn gewesen sein, hin und her gingen die Gedanken, nicht rausgeworfen werden zu wollen, am Ende selbst gehen wollend, aber doch den Facharzt zu machen als Ziel, also durchhalten müssend….

Als es ihm seine Körpersignale unüberhör- und fühlbar machten, wie er immer wieder klein wurde beim Versuch, seine Vorschläge zu Gehör zu bringen, da nutzte er dies. Er erfand etwas, das er die Problem-Lösungs-Gymnastik nannte.
Dazu ging er in die Hocke, machte sich klein, da unten war er ganz mit seinem Problem verbunden, assoziiert. Er nennt das eine Problemtrance. Sogar die Stimme wird klein und schmächtig. Er sagt, solche unwillkürlichen Problemmuster seien zu würdigen und zu nutzen, zu utilisieren. Stimme, Körper, alles klein, Problem groß.
Und dann hoch aus der Hocke sich nach oben schwingend, groß werdend, sich vergewissernd, wer man heute ist, mit all den Lösungsmustern, die schon da sind, nur nicht immer so einfach abrufbar… Aufgerichtet, mit heutiger Stimme, verbunden mit der Lösung: Dies durchstehen wollen, aber nicht um jeden Preis. Eigene Vorstellungen in den Prozess eingeben, verändern. Hier wird die Lösungstrance auch körperlich erlebbar, mit allen Ambivalenzen, aber ganz verbunden mit den Ressourcen, den Stärken und den Absichten, mit denen der erwachsene G. sein Anliegen vorbringen will.

Diese „Gymnastik“ übte er vielmals, so oft wie möglich, immer ganz im Problem unten hockend und ganz in der Lösung oben aufgerichtet. (So eine Art schwungvolle Kniebeugen.) Ein Genuss, bei der Live-Präsentation zuzuschauen! Ich bekam richtig Lust, das auch einmal zu machen!

Wie ging es weiter? Ganz überzeugt davon, dass er nunmehr gestärkt und beinah unverwundbar den Raum des Vorgesetzten betreten könne und dort klipp und klar seine Kritik und seine Vorstellungen vorbringen werde, bat er um einen neuen Termin. (Die Vorzimmerdame habe schon schwerstes Mitleid mit ihm gehabt!)

Hoch erhobenen Hauptes betrat er den Raum. Begann zu reden, aber… Vor und in seinen Augen nahm sein Gegenüber die bekannte einschüchternde Optik an – und rutsch, ging es wieder abwärts! Fahrstuhl, sieben Jahre alt, pieps.
Aber nun, jetzt kommt der Clou! Wie von selbst richtete sein Körper sich auf, erstarkte die Stimme… Der Körper erinnerte sich doch: Immer wenn es abwärts gegangen war, ging es anschließend wieder nach oben! Das „Unten-Sein“ wurde zur Erinnerungshilfe für das „Aufstehen“! Sein Körper zog ihn förmlich ins Jetzt und in die Lösung.

Er hat dann wohl ganz gut reden können und sein Vorgesetzter wurde vor seinen Augen auch ein anderer. Den Ausgang der Geschichte weiß ich nicht mehr. Es wird wohl gut gegangen sein, ein Rausschmiss ist es jedenfalls nicht geworden.
So wie ich es in der Präsentation gesehen habe, habe ich ihm jedes Wort geglaubt. Dass nämlich der Körper ganz genau gespürt hat, was passiert, wenn wir uns klein machen, ganz verbunden mit dem Problem. Dass wir das aufnehmen können in eine Problemtrance und würdigen. Der Körper teilt hier etwas mit! Dass nach wiederholter Übung der Körper auch merken kann, wie eine Lösungstrance sich anfühlt. Und dass am Ende eine so wechselvolle Gymnastik Problem-Lösung-Problem-Lösung-Problem-Lösung, die Auflösung des Steckenbleibens des Fahrstuhls bewirkt, automatisch die Fahrt nach oben zur Lösung geht und der ganze Körper dies im Konflikt auch auszudrücken weiß.

Haben wir gerade so ein Problem? Geht die Fahrt manchmal abwärts und wir schrumpfen? Könnten wir das mal ausprobieren, Gymnastik machen, sah lustvoll aus, auf jeden Fall kann es spannend werden!

Ich gehe nicht davon aus, dass Dr. Gunter Schmidt meinen Blog liest. Sollte ein dusseliger Zufall aber dazu führen, dass er zumindest davon hört, dass jemand jemanden kennt, die / der ihn gelesen hat: Ich bitte vorsorglich um Verzeihung für alle Verdrehungen und Verzerrungen in meiner Schilderung! Das hier ist mein Text, für den muss ich selber gerade stehen.

Eine gute Woche!

Reden reicht nicht (3)

Reden reicht nicht (3)

Mit meinem heutigen Blog knüpfe ich an die letzten beiden Montagsgedanken an. Grundidee ist, dass die Beachtung und das Einbeziehen des Körpers in der Psychotherapie und auch in der Selbsterfahrung, bei Änderungswünschen im Alltag,  wertvolle Wege weisen und bei der gewünschten Veränderung helfen kann.

Es kann jedoch sein, dass die Wege versperrt erscheinen und das Körpererleben sich nicht einstellen mag. Hierbei können Blockierungen im Denken und den inneren Konzepten vorliegen, die M. Bohne als Big-Five-Beziehungsblockaden zusammenfasst. In der letzten Woche habe ich über 1. Selbstvorwürfe, 2. Vorwurfshaltung und 3. Erwartungshaltung geschrieben. Heute ergänze ich um die möglichen Blockaden Inneres Schrumpfen und Loyalitäten.
4. Inneres Schrumpfen
Wie in einem inneren Fahrstuhl rasen wir manchmal in unserer Entwicklung nach unten. (Dieses Bild habe ich bei Gunter Schmidt entlehnt, dazu komme ich an den nächsten Montagen noch.) Kleiner, jünger, hilfloser, ausgeliefert womöglich erleben wir uns, weil uns ein Thema, eine Situation so stark erinnert, dass wir zu vergessen scheinen, wer wir heute sind. Der Chef, die Chefin erscheint uns so machtvoll, weil wir nicht mit unseren heutigen Kompetenzen vor ihr stehen, sondern wieder sieben sind, als uns der Lehrer, die Lehrerin so ausgeschimpft hat. Damals konnten wir nicht antworten, es fehlte uns die Fertigkeit, uns zu erklären und etwas richtig zu stellen. Heute haben wir sie, aber ach, der Fahrstuhl nach unten….. Selbst in der Vorstellung, während wir uns wünschen, das nächste Mal klarer zu kommunizieren und unseren Standpunkt deutlich zu machen, spüren wir förmlich körperlich, wie wir blockiert sind. Dann mag kein Klopfen helfen, keine Begehung unserer Körperzentren Bauch, Herz und Kopf.
Zunächst ist es nötig, zu spüren, dass und wie wir geschrumpft sind. Erst im nächsten Schritt machen wir uns klar, wer wir heute sind. M. Bohne schlägt Sätze vor, mit denen dies gelingen kann:  „Auch wenn ein Teil von mir sich immer wieder in solchen Situationen klein und hilflos fühlt, liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin.“ oder, etwas ausführlicher, „…, würdige und achte ich alle meine Anteile und ihre besonderen Kompetenzen und Fähigkeiten und lade sie ein, sich unterstützend und hilfreich allen anderen Teilen gegenüber zu verhalten….“ Wir erinnern uns: Es wird uns nicht weiter bringen, wenn wir die unterschiedlichen Seiten unserer Selbst ablehnen, verurteilen und eliminieren wollen. Akzeptanz dessen, was ist, kann frei machen für alles, was auch ist. Die Selbstakzeptanz-Sätze können „eingekurbelt“ werden, kreisende Berührung des sogenannten Selbstakzeptanzpunktes (M. Bohne): Der Punkt der linken Körperhälfte unterhalb des Schlüsselbeins ist leicht zu finden,  er reagiert etwas schmerzhafter als seine Umgebung auf Druck.
Sich danach spürbar klar zu machen, wie und wer wir heute sind, kann gut gelingen, wenn wir für die jüngere Seite in uns einen eigenen Platz am Boden legen. Wir benennen den Punkt, weisen ihm das gefühlte Alter zu und wechseln auf diesen Punkt. Wer dies ausprobiert, kann es unter Umständen gut spüren, wie sie / er kleiner wird, die Stimme sich ändert, der Blick nach außen. Das erneute Wechseln auf den Ursprungsort des Heute macht es leichter zu erleben, aha, das war damals, heute habe ich soviel mehr zur Verfügung, all meine Erfahrungen und die Erlebnisse, die mir durch mein Leben geholfen und mich gestützt haben, das kann mir ja niemand nehmen! Manch eine/r richtet sich auf an diesem Punkt, wächst. Es kann sein, dass dieses Spüren bei Ihnen ganz deutlich ausfällt, es kann sein, es ist fein und minimal, alles was Sie erleben, Du erlebst, ist ok und weist den Weg.

5. Loyalitäten
Es kann sein, dass wir innerlich Menschen gegenüber loyal sind, die uns scheinbar den Auftrag gegeben haben, nicht so glücklich, erfolgreich oder zufrieden und gesund zu sein, wie wir sein könnten. Wir glauben, es dürfe uns nicht besser gehen, als es diesen Personen zu gehen scheint. Wir oft habe ich gehört, dass jemand so übergewichtig sei wie die Mutter und die hat schon gesagt, sie habe das genau wie die Oma. Das Gleiche kenne ich von Migräne, bei mir selbst zum Thema Unsportlichkeit, bei vielen zum Thema Mathematik… und und und. Ich vermute, Genetik spielt herbei die geringste Rolle. Der  Mensch wollte verbunden sein und hat sich ein entsprechendes Selbstbild gebastelt. Heute (noch) sinnvoll?
Da gibt es die Loyalität dem Partner gegenüber, nicht allzu erfolgreich im Job zu sein. Da gibt es die Loyalität den Kollegen gegenüber, nicht allzu deutlich besser mit den Aufgaben zurecht zu kommen, als diese es von sich selbst äußern. Sinnvoll? Ist es sinnvoll, anderen zuliebe zu leiden, die Fähigkeiten nicht zu entwickeln, die uns zur Verfügung stehen? Hilft das irgendwem?
Wir wollen uns zugehörig fühlen, verbunden sein, das gehört zu uns als soziale Wesen und wir brauchen es für unser Wohlbefinden. Falsche Loyalitäten allerdings sind weder der einzige Weg noch der wirklich angemessene hierfür. Spüren wir sie auf, stellen wir sie auf den Prüfstand und finden wir die Loyalität zu uns selbst!
Auch hier werden wir sinnvollerweise den Weg über die Selbstakzeptanz gehen, wie wir es schon kennen, zum Beispiel: „Auch wenn ich manchmal noch glaube, nicht besser im Leben zurecht kommen zu dürfen, als X, kann ich mich zunehmend mehr akzeptieren und mögen, so wie ich bin.“ oder „Auch wenn ich glaube, das Wertesystem meiner Eltern zu verletzen, wenn ich handele, wie ich es gut und richtig finde, liebe und achte ich mich, so wie ich bin.“
Wir haben einmal geglaubt, dass bestimmte innere Haltungen und äußere Verhaltensweisen gut dafür seien, wie wir im Leben zurecht kommen wollen. Das kann sogar einmal zutreffend gewesen sein. Und heute? Haben wir heute etwas davon? Wenn ja, was? Ein guter Satz, sogar wenn dieser sogenannte „Gewinn“ nicht so recht greifbar wird ist: „Auch dann, wenn ich etwas vermissen werde, sobald ich dem Leiden ein Ende setze und mich dann besser fühle, kann ich mich mehr und mehr annehmen, so wie ich bin.“
Experimentiere doch, experimentieren Sie doch ein wenig mit derartigen Sätzen, wenn Du bemerkst / Sie bemerken, dass Methoden, die Dir / Ihnen zunächst als vielversprechend erschienen sind, dann aber nicht wirksam wurden!
Der spielerische und neugierige Umgang mit allem, was da so im Inneren zu finden ist, kann sogar Freude machen!
Gabriela von Witzleben schlägt diese wunderbaren Sätze zum Abschluss einer Bearbeitung von schädigenden inneren Loyalitäten vor:

„Jetzt lebe ich meine Version von…“

„Auch in Verbundenheit zu … gehe ich jetzt meinen eigenen Weg.“

In diesem Sinne eine gute Woche!