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Über ulroder_am

Sonderpädagogin und Heilpraktikerin, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, Hamburg und Ammersbek

Ziele, Wünsche, Hoffnungen im Alter und bei Krankheit

In meinem privaten Umfeld und auch in meiner Praxis begegne ich Menschen, die ihr Leben anders gestalten müssen, als sie dies ursprünglich geplant hatten.
Eine Krankheit oder das erreichte Lebensalter macht manch einer Planung einen Strich durch die Rechnung. Der Körper arbeitet nicht mehr so, wie er es bis dahin recht zuverlässig getan hatte. Einige sind überrascht, dass die Einschränkungen sich als umfassender erweisen als gedacht.
Ich nehme mich nicht aus: Weiß ich doch, dass mit dem Älterwerden solche Einschränkungen einhergehen – und will es dann doch nicht wahrhaben, dass ich nicht mehr jedes Möbelstück alleine verrücken kann…
Vielleicht hat der eine oder die andere Angst vor dem Alter, davor, dass die Sinne und die Beweglichkeit, die Kräfte und Fähigkeiten nachlassen.
Wunden heilen langsamer, Infekte sind hartnäckiger – die meisten Menschen bemerken das ab einem gewissen Alter und wundern sich vielleicht darüber, weil sie insgeheim glaubten, bei ihnen käme es später oder eben nicht so schlimm. Im Kopf fühlen sich die meisten doch noch genau wie immer, oder?
Womöglich bin ich etwas geduldiger geworden, etwas reflektierter, naja, das Gedächtnis ist nicht mehr ganz so fit, aber damit lässt sich’s leben.
Und dann kann es knüppeldick kommen und eine chronisch verlaufende Krankheit stellt einen Menschen vor Aufgaben, auf die er nicht vorbereitet war. Ganz besonders hart trifft eine Erkrankung, bei der man weiß, dass das Leben bald zu Ende sein wird, wie sehr man sich auch bemühen mag, das Verweilen zu verlängern.
Schwer zu ertragen sind hirnorganische Prozesse, die in der Psyche, in der Körperlichkeit und im Verhalten Veränderungen bewirken, die der Mensch nur bedingt steuern kann und die in der Umgebung Befremden, Angst oder Verzweiflung auslösen können.
Der Mensch ist aus der Spur.
Was mich berührt und was mir den Kontakt mit einem so getroffenen Menschen besonders wertvoll macht, ist es, zu erleben, wie sehr ein jeder, eine jede menschlich bleibt:
Da gibt es einen festen Willen bei von Demenz betroffenen. Da kann es ja sein, dass die anderen immer sagen, der Lebenspartner sei verstorben – seine Lieblingsdecke muss gewaschen parat liegen, fertig! Und es kann ja sein, dass die Familie sagt, es sei mitten in der Nacht – man fühlt sich fit und will jetzt Wäsche waschen. Auch plant man, heute mal den Garten umzugraben – dass das schon lange nicht mehr geht, ist im Moment nicht im Kopf. Sich etwas vorzunehmen, sich das vorzustellen und anderen mitzuteilen – das gehört zum Mensch-Sein dazu.
Wie damit umgehen als Familienmitglied oder Freund? Was zu vermeiden wäre, ist klar: Nicht alles ausreden wollen, nicht immer besser wissen, nicht zürnen oder gar lächerlich machen. Stattdessen? Zu begleiten, zu schauen, was sich verändert, die Bedürfnisse hinter all dem entdecken und auf sie eingehen, wenn möglich. Alternativen anbieten, und wo dies nicht geht, die Gefühlsäußerungen aushalten…
Der alte, kranke Mensch hat Bedürfnisse, Wünsche und sogar Ziele, selbst wenn es schon zu Ende geht. Vielleicht kann man einen Wunsch erfüllen? Vielleicht ist es gut, sich gemeinsam ein Ziel auszumalen, wissend, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass es noch erreicht werden kann? Da träumt ein Sterbenskranker von einer Motorradtour? Träumen Sie mit, wenn Sie können! Da wünscht sich jemand die Rückkehr ins Arbeitsleben? Warum ihn dieses Wunsches berauben? Reden Sie ihm oder ihr nichts schön, aber versinken Sie nicht mit ihm oder ihr in Hoffnungslosigkeit!
Bei einer lang andauernden Krankheit kann es gut für den Menschen sein, sich nach und nach neue, realistische Ziele zu setzen. Etwas geht nicht mehr? Vielleicht kann etwas Neues gefunden werden? Akzeptanz schütteln die wenigsten aus dem Ärmel, es braucht Zeit.
Ich denke nicht, dass es leicht ist, diese Prozesse zu begleiten. Ich denke schon, dass wir auf den kranken, alten Menschen hören können, hinspüren, was ihn oder sie umtreibt, ihn oder sie den Weg weisen lassen und selbst nur dann ein wenig anschieben, wenn es gebraucht wird. Dazu gehört, da zu sein, aufmerksam, bereit.
Wenn Sie zu denen gehören, die sich um einen solchen Menschen kümmern, dann geben Sie viel Kraft in diese Aufgabe. Achten Sie auf sich! Schauen Sie nach guter Unterstützung, auch für sich selbst!

Ziele und die Wichtigkeit von Grenzen

T schießt über das Ziel hinaus.
Mit Begeisterung beginnt T, sich neuen Vorhaben zu widmen. T findet es völlig normal, dafür alle Kraft einzusetzen und alle Aufmerksamkeit. (Ein Kunstwerk, ein Projekt, eine neue Liebe… )
Wenn T Glück hat, erinnert T ein anderer Mensch daran, was es noch so alles an Wichtigem geben könnte: lästige Post, die gleichwohl beantwortet werden muss, wenn keine bösen Folgen daraus erwachsen sollen; Rechnungen, die bezahlt werden müssen; essen, trinken, Körperpflege; saubermachen und aufräumen; soziale Kontakte pflegen…
Hat T dieses Glück nicht, steuert T wahrscheinlich großen Schwierigkeiten entgegen. Vielleicht sucht T die Ursache bei verständnislosen Mitmenschen oder dem blöden System.
Was hilft’s?

R verletzt Grenzen, nimmt sie bei anderen nicht wahr. Die eigenen Ziele werden um jeden Preis verfolgt. Die der anderen spielen keine Rolle, Kompromisse sind nicht drin.
Das geht solange scheinbar gut, bis niemand mehr die Scherben auffegt, die dabei entstehen.

G spürt keine Grenzen bei sich selbst, arbeitet, macht und tut stets bis zur Erschöpfung. Es scheint immer einen Grund dafür zu geben, mehr zu tun und länger zu arbeiten als die anderen. Für diese ist das recht bequem. Ungeduldig reagiert G, wenn vorsichtig nach der Möglichkeit eines weniger angestrengtem Lebens gefragt wird.
Was ist Gs Ziel? Anerkennung zu erhalten? Kontrolle über die Abläufe zu haben? Freizeit und Ruhe zu vermeiden, weil G sich sonst ängstigen könnte?

Vielleicht fallen Ihnen Situationen ein, wo selbst-schädigendes oder fremd-schädigendes Verhalten mit unreflektierter Zielbestimmung einhergeht, so wie bei T, R und G?

Möglicherweise erkennen Sie bei sich selbst, wo Sie sich durch das Verfolgen bestimmter Ziele in schwierige Gefühle oder äußere Probleme gebracht haben.
Was können Sie tun, um das zu ändern?
Zuerst können Sie sich deutlich vor Augen führen, welche Ziele Sie in Ihrem Leben verfolgen wollen. Vermutlich fallen Ihnen mehrere ein, wenn Sie sich Zeit hierfür nehmen.
Schreiben Sie sie auf! Im zweiten Schritt legen Sie fest, welches Ihr wichtigstes Ziel sein soll und welches das unwichtigste. Danach sortieren Sie die Ziele dazwischen nach der Wichtigkeit, die Sie ihnen geben wollen.
Schauen Sie sich ihr Ergebnis an und prüfen Sie, ob einige der Ziele im Widerspruch zueinander stehen, beide zugleich zu verfolgen schlechterdings nicht umsetzbar ist. Von welchem wollen Sie sich trennen?
Hierbei finden Sie vielleicht auch Ziele, die Sie aus eigener Kraft gar nicht erreichen können. Verschwenden Sie nicht länger Ihre Kraft und Energie darauf! Den Wunsch danach können Sie ja behalten!

Vielleicht fallen Ihnen auch Mitmenschen ein, deren Verhalten Ihnen nicht zusagt, weil diese ihre Ziele verfolgen, ohne ihre Mitmenschen, Sie z.B., im Blick zu haben. Was können Sie tun?
Sollten Sie den so beschriebenen Menschen nicht ausweichen können oder wollen, wäre es wahrscheinlich schädigend für Sie, wenn Sie dies einfach so hinnähmen.
Zwar werden Sie selten so ohne Weiteres eine Einsicht oder gar eine Verhaltensänderung erlangen, wenn Sie das Gespräch suchen. Es kann sich jedoch lohnen, es zu versuchen, wer weiß!
Schildern Sie Ihrem Gegenüber, wie sich sein Verhalten auf Sie auswirkt. Günstig hierfür sind greifbare Dinge, die sich nicht so leicht wegdiskutieren oder wegwischen lassen.
Ein umgefahrener Zaun ist ein umgefahrener Zaun und die Reparatur kostet!
Machen Sie Ihrem Gegenüber klar, welche Folgen es haben könnte, wenn es dies alles lieber ignorieren möchte.
Wenn alles nicht fruchtet, dann leiten Sie die Folgen ein, die Sie angekündigt haben!
Sollte sich in Ihnen bei dieser Vorstellung Widerstand und Unbehagen zeigen, schauen Sie genau hin, welche Werte, Glaubenssätze oder Ziele hierbei aktiviert wurden!
Sie entscheiden, ob Sie die Kosten dafür tragen wollen.

Klarheit zu erlangen darüber, wie Sie entscheiden wollen und wozu, das ist mein Vorschlag für heute, viel Erfolg!



Kennen Sie Ihre Ziele (2)?

“Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.” (Antoine de Saint Exupéry in Die Stadt in der Wüste / Citadelle)
Eine genauere Quellenangabe habe ich leider nicht, die Übersetzungen sollen auch unterschiedlich sein, und für Frauen gilt das sicher alles auch…
Nun, ich mag dieses Zitat. Es passt zu meinen Gedanken über Ziele im Leben eines Menschen.
Es entspricht der Spruch “Der Weg ist das Ziel.” nicht meinem Geschmack und auch nicht “Das Ziel ist im Weg.” Warum nicht?
Nach meiner Erfahrung und der vieler Menschen in meinem Umkreis benötigen wir Ziele, um uns zufrieden durchs Leben zu bewegen.
Im Gegensatz dazu scheint die Methode “gute Vorsätze” eher irgendwo im Ungefähren zu versanden.
Kennen Sie das?

Dies flatterte mir auch dieses Jahr wieder als Gruß für das neue Jahr ins Haus.

Auch schön ist, was ich auf einer sozialen Plattform zum Thema Aufschieberitis / Prokrastination las, etwa so: “Für 2020 habe ich mir vorgenommen, mit dem Prokrastinieren aufzuhören.” Ich brauchte ein Momentchen, bis ich den Witz hatte.

Was ist nun der Unterschied zwischen guten Vorsätzen und Zielen?
Warum geben wir bei den Vorsätzen rasch auf, mit Frust oder mit dem Augenzwinkern “War eh nicht so ernst gemeint”? Nun, sie sind als Vorschriften formuliert, die man sich selbst macht, als Verbote, als Gebote, sie wecken bei manchen innere Widerworte, sie haben das Scheitern im Gepäck.
Eine Freundin, befragt, wie sie das sähe, sagt, sinngemäß:

Wenn ich mir das Ziel setze, am Ende des Jahres 5 kg weniger zu wiegen, habe ich ein positives Bild davon, was sein könnte. Ich bin nicht gleich am Meckern mit mir selbst, wenn ich zwischendurch Vorfälle erlebe, die nicht in Richtung Ziel gehen.
Ich überlege, was ich alles unternehmen kann, um mein Ziel zu erreichen: weniger Schokolade, weniger Alkohol, mehr Sport, mehr Spaß (JA! Ist gut fürs Abnehmen, sagt sie!). Aber klingt das nicht genau wie die Anweisungen der guten Vorsätze?
Nein, sagt sie, der Fokus ist ganz auf meinem Ziel, abzunehmen. Ich freue mich, alte enge Hosen, die ich mag, wieder hervorzukramen. Ich probiere aus, welche Methode gerade am besten zu meinem Ziel passt und kann wählen. Es ist auch je nach Jahreszeit, Lebensführung und Lust immer mal was anderes, was gut wirkt. Sie sagt, sie fühlt sich auf diese Weise nicht gegängelt, sondern empfindet Wahlfreiheit und das mag sie.

Eine Bekannte sagt: Ich habe meinem Ziel abzunehmen, Zeit eingeräumt, nach der Wichtigkeit, die ich ihm gebe, nämlich jede Woche 3x eine Stunde. Diese Zeit fülle ich unterschiedlich: Mal lese ich über gesundes Essen, mal frage ich nach, bei jemandem, der / die erfolgreich abgenommen hat. Mal bewege ich mich ausgiebig, mal mache ich mir schöne Salate statt der schnellen Stulle.
Aha, sie hat die Wichtigkeit, die das Ziel für sie hat, beurteilt und ihm danach Platz in ihrer Planung eingeräumt! Planung heißt: konkret sein. Wichtigkeit beurteilen heißt, immer genau zu wissen, wozu man etwas tun will.
Das sehe ich als besonders wichtig an, es hat für mich viel mit den Bereichen Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit zu tun.

Noch einmal das Zitat vom Beginn des Textes:
“Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.”
Darin steckt Verheißung, Offenheit. Ich werde im offenen Meer auch Ziele ansteuern. Es kann eine Punktlandung formuliert werden, z. B. nach Island zu schippern, genauer nach Akureyri, vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Es kann ein Zeitraum mit Inhalt gefüllt werden, z. B. in seichten Gewässern und vorbei an sonnigen Stränden zu segeln, für eine vorher festgelegt Zeit oder auch, bis man sich genug erfreut und erholt hat, um neue Ziele zu formulieren. Auch das nenne ich ein Ziel!
Vielfalt der Möglichkeiten!
Ich kann Etappenziele festlegen, ich kann das Ziel ändern.
Nur: Konkret formuliert sollte ich es haben, mein Ziel, und wissen, wie wichtig es mir ist. Dann kann ich immer wieder gut schauen und prüfen, ob Methode, Gepäck und Weg noch passen.

In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal!


Auf ein Neues!

Nun ist also wieder Sylvester und in einigen Stunden beginnt das neue Kalenderjahr. Man kann gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass Rückschau und Bilanz und / oder Vorhaben und Vorsätze zwingend bedacht, kommuniziert oder zumindest mehr oder weniger witzig genau heute zum Thema gemacht werden müssten.
Natürlich ist das nicht so, Lebenskonzepte sind unterschiedlich.
Da gibt es zum Beispiel völlig verschiedene Vorstellungen darüber, wann ein neues Jahr, auch kalendarisch, begönne. Manche teilen die Jahre nach dem Mondkalender voneinander, dann wandert das Neujahrsfest von Jahr zu Jahr – bezogen auf den uns allen bekannten und für offizielle Angelegenheiten verbindlichen Kalender.
Dann gibt es noch die Aussage, dass schließlich in jedem Moment unseres Lebens ein neues Jahr begönne, genau jetzt. Somit wäre auch, je nach Geschmack und Neigung, ein permanentes Bilanzieren und Neu-Planen angesagt. Das klingt für mich anstrengend, aber der Grundgedanke gefällt mir: Reflektieren und Neuplanen benötigt keinen äußeren, schon gar keinen kalendarischen Anlass. Gut wäre, sich anzugewöhnen, nach inneren Bedarfen und Erkenntnissen den Zeitpunkt zum Innehalten wahrzunehmen und dann auch mit Inhalt zu füllen.
Manche Menschen nehmen den eigenen Geburtstag zum Anlass, sich neu zu orientieren. Ein Umzug kann es beispielsweise sein, der zur Rück- und Vorschau herausfordert…
Nun, Sie sehen, auch ich mache mir solche Gedanken gerade heute, an Sylvester.
Mir geht heute besonders durch den Kopf, was ich an Werten über die Jahre hinweg entwickelt habe. Was davon habe ich im vergangenen Jahr gelebt, was will ich weiterhin zu meiner Richtschnur machen? Diese Grundfragen will ich mir stellen, bevor ich eine Planung meiner Jahresziele vornehme.
Ich meine hier die ideellen Werte, die Handlungsleitlinien, nach denen ich leben möchte. Nicht einbeziehen will ich hier die Bedürfnisse, die selbstverständlich ebenso handlungsleitend wirken, mehr oder weniger bewusst. Dies ist ein eigenes Thema.
Solche ideellen Werte können mit einem übergeordneten Lebenskonzept, wie Religion oder politischer Überzeugung, eng verknüpft sein, sie können überkommen aus der Herkunftsfamilie sein, sie können täglich medial vermittelt werden, manchmal, ohne dass wir es bemerken, sie werden oft im Freundeskreis geteilt.
Brüche im Leben, eine Trennung, neue Bezugspersonen, Verluste jeder Art, Zumutungen von außen können sowohl das Lebenskonzept als auch die Wertvorstellungen zum Schwanken oder zum Einsturz bringen. Etwas scheint nicht mehr zu passen. Anpassungen, die vorgenommen werden, können zum zufriedenen Leben beitragen oder sie sind dysfunktional, verschlimmern die Situation.
Wie immer wir mit unserem Wertesystem leben – es wird Folgen für unsere psychische Verfasstheit haben. Dies gilt auch für den Fall, dass jemand allen Werten abschwören möchte und nur noch eigene Bedürfnisse zu Richtschnur nehmen möchte.
Alles hat seinen Preis, alles kostet. Es lohnt sich zu schauen, ob man die Kosten seiner Überzeugungen tragen möchte. Beispiele:
Haben Sie im letzten Kalenderjahr den Wert verfolgen wollen, stets verlässlich im Beruf zu sein und lieber die Last der KollegInnen mitzutragen, als selbst zu Last zu fallen? Schauen Sie genau hin, ob Sie drohen, unter dieser Belastung zusammenzubrechen! Wollen Sie das?
Wollten Sie stets für ihre Familie da sein? Gab es dennoch Konflikte und kam es zu Übergriffigkeiten oder zu nicht endenden Ansprüchen? Gab es deshalb Schwierigkeiten mit Personen, die mehr Beachtung haben wollten und oft zu kurz kamen? War eine dieser Personen Sie selbst? Soll es so bleiben?
Kommt es Ihnen so vor, als hätten Sie im letzten Kalenderjahr kaum eigene Ziele verfolgt, kann es einen Zusammenhang dazu geben, dass Sie ihrer eigenen Wertewelt verlustig gegangen sind und sich so zum Spielball der Vorstellungen in Ihrer Umgebung gemacht haben? War das gut für Sie?
Waren Sie einmal sehr engagiert, politisch, ehrenamtlich, kirchlich, sind Sie es nicht mehr, weil Sie zu viele Enttäuschungen verbuchen? Ist noch etwas in Ihnen, das sich gern engagieren möchte? Geht es vielleicht diesmal etwas kleiner, ohne den großen Rahmen, nicht minder wichtig, wenn es zu Ihren Werten gehört, einen positiven Beitrag zur Welt zu leisten?
Haben Sie Ihren Kindern jede Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen versucht und stellen nun fest, dass dies ein Irrweg war? Sind Sie mit sich selbst deshalb derart unzufrieden, dass Sie depressive Verstimmungen oder Ängste entwickeln? Gibt es andere Möglichkeiten, damit umzugehen?
Haben Sie die Wertvorstellung, alles können zu müssen, möglichst keine Fehler zu machen und finden Sie sich wieder in einem Leben voller Selbstzweifel, womöglich mit körperlichen Begleiterscheinungen? Gibt es einen Ausweg?
Haben Sie irgendwann beschlossen, nur noch sich selbst wichtig zu nehmen und wundern sich nun über mangelnde soziale Wärme in Ihrem Leben? Ist Neuorientierung möglich?

Menschen tun nichts ohne Grund, für alles gibt es Begründungen. Allerdings: Der Herr, die Frau Ihrer Begründungen sind Sie selbst!
Damit sind Sie in der Lage, den Jahreswechsel zu nutzen, hinzuschauen, zu bewerten, zu entscheiden. Vielleicht mögen Sie sich dazu ein paar Gedanken aufschreiben, vielleicht mit vertrauten Menschen darüber sprechen?
Draußen beginnt verstärkte Ballerei…. Kommen Sie gesund und unversehrt ins Neue Jahr! Sollten Sie zu denen gehören, die auf Pyrotechnik nicht verzichten wollen, prüfen Sie, ob Sie zu Ihrem Wert erklären wollen, Menschen nicht durch diese zu schädigen, das wäre ein Wunsch von mir an Sie!
Guten Rutsch!





Bedürfnisse und Ziele

Heute ist Montag, es ist auch Heilig Abend für die Christen, ein Familienfest immerhin auch für viele, die mit dem Christentum wenig oder gar nichts zu tun haben mögen. Für manche ist es ein scheußlicher Abend, weil sie ihn nicht so verbringen, dass sie sich dabei wohlfühlen. Sie sind allein, wären aber lieber in Gemeinschaft. Sie betrinken sich, mit Genuss hat es selten etwas zu tun. Sie sind mit der Familie zusammen und die Emotionen kochen ab einem bestimmten Zeitpunkt hoch – oder es fröstelt einen, weil Wahrhaftigkeit fehlt.

Manche sagen auch, es sei ein Friedensfest. Dafür gibt es kaum Belege. Beim Hören der heutigen Nachrichten finde ich eher solche für das Gegenteil, auch für die sich christlich definierenden Gegenden dieser Erde werte ich das so.
Aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, ereignen sich in dieser Zeit häufig  Naturkatastrophen – möglicherweise fällt es mir auch nur stärker auf, weil mich die Erwartung auf stille Tage begleitet.

Diese stillen Tage gönne ich mir in jedem Jahr ab dem frühen Abend des 24.12. Vor etlichen Jahren habe ich beschlossen, alles dafür zu tun, dass ich diese Tage nach meinem Geschmack gestalte. Ruhe bitte! Diesen Text schreibe ich gern, danach noch ein allerletzter Gruß an einen lieben Menschen – dann kehrt Ruhe ein. Handy aus, TV aus, kein Geplapper am Gartenzaun. Zur Ruhe zu kommen ist mir ein hohes Gut.

Meinem Glauben entspricht es nicht, dass an Weihnachten ein Heiland geboren sei zu unser aller Erlösung, diese Idee ist mir fremd. Es sind jedoch auch für mich mit diesem Fest Metaphern verbunden, die mir etwas sagen. So finde ich die Idee sehr schön, dass es da einen Gott gäbe, der sich hinein in diese Welt begibt, durch Geburt menschlich. Die Grenze von Schöpfer und Geschöpf wird durchlässig, es kann Nähe entstehen, sogar Vertrautheit.

Heute denke ich darüber nach, dass die Menschwerdung des Schöpfergottes nach christlicher Vorstellung in Gestalt eines Neugeborenen geschieht. Ich denke darüber nach, was es ist, das ein Neugeborenes ausmacht.

Es ist der Fürsorge bedürftig, denn es kann noch nicht für sich sorgen. Es will genährt, gewärmt und sauber gemacht werden, damit es sich wohlfühlen kann. Es bedarf der Stimme vertrauter Personen, es braucht Aufmerksamkeit, Zuwendung, sogar Gerüche, die es ihm ermöglichen, sich geborgen zu fühlen.

Wenn der erste Schock des Übergangs der Geburt ins Leben überlebt ist, die Orientierung im Außen noch sehr eingeschränkt möglich ist, dann braucht das Neugeborene Verlässlichkeit und Bindung, es braucht Menschen, die es willkommen heißen.

Wir wissen darum, dass nicht jeder Mensch dies alles so bekommt, wie es gut gewesen wäre. Selbst für diejenigen, bei denen alles gut begann, bleibt der Weg ins Leben ein Abenteuer mit Fallstricken, Überraschungen und Herausforderungen. Ich denke, das bleibt ein Leben lang so und ich denke, es ist gut, sich bewusst zu sein, dass wir Bedürfnisse haben, für deren Erfüllung wir aufmerksam und wirksam sein sollten.

Sollten Sie in diesen Tagen über Ihre Glaubensgrundsätze, ihre Werte und Ziele nachgedacht haben? Ich möchte Sie dazu animieren, alle diese unter ein Mikroskop zu legen, oder, falls Ihnen das leichter fällt, so zu betrachten, als lägen die Werte, Ziele und Glaubenssätze ganz weit weg und Sie benötigten ein Fernglas zur Betrachtung. Mögen Sie auch nicht? OK. Dann stellen Sie sich vor, diese Werte, Ziele und Glaubenssätze berichtete Ihnen ein nahestehender Mensch als die seinen. Wie würden Sie mit diesem Menschen darüber sprechen?

Und nun?Jetzt prüfen Sie: Ist das alles gut für ein Gefühl des Aufgehobenseins in dieser Welt? Hilft es, sich beschützt, gewärmt, genährt zu fühlen? Ist das alles gut für die Eroberung des nächsten Tages mit all seinen Besonderheiten?

Was brauchen Sie, um sich willkommen und zuhause in dieser Welt zu fühlen? Denken Sie sich für einen Moment als Neugeborenes, welches Gefühl entsteht dabei?

Legen Sie alles auf den Prüfstand: Vielleicht wollen Sie etwas anders denken, anders gestalten, anders erhoffen, anders einfordern, anders geben als bisher?

Ich wünsche Ihnen Tage, in denen Sie die Ruhe herstellen, die Sie zum Nachdenken brauchen. Und sollten Sie allein sein gegen Ihren Wunsch – gehen Sie raus! Gehen Sie unter Menschen, lassen Sie das TV aus mit seinen rührseligen Sendungen, schauen Sie ins reale Leben und vielleicht finden Sie eine Begegnung. Es muss ja nicht in der Eckkneipe sein.

Frohe Feiertage und bis nächsten Montag!

Kennen Sie Ihre Ziele? Folge 1

Kennen Sie Ihre Ziele?

In der Regel haben wir Ziele, die wir verfolgen, sobald wir morgens aufwachen: Wir frühstücken so, wie wir nach aller Erfahrung gut in den Tag kommen. Wir machen uns fertig für die Aufgaben, die wir erledigen möchten, gehen höchstwahrscheinlich in Gedanken den Tag durch: Haben wir alles dabei, vorbereitet, auf dem Zettel?

Als Kind hatten wir, wenn alles gut lief, dabei Hilfestellung durch uns erziehende Menschen. Später haben wir eigene Methoden entwickelt. Manchmal sind die Anforderungen durch Beruf, Familie oder gesundheitliche Besonderheiten so, dass wir unsere Methoden anpassen müssen.

Bei alledem verfolgen wir Ziele, auch wenn uns diese im Alltag nicht immer klar sind. Gehen wir zur Arbeit, weil wir Geld verdienen wollen? Wozu wollen wir dieses Geld verwenden? Wollen wir mit unserer Arbeit noch anderes erreichen? Wenn ja, dient dies einem höheren Ziel? Wenn unsere Arbeit keine Erwerbsarbeit ist – in welchem Kontext steht sie, welchen Zielen dient sie?
Wozu machen wir uns Tag für Tag auf in die Welt, sei sie auch noch so klein?
Der Gefängnisinsasse mag auch seine Ziele verfolgen – von der aufgeräumten Zelle, nach der guten Beurteilung durch die Verwaltung und Justiz zur vorzeitigen Entlassung strebend, Seilschaften in der Vollzugsanstalt bildend bis hin zur Idee des Ausbruchs: Auch hier gibt es die Möglichkeit, sich Ziele zu setzen und danach zu handeln.

Wenn es nicht gut für uns verläuft, denken wir womöglich, dass wir keine eigenen Ziele mehr haben, anscheinend fremdbestimmt durchs Leben gehen. Die Arbeit geht anscheinend immer vor oder auch die Ansprüche der Familie, der Freunde… Leben wir nach den Zielen anderer?
Dann ist es lebenswichtig, zu prüfen, wo wir etwas ändern können, damit unser Leben wieder nach unseren Zielsetzungen verlaufen kann.

Wenn Belastungen so groß werden, dass wir morgens nicht mehr aufstehen mögen, weil wir nicht mehr wissen, wozu das gut sein soll – dann sind uns unsere Ziele abhanden gekommen, nicht mehr bewusst, oder die Kraft fehlt dafür, sie zu verfolgen. Vielleicht haben wir seit Wochen zu wenig geschlafen, grübelnd im Bett gelegen. Dann sollten wir uns Hilfe holen, medizinische, heilpraktische, psychotherapeutische oder beratende.

Es kommt allerdings auch vor, dass Menschen sich ihrer Ziele so wenig bewusst sind, dass sie aus diesem Grunde kaum in die Verfassung kommen, etwas zu gestalten oder zu erleben, das ihr Leben erfüllen könnte. Dies kann in eine Depression münden.

Kennen Sie Ihre Ziele? Hierbei kann ein Gedankenspiel helfen. Stellen Sie sich vor, Sie seien gealtert, im letzten Lebensabschnitt. Suchen Sie sich ein Alter aus, das hierbei für Sie stimmig ist. Sie sind in Ihrer Vorstellung im Angesicht des Todes: Was wollen Sie bis dorthin gelebt haben? Was nicht versäumt?
Dies können einzelne Ereignisse sein, eine bestimmte Reise vielleicht. Dies können Zeitraumziele sein, gesund zu leben zum Beispiel. Dies können Lebensabschnittsziele sein – soziale Ziele, Karriereziele, schöpferische Ziele…

Manche Ziele liegen nicht in unserer Macht, Lottogewinne zum Beispiel, das sind dann Wünsche. Davon handelt dieser Text nicht. Bei manchen Wünschen gehören allerdings Handlungsziele dazu, damit sie in Erfüllung gehen können – ohne Los wird es auf keinen Fall etwas mit dem Gewinn.

Auf die Suche nach unseren Zielen zu gehen, zu erforschen, wo sie sich in unserem Leben geändert haben, wo sie zueinander im Widerspruch stehen, wo sie uns nicht guttun, das ist nicht mal eben so nebenbei erledigt! Wenn Sie sich Zeit nehmen, Ruhe dafür einplanen mögen, dann legen Sie jetzt fest, wann Sie damit beginnen wollen, am besten noch in dieser Woche! Tun Sie alles schriftlich, damit keiner Ihrer Gedanken unbeachtet bleibt!

Der erste Schritt: Forschen Sie nach Ihren Glaubensgrundlagen und Werten! Ihre Ziele sind sinnvoll und förderlich für Sie, wenn sie zu Ihrem Glauben und zu Ihren Werten passen.
Bei den Gedanken hierüber stellen Sie womöglich fest, dass einige Konzepte für Sie nicht mehr stimmig sind, nur überkommene Gewohnheit. Stellen Sie alles auf den Prüfstand!
Gibt es Widersprüche? Sind die Kosten zu hoch für ein Leben nach Ihren bisherigen Vorstellungen? Wollen Sie bei Ihren Werten und Glaubenssätzen bleiben? Gibt es Ausnahmen? Welche?
Schauen Sie, was Sie zu tun bereit sein wollen, um Ihren Glaubensvorstellungen und Werten Raum und Gewicht zu geben. Werfen Sie raus, was der Überprüfung nicht standhält, nehmen Sie hinzu, was Sie bisher übersehen haben!
Nach getaner Arbeit haben Sie eine gute Grundlage, nun auch Ihre Ziele zu überprüfen!

Bereit? Demnächst geht es hier weiter! Bis nächste Woche!

…über eine Entscheidung, die froh macht

Heute zitiere ich aus dem Buch PAWLOWA, Brian Sewell, Roman bei Insel, 4. Auflage 2018:
Mr B möchte mit einem Filmteam einen Film über die Vorgeschichte Pakistans drehen. Es gibt Spannungen zwischen ihm und dem Team, die Vorstellungen über den Film gehen weit auseinander.
Und dann sieht Mr B aus dem Auto einen kleinen Esel, vier tiefe Wunden hat er vom Tragen der Lasten, für die er noch viel zu jung ist. Er springt aus dem Auto und verschwindet zunächst in der Menge. Als man ihn einholt, ergibt ich Folgendes:

“>>Lassen sie den Esel und und steigen Sie wieder ins Auto<<, verlangte der Regisseur. >>Nicht ohne die Eselin!<<, sagte Mr B. >>Ich kann und werde sie nicht einfach hier zurücklassen.<< Während sie stritten, wurden ihre Stimmen immer lauter und um sie herum bildete sich ein Ring aus verständnislosen Zuschauern.  Es wäre vernünftig gewesen, die kleine Eselin ihrem Schicksal zu überlassen und nach Islamabad weiterzufahren, von wo sie am nächsten Tag nach London zurückfliegen würden, doch Mr B war kein vernünftiger Mann – im Gegenteil, wenn man ihn provozierte, konnte er ausgesprochen unvernünftig sein. >>Wir fahren ohne Sie<<, drohte der dicke Regisseur. >>Nur zu<<, erwiderte Mr B erstaunlich klar und entschlossen. Der Kameramann nahm seinen Arm, doch Mr B schüttelte ihn ab. >>Was werden Sie tun, wenn wir Sie hier zurücklassen?<<, fragte Dominic leise. >>Zu Fuß nach Hause gehen<<, sagte Mr B. >>Mit der Eselin.<< Und er lächelte übers ganze Gesicht.”

Hat das was bei Ihnen/Dir angestupst?

 

Nützliche Fragen an mich selbst…

Wenn ich meine Lebensziele und meine Lebensführung kritisch würdigen will, ist es nützlich, so zu beginnen:

Habe ich religiöse / weltanschauliche Glaubensgrundsätze? JA / NEIN

Wenn nein, wie geht es mir damit? _________________________________________________________________ENDE

Wenn ja, wie wichtig sind sie mir? extrem / sehr / mittel / weniger / kaum

Wie stark sollen diese Glaubensgrundsätze meine Lebensführung beeinflussen?                                                                                             völlig / sehr / mittel / weniger / kaum

Wie stark dürfen die Einschränkungen sein, die sich aus diesen Grundsätzen für mich ergeben?                                                 extrem / ziemlich / mittel / weniger / kaum

Was glaube ich, wodurch ich existiere? Schöpfergott, Evolution, Weltgeist, intelligentes Design… anderes

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Glaube ich, dass durch diese meine Grundannahmen an mich Anforderungen gestellt sind?

JA / NEIN

Falls ja: Welche sind das? ___________________________________________________________________________

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Habe ich die Einschätzung, diese Erwartungen weitgehend zu erfüllen?  JA / NEIN

Falls nein, rechne ich mit bzw. glaube ich an Konsequenzen hierfür?        JA / NEIN

Falls ja, welche könnten da sein?

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Was glaube ich ändert sich, wenn ich gestorben bin? Kommt dann noch was? Wenn ja, was?

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vgl. Stavemann, H. 2/2018

Eine kleine Geschichte vom Helfen

Von dieser Geschichte ist mir der Verfaser nicht bekannt – gerne nehme ich Hinweise dazu zur Kenntnis!

Der verkrüppelte Schmetterling

Ein Mann beobachtet, wie ein Schmetterling durch das schmale Loch seines Kokons zu schlüpfen versuchte und sich dabei abmühte. Lange kämpfte der Schmetterling. Schließlich bekam der Mann Mitleid, holte eine kleine Schere und öffnete damit ganz vorsichtig etwas den Kokon, sodass sich der Schmetterling leicht selber befreien konnte.
Aber was der Mann da sah, ließ ihn erschrecken. Der Schmetterling war ein Krüppel. Er konnte nicht richtig fliegen, stürzte immer wieder ab. Auch auf seinen Beinen konnte er sich nicht halten.
Der Mann erzählte einem bekannten Biologen davon und wie er dem Schmetterling geholfen hatte. Der Biologe antwortete ihm:
„Das war ein großer Fehler, du hättest ihm nicht helfen dürfen. Du hast den Schmetterling zum Krüppel gemacht.“
Der Mann wollte dies nicht glauben. Der Biologe fuhr fort:
„Durch die schmale Öffnung im Kokon ist der Schmetterling gezwungen, sich durchzuzwängen. Erst dadurch werden seine Flügel aus dem Körper gequetscht. Und deshalb kann er richtig fliegen, wenn er es aus seinem Kokon geschafft hat.“
Der Mann wurde nachdenklich.
„Weil du ihm den Schmerz und die Anstrengung ersparen wolltest, hast du ihm zwar kurzfristig geholfen, aber für sein Leben nichts Gutes getan – im Gegenteil!“

Autor unbekannt

 

Eine kleine Geschichte vom Behüten

Die Geschichte ist von Ortwin Meiss, Milton Erickson Institut Hamburg.
Hat er so mal einer Mutter erzählt, die allen Unbill von ihrem Sprössling fernhaften wollte

Der Baum

Ein Gärtner beabsichtigte einen schönen neuen Baum zu pflanzen. Er sollte die be­sten Vor­aus­set­zun­gen zum Wach­sen ha­ben, ein­fach die be­sten, die ein Baum nur ha­ben kann. Al­so hob er­ weit­räu­mig um­ die Ein­pflan­zungs­stel­le den Bo­den aus und ent­fern­te al­le Stei­ne und al­les was den Wur­zeln des Bau­mes im We­ge sein konn­te.

Dann nahm er die wei­ch­ste und locker­ste Er­de, die zu fin­den war, und schüt­te­te sie in die vor­ge­gra­be­ne Ver­tie­fung und setz­te den jun­gen Baum hin­ein. Die Wur­zeln soll­ten es so leicht wie mög­lich ha­ben, sich ih­ren Weg zu bah­nen. Ja sie soll­ten sich un­ge­hin­dert ent­fal­ten kön­nen und sich nicht durch har­ten Bo­den kämp­fen müs­sen, und kein Stein, soll­te ih­re Bah­nen stö­ren.

Der Baum wuchs schnell in die wei­che Er­de hin­ein und be­gann sei­ne Wur­zel in ihr aus­zu­brei­ten und mit al­ler Kraft schoß er in die Hö­he. Der Gärt­ner sah es mit Freu­de, gab dem Baum die be­ste Dün­gung und schnitt ihm den Weg zum Licht frei, in­dem er al­le Pflan­zen in der Um­ge­bung be­sei­tig­te. So brauch­te der Baum sich nicht mü­hen und hat­te Nah­rung, Licht und Hel­lig­keit im Über­fluß. Schließ­lich war er zu be­trächt­li­cher Hö­he em­por­ge­schos­sen.

Da ge­schah es, daß ei­nes Ta­ges ein gro­ßer Sturm her­an­zog und mit ge­wal­ti­gen Böen über das Land brau­ste. Der Wind griff nach dem Baum und zerr­te an sei­nen Zwei­gen und Ästen und da­ die Pflan­zen in der Um­ge­bung al­le kurz ge­hal­ten wa­ren, traf ihn die Ge­walt des Stur­mes schutz­los.

Gleich­falls wä­re es für ei­nen Baum die­ser Grö­ße ein Leich­tes ge­we­sen, dem Sturm zu wi­der­ste­hen, doch die Wur­zeln grif­fen nur in wei­chen Bo­den, fan­den kei­nen Halt und kei­nen Stein, den sie um­klam­mern konn­ten. Nir­gend­wo hat­ten sie sich durch­ge­kämpft, nir­gend­wo sich Platz schaf­fen müs­sen. So drück­te der Sturm den schö­nen Baum zur Sei­te, riss ihn mitsamt sei­nen Wur­zeln aus und warf ihn zu Bo­den.

Ortwin Meiss